Hat verschiedene christliche Internetplattformen gegründet: Sven Kühne

Hat verschiedene christliche Internetplattformen gegründet: Sven Kühne

Als der IS eine christliche Facebook-Seite bedrohte

Die christliche Social-Media-Plattform „Glaubensimpulse“ feiert am Mittwoch ihr fünfjähriges Bestehen. Neben ermutigenden Erlebnissen verzeichnet ihr Gründer Sven Kühne auch eine Drohung vom IS.

pro: Was war dafür ausschlaggebend, dass Sie vor fünf Jahren Glaubensimpulse gegründet haben?

Sven Kühne: Angefangen hat das Ganze mit einem Gebet, wo ich Gott gefragt habe: Wie würdest du unsere Generation erreichen? Und dann kam’s so in meinen Kopf: Du (Jesus, Anm.) bist dort hingegangen, wo die Menschen waren, in den Tempel, zum Marktplatz. Und ich fragte mich: Ja, was ist denn der Marktplatz deiner Generation? Für mich war der in den sozialen Medien, dort tummeln sich ein paar Milliarden Menschen. Dann habe ich am 21. Februar 2013 mit dem ersten Glaubensimpuls im sozialen Netzwerk Facebook begonnen.

Wie haben Sie sich anfangs entwickelt und wie ist das in den Jahren darauf weitergegangen?

Gestartet habe ich das Ganze alleine. Die Seite auf Facebook mit dem Namen „Glaubensimpulse“ ist sehr schnell gewachsen, dann habe ich mir relativ schnell einen Redaktionsplan überlegt. Dann ist das Ganze relativ schnell einmal viel geworden und ich habe mir dann gedacht, bevor ich mir ein Burnout hole, hole ich mir Unterstützung. Und habe dann direkt in der Community gefragt: Wer hätte Interesse, mich dort zu unterstützen? Es waren dann gleich einige Leute, die sich gemeldet haben. Und so ist das Team immer weiter herangewachsen. Heute sind wir 35 Ehrenamtliche.

Was ist Ihnen als Herausgeber wichtig?

Die Vision, für die unser Herz schlägt, liegt darin, Menschen mit der besten Botschaft dieser Welt zu erreichen, damit unsere Generation Gott begegnen und er ihnen dann Hoffnung schenken kann. Wir können den Samen in einer Masse ausstreuen – so effizient, wie das vermutlich noch keine Generation vor uns machen konnte. Und auf der anderen Seite dafür zu beten, dass der Heilige Geist den Samen aufgehen lässt und Menschen dann zu ihm führt.

Sehen Sie sich eher als fromme oder als gesellschaftsrelevante Plattform?

Gottes Wort ist gesellschaftsrelevanter als je zuvor. Ich glaube, es gibt nichts anderes, was so gesellschaftsrelevant über Jahrtausende war und glaube, dass Gottes Wort für jeden Einzelnen unserer Generation etwas zu sagen hat. Somit: Ja, wir sind eine christliche, konfessionsunabhängige Initiative, die aber zur selben Zeit versucht, auf gesellschaftsrelevante Themen einzugehen, Stellung zu nehmen, wo’s Sinn macht, aber immer auf eine einladende Art: Das heißt, dass ich niemand anderen verurteile, nur weil er etwas anderes glaubt oder denkt. Immer mit dem Wissen: Wir sitzen alle im selben Boot, wir sind alle Sünder und da brauchen wir uns nicht über jemand anderen zu erheben. Und mit dieser Botschaft wollen wir die Nächstenliebe so versuchen zu leben, wie Jesus sie vorgelebt hat. Wir sind auch nur Menschen und machen auch Fehler, aber mit Gottes Hilfe versuchen wir das Beste, um Salz und Licht zu sein.

Im Kontext der Nationalratswahlen in Österreich haben Sie relativ stark politisch berichtet. Wie politisch darf ein christliches Medium sein?

Politisch bedeutet ja, dass wir Einfluss auf die Gesellschaft nehmen – das tun die Politiker. Ich glaube, dass jedes Medium dasselbe tut, es nimmt Einfluss auf die Gesellschaft mit dem, was es berichtet. Wir haben anlässlich der Nationalratswahl in Österreich versucht Fragen zu stellen, die öffentlich-rechtliche Medien nicht behandelt haben. Dafür haben wir vorab ein Gremium aus Experten aus den verschiedensten Wissensbereichen gegründet, um sicherzustellen, dass wir nicht zu subjektiv, sondern möglichst objektiv drangehen und ein möglichst breites Spektrum erfassen. Wenn wir Medien nicht zu sehr in die eine oder andere Richtung versuchen zu polarisieren, sondern sagen: In jeder Partei werden wir christliche Werte wiederfinden. Keine Partei wird so sein, dass man sagen kann, das ist die einzig wahre Partei – genauso wie es nicht die einzig wahre Kirche gibt, bis wir eines Tages im Himmel sind.

