Die Interessen von Jungen und Mädchen an kulturellen Aktivitäten unterscheiden sich laut Studie „in hohem Maße, wobei teilweise tradierte Rollenmuster ersichtlich werden“. Mädchen, die auf der Videoplattform unterwegs sind, werden vor allem von Tanz- und Choreographie-Videos dazu animiert, selbst mit dem Tanzen anzufangen (40 Prozent).

Die Interessen von Jungen und Mädchen an kulturellen Aktivitäten unterscheiden sich laut Studie „in hohem Maße, wobei teilweise tradierte Rollenmuster ersichtlich werden“. Mädchen, die auf der Videoplattform unterwegs sind, werden vor allem von Tanz- und Choreographie-Videos dazu animiert, selbst mit dem Tanzen anzufangen (40 Prozent).

YouTube als Leitmedium und digitaler Kulturort von Jugendlichen

WhatsApp und YouTube stehen ganz oben auf der Medienliste von Jugendlichen. Interessant ist: Die Mädchen und Jungen nutzen die Videoplattform laut einer Studie auch zum Lernen für die Schule. Doch die Bildungseinrichtungen sind darauf nicht vorbereitet.

YouTube ist neben WhatsApp das „mediale Zuhause“ von Jugendlichen. Die Mädchen und Jungen nutzen die Plattform jedoch nicht nur, um sich unterhalten zu lassen. Viele Jugendliche setzen YouTube-Videos ganz selbstverständlich als Hilfsmittel für das Lernen ein. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die der Rat für Kulturelle Bildung, ein von verschiedenen Stiftungen finanziertes Beratungsgremium, am Dienstag in Essen vorstellte.

86 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen nutzen YouTube. Damit wird die Videoplattform nach WhatsApp (92 Prozent) am zweithäufigsten genutzt – noch vor Instagram und Facebook (jeweils 61 Prozent). Was die altersspezifische Nutzung angeht, so liegt der Anteil bei den 12- bis 13-Jährigen bei 75 Prozent und steigt mit zunehmendem Alter auf 93 Prozent bei den 18- und 19-Jährigen an. Dennoch: 14 Prozent der Jugendlichen nutzen YouTube nicht. Bei genauerer Betrachtung wird laut der Studie deutlich, dass dies keinen allgemeinen medienkritischen Hintergrund hat.

Bildungseinrichtungen hinken hinterher

„Dass YouTube ein digitaler Kulturort ist, zeigt sich an der Bandbreite der kulturellen Formate und Angebote und an der Beliebtheit von Musik-, Tanz- und Modevideos“, erklären die Studienautoren. Auch habe sich eine „Remix-Kultur der Jugendlichen etablieren können“. Der Rat für Kulturelle Bildung empfiehlt angesichts der Ergebnisse, die kulturelle Dimension der Digitalisierung zu berücksichtigen: „Je selbstverständlicher sich Schülerinnen und Schüler auf digitalen Plattformen bewegen, je bedeutsamer Selbstinszenierungsprozesse werden und je alltäglicher Jugendliche Bilder, Sounds und Remixes als kreatives Arbeitsmaterial nutzen, desto wichtiger wird es, in den Schulen und Kulturinstitutionen eine Kultur der Digitalität zu entwickeln.“ Laut der Studie sind die Bildungs- und Kulturinstitutionen jedoch weder vorbereitet noch eingerichtet auf die Entwicklung, dass Jugendliche Online-Videos ganz selbstverständlich als Hilfsmittel einsetzen.

Ganz anders die Jugendlichen: Nahezu die Hälfte der Schüler hält YouTube-Videos für schulische Belange für wichtig bis sehr wichtig. YouTube-Videos sind bei dieser Gruppe vor allem zur Wiederholung von Inhalten aus dem Unterricht (73 Prozent), die nicht verstanden wurden, sowie für Hausaufgaben und Hausarbeiten (70 Prozent) wichtig bis sehr wichtig. Auch für die Vertiefung des Wissens und für die Vorbereitung auf Prüfungen haben YouTube-Videos hohe Bedeutung. 45 Prozent derjenigen, die YouTube-Videos für schulische Belange für wichtig bis sehr wichtig halten, nutzen die Videos auch zur Vor- und Nachbereitung des Musik-, Kunst- und Theaterunterrichts. Die Autoren quittieren: „Damit hat die kommerzielle Plattform YouTube eine folgenreiche Änderung der Bildungskonstellation bewirkt.“

61 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen Instagram, 46 Prozent Snapchat

61 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen Instagram, 46 Prozent Snapchat

YouTube gegen Schule: Jugendliche nennen Stärken und Schwächen

Der Rat für Kulturelle Bildung gibt Bildungs- und Kulturinstitutionen den Hinweis, diese neuen Wissens- und Vermittlungsformen aufzugreifen und stärker in die eigene Regie zu nehmen. Denn audiovisuelle Aufbereitungen schulischer Inhalte seien „als spezifische Form der Wissensaufbereitung für die schulischen Vermittlungs- und Aneignungsformen sehr geeignet“.

Dass Webvideos auch Grenzen im Vergleich zum Schulunterricht haben, ist den Jugendlichen gemäß der Studienautoren „überraschend klar bewusst“. Vorteile der Videos sehen die Schüler in der ständigen Verfügbarkeit, in der Art, wie die Inhalte dort präsentiert werden, sowie in der Gewährleistung beliebig vieler Wiederholungen. Die Mädchen und Jungen sehen den Vorteil der Schule im persönlichen Kontakt und Austausch mit den Lehrern sowie den Mitschülern.

Bei der Auswahl von YouTube-Videos sind für neun von zehn Jugendlichen (91 Prozent) die Tipps von Freunden, Bekannten und Mitschülern wichtig bis sehr wichtig. Auch Influencer geben für nahezu zwei Drittel der Jugendlichen entscheidende Impulse dafür, was sie bei YouTube auswählen. Für etwa die Hälfte der Befragten erfolgt der Einstieg bei YouTube am häufigsten mit einer gezielten Suche. Ein weiteres Drittel nutzt die Vorschläge von YouTube und klickt sich von Video zu Video.

Von: Martina Blatt

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