Ein Zitat des Kirchenvaters Augustinus wird von Facebook als „Hassrede“ eingestuft. Hier ein Bildnis aus dem Jahre 1440

Ein Zitat des Kirchenvaters Augustinus wird von Facebook als „Hassrede“ eingestuft. Hier ein Bildnis aus dem Jahre 1440

Facebook löscht Augustinus-Zitat als Hassrede

Erst war es nur ein Kuriosum, doch dann wurde klar, dass es Facebook ernst meint: Ein katholischer Journalist berichtet davon, dass er im Sozialen Netzwerk ein Zitat des Kirchenvaters Augustinus postete, und Facebook dies als Hass-Rede bezeichnete. Das Unternehmen löschte das Zitat – nicht nur bei ihm.

Der katholische Journalist Domenico Bettinelli aus Boston hat am Sonntag in seinem Weblog davon berichtet, wie es einem Zitat des christlichen Philosophen Augustinus von Hippo (354–430) ergehen kann, wenn es bei Facebook veröffentlicht wird.

Ein Freund von ihm, der Ordensbruder Matt Wescott, habe auf seiner Facebook-Seite ein Zitat von Augustinus gepostet, schreibt Bettinelli. Es handelte sich um einen Ausschnitt aus einer Predigt des Kirchenvaters: „Lasst uns niemals annehmen, dass unser Leben ohne Sünde sein wird, wenn wir ein gutes Leben führen; unser Leben soll nur gelobt werden, wenn wir ständig um Vergebung bitten. Die Menschen aber sind Verzweifelte und je weniger sie auf ihre eigenen Sünden schauen, um so mehr interessieren sie sich für die Sünden anderer. Sie wollen kritisieren, nicht korrigieren. Unfähig, selbst um Verzeihung zu bitten, sind sie bereit, andere anzuklagen.“ (Sermo 19,2)

Bruder Matt berichtete, dass dieses Zitat von Facebook immer wieder gelöscht worden sei, wenn er es gepostet hatte. Offenbar greife hier ein Algorithmus zu hart durch, denn das Zitat sei vielleicht herausfordernd, aber keinesfalls beleidigend, fand der Geistliche. Auch einem anderen gemeinsamen Freund, Bruder Chip Hines, erging es so. Der wollte testen, ob Facebook auch bei ihm das Augustinus-Zitat löscht. Und tatsächlich wurde auch bei ihm der Text von der Plattform verbannt. Bruder Chip forderte eine Prüfung durch einen Angestellten von Facebook an. Er warte noch immer auf eine Antwort, schreibt Bettinelli in seinem Blog.

Posting des Postings wird ebenfalls gelöscht

Schließlich postete Bettinelli das Zitat selbst auf seiner Facebookseite. „Einige weitere Freunde sahen mein Posting“, schreibt der Journalist. „Und dann geschah es.“ Facebook meldete sich bei ihm und erklärte, das Augustinus-Zitat sei „Hate Speech“, also ein Hass-Posting, und verstoße damit gegen die Richtlinien des Unternehmens. Bettinelli schreibt dazu: „Hasspredigt? Es ist genau das Gegenteil! Der Text ruft die Menschen dazu auf, sich nicht auf die Sünden von anderen zu konzentrieren, sondern auf die eigenen. Damit wiederholt er nur die Worte Jesu: ‚Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?‘ (Matthäus 7,3).“

Diese Gedanken wiederum teilte Bettinelli auf Facebook zusammen mit einem Screenshot der Antwort von Facebook. Das Posting wurde über 600 Mal geteilt. Und auch dieser Post wurde von Facebook gelöscht. „Das wird langsam lächerlich“, kommentierte Bettinelli die Sache. „Wenn ich so weitermache, wird das zu einer Matruschka-Puppe ineinander verschachtelter Löschungen.“ Facebook habe ihn mittlerweile sogar gewarnt, dass sein Account gelöscht werden könnte, falls er das Augustinus-Zitat weiter verbreite.

Frustrierend sei zudem, dass jenes Zitat zwar bei einigen Facebook-Nutzern rigoros gelöscht werde, bei anderen hingegen nicht. Das sei so, wie wenn es ein Gesetz gebe, dass „Zu schnell Fahren“ bestrafe, jedoch nirgendwo festlege, was „zu schnell“ sei, schreibt Bettinelli.

Inzwischen habe sich ein Facebook-Mitarbeiter bei Bettinelli gemeldet und erklärt, dass man das Zitat leider weiterhin als Hassrede ansehe.

Von: Jörn Schumacher

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