Die KonApp der Deutschen Bibelgesellschaft soll Konfirmanden biblische Inhalte näherbringen

Die KonApp der Deutschen Bibelgesellschaft soll Konfirmanden biblische Inhalte näherbringen

Die „Immerdabei-Bibel“

Wie lautet die Frage Eins aus dem Heidelberger Katechismus? Was verbirgt sich hinter dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und wer findet am schnellsten eine Bibelstelle? Pauken, stures Auswendiglernen von Bibelstellen oder Katechismusfragen, das war der Konfirmandenunterricht von früher. Die KonApp der Deutschen Bibelgesellschaft soll jetzt helfen, Konfirmanden zentrale Glaubensthemen auf zeitgemäße Art und Weise zu vermitteln.

Kurz und knapp: Das ist die KonApp

KonApp – App für die Konfirmanden- und Jugendarbeit

+ Integrierte Bibeltexte: Lutherbibel 2017 und BasisBibel (NT und Psalmen)

+ Features: Grundtexte des Glaubens, Gruppenfeed, Lesepläne und thematische Zugänge zur Bibel, persönliches Tagebuch

+ Im Apple App Store für iPhone und im Google Play Store für Android

+ Kostenlos bis 2020, danach Kostenbeteiligung der Kirchengemeinde

+ Herausgeber: Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart



Für die meisten Kinder ab zehn Jahren ist das Smartphone ein Muss. Drei von vier Kindern in diesem Alter haben ein eigenes Gerät. Das hat eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 900 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren ergeben. Die JIM-Studie, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest einmal im Jahr durchführt, war bereits 2018 zu dem Ergebnis gekommen, dass 97 Prozent der Jugendlichen ein Smartphone besitzen.

Pfarrer Thomas Ebinger fragte sich deswegen: Wie können Kirchengemeinden das Smartphone sinnvoll für die Jugend- und Konfirmandenarbeit nutzen?

App für Konfirmanden geht an den Start

Ebinger war bis Februar 2019 als Dozent am Pädagogisch-Theologischen Zentrum (ptz) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verantwortlich für die Konfirmandenarbeit in seiner Landeskirche und suchte auch nach einer Möglichkeit, Jugendlichen die Bibel in zeitgemäßer Sprache auf medialem Weg zugänglich zu machen. Ebinger schwebte als Idee eine App für Smartphones vor, mit der Konfirmanden untereinander kommunizieren und nebenbei die Bibel in verständlicher Sprache entdecken können. Der Pfarrer sollte Lernaufgaben für den Konfirmandenunterricht, Termine und Fotos teilen können.

Biblische Inhalte schick aufbereitet

Zur Umsetzung seiner Idee fand Ebinger die Deutsche Bibelgesellschaft als Partner. „Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fördert die Entwicklung der App mit 160.000 Euro“, sagt Markus Hartmann. Er ist Leiter Digitale Medien bei der Deutschen Bibelgesellschaft und daher mit dem Projekt befasst. Ab September steht „KonApp – Die App für die Konfi- und Jugendarbeit“ für Android und iOS in den App-Stores zur Verfügung. Derzeit durchläuft die KonApp eine abschließende Testphase.

Digitale Jugendbibel

Die KonApp beinhaltet die Lutherbibel 2017 und zusätzlich in der BasisBibel das Neue Testament und die Psalmen. Ebinger sieht die BasisBibel als die künftige Jugendbibel: „Das war ein wichtiges Anliegen, eine digitale Jugendbibel zu haben.“ Eine „Immerdabei-Bibel“, wie er sagt. Ebinger ist auch kritisch. „Digitales Lesen ist noch nicht gut erforscht. Viele Schulexperten sagen, es ist kein Fortschritt, sondern eher ein Rückschritt.“ Für den Pfarrer ist die KonApp deshalb kein Ersatz für die gedruckte Bibel, aber ein „begleitendes Instrument, das Lernen vereinfachen und Interesse an der Bibel und dem christlichen Glauben wecken soll“.

In einer Art persönlichem Tagebuch können die Konfirmanden in der KonApp eigene Gedanken, Bilder, Videos und Bibelstellen speichern. Das Tagebuch ist nicht öffentlich und soll den Konfirmanden helfen, ihren Glauben zu reflektieren. Ab September soll die KonApp dann noch mit einführenden Leseplänen, zugeschnitten auf die Jugendlichen und aufbereitet in moderner Sprache, nachgerüstet werden. „Lesepläne machen die Erschließung der Bibel für Jugendliche sehr einfach“, sagt Ebinger. Allein und mit dem dicken Buch der Bibel seien viele Jugendliche überfordert.

Neue Form, bewährter Lernstoff

Wer Zugang zur virtuellen Konfirman-dengruppe hat, bestimmt der Pfarrer mit einem Verwaltungstool. Damit kann er auch die Lesepläne den Bedürfnissen der Gruppe anpassen, Termine festlegen oder Umfragen und Lernaufgaben an die Konfirmanden verteilen. Die App sieht für den thematischen Zugang zur Bibel ein Register vor. Ebinger nennt das die „Leseapotheke“. Dazu kommt noch ein Auswahltool für Konfirmationssprüche.

Ein wesentlicher Bestandteil der App sind wichtige Lernstoffe für den Konfirmanden­unterricht. Dazu gehören der Text des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Auftrag zur Taufe und Fragen aus dem Katechismus. Wie früher. Am Inhalt des Konfirmandenunterrichts ändert sich nichts. „Mit der App haben die Konfirmanden den Fresszettel zum Auswendiglernen aber immer dabei“, sagt Ebinger.

Für die Kommunikation mit und in der Gruppe hat die App einen eigenen, integrierten Feed. Sie zeigt an, wenn es neue Termine, Aufgaben oder Nachrichten in der Gruppe gibt. „Die EKD verbietet es aus Datenschutzgründen, WhatsApp zu verwenden. Auf die Funktion der direkten Kommunikation wollen wir aber nicht verzichten“, erklärt Ebinger. Auch nicht auf den Austausch von Bildern, Aufgaben und Benachrichtigungen. Deshalb musste ein eigener Chat für die App programmiert werden. Damit umschifft sie für die Konfirmandenarbeit auch eine rechtliche Hürde, von der viele Eltern nichts wissen.

WhatsApp verlangt von seinen Nutzern ein Mindestalter von 16 Jahren. So alt sind aber die Konfirmanden in der Regel nicht. Die EKD ist da sehr penibel. „Die KonApp unterliegt dem strengen Datenschutzrecht der EKD. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber WhatsApp und anderen Messengern“, sagt Hartmann.

Verwaltung versus Kommunikation

Bei der App hat die Technik ganz klare Grenzen. „Ein Gottesdienst-Kontroll-Tool lehnen wir aus pädagogischen Gründen ab“, sagt Ebinger. Auch wegen des Datenschutzes. „Deshalb werten wir in der App auch die Nutzung nicht aus“, sagt Hartmann.

Bis 2020 bietet die Bibelgesellschaft die KonApp komplett kostenlos an. Danach sollen sich die Kirchengemeinden an den laufenden Unterhaltkosten finanziell beteiligen, auch wegen der BasisBibel, die dann in vollem Umfang in der App zur Verfügung steht. Für die Konfirmanden soll die KonApp kostenlos bleiben und auch keine Werbung anzeigen.

Ebinger hat die App mit seinen Konfirmanden getestet. „Die Begeisterung ist auf jeden Fall sehr groß, wenn es eine App gibt“, resümiert er. Die App in dem frühen Teststadium zu installieren sei allerdings etwas „hakelig“ gewesen. In seiner Konfirmandengruppe hat der Pfarrer die KonApp vor allem für die Kommunikation genutzt. Ebinger hat für den Ausbau der App noch Ideen. Etwa ein QR-Code Scanner, mit dem individuell Lernstraßen entwickelt werden können, oder ein Tool zur Verwaltung von Arbeitsblättern und Aufgabenlisten als PDF.

Der Artikel ist in der Ausgabe 4/19 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen, das Sie hier oder telefonisch (06441/566 77 00) kostenlos bestellen können.

Von: Norbert Schäfer

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