Die Qualität der Facebook-Postings scheint im christlichen Bereich nicht besser zu sein als im weltlichen Bereich. Wie war Ihr Eindruck in den letzten fünf Jahren dazu?

Es ist immer wieder spannend, sich darüber zu unterhalten. Es sind selbstverständlich immer hier in allen anderen Gruppen, Seiten und Plattformen ein paar Wenige, die negative Kommentare hineinbringen, die polarisieren, die Streit suchen. Das ist eher traurig, denn wir sollen ja Salz und Licht sein. Das ist dann schade, wenn das auch auf christlichen Seiten passiert. Wir beobachten allerdings auch andere christliche Plattformen, wo es teilweise noch schlimmer zugeht. Nichtsdestotrotz ist unser Wunsch das, was unsere Moderatoren immer sagen: Geht in einem respektvollen Ton miteinander um, respektiert einander, wertschätzt einander, selbst, wenn ihr unterschiedlicher Ansichten seid!

Warum, glauben Sie, geht es auf christlichen Seiten nicht besser zu als auf weltlichen Seiten? Das erinnert ein bisschen an die Aussage von Nietzsche, der sinngemäß gemeint hat, dass die Christen freundlicher (bei Nietzsche wörtlich: „erlöster“) aussehen müssten, damit er Christ werden würde. Ist das im Social Web nicht auch ein wenig ähnlich?

Jemand anders hat einmal gesagt: Wenn ich eine Kirche gehe, bin ich dadurch noch nicht Christ, genauso wie ich, wenn ich eine Garage gehe, noch kein Auto bin. Genauso ist es auch auf unserer Plattform. Es sind trotzdem Menschen mit ihren Emotionen. Jeder befindet sich irgendwo auf seinem Weg mit Gott oder zu Gott. Es liegt jetzt nicht an uns, über andere zu werten. Denn, wenn wir die Splitter in den Augen der anderen sehen, haben wir selbst vermutlich den Balken im Auge. Wir wollen immer gern auf einen respektvollen Umgang hinweisen, haben aber auch schon oft erlebt, dass auch aus unserer Community heraus darauf hingewiesen wird: Geht doch in Nächstenliebe miteinander um, habt doch ein bisschen Respekt zueinander!

Wie steht es um die Finanzierung von Ihrem Portal? Sie arbeiten ehrenamtlich, aber es fallen ja trotzdem Kosten an.

Es fallen trotzdem viele Kosten an. Von den Bildrechten, Serverkosten bis zur Entwicklung von Portalen wie Glaube.at, das ist natürlich auch eine sehr teure Geschichte. Unser Wunsch ist es, als disruptives Medium, wie ich uns betrachten würde …

Disruptiv im Sinne von?

Disruptiv, dass wir versuchen, Menschen mit neuen Technologien zu erreichen. Dass wir schauen, was es für neue Trends gibt, die wir aufgreifen. Ein Beispiel: In den nächsten Jahren werden immer mehr Menschen mit dem Thema Virtual Reality konfrontiert werden – wie können wir es schaffen christliche Impulse, Glaubensimpulse oder evangelistische Themen über dieses Medium zu den Menschen zu bringen? Content ist wichtig, gerade in der Anfangszeit dieser disruptiven Technologie. Da wollen wir mit unseren Partnerorganisationen ganz vorne mit dabei sein und gute Inhalte hineinbringen. Und das kostet natürlich, so eine Entwicklung. Unser Wunsch ist es, aufgrund der zunehmenden Größe eine Person anzustellen, die das Ganze auch ein bisschen weiter koordinieren kann. Das heißt, es ist viel in Bewegung. Da braucht es immer mehr Ressourcen, um diesem Auftrag gerecht zu werden.

Was war das Ermutigendste, das Sie in den letzten Jahren erlebt haben?

Es gibt sehr viele ermutigende Stories, aber eine hat mich besonders gefreut, weil ich gemerkt habe: Da ist Gott am Werk. Und zwar hat sich bei uns eine Person gemeldet, die sehr depressiv und selbstmordgefährdet war und gesagt hat: Ich weiß nicht mehr weiter, aber ich melde mich heute hier und jetzt noch bei euch, sozusagen als letzter Versuch: Könnt ihr mir helfen? Ich habe mit dieser Person gesprochen, habe sie ein bisschen ermutigt und gefragt: Ich weiß zwar nicht, wo du wohnst, aber wärst du bereit, mit einem Christen zu sprechen, der in deiner Nähe wohnt? Da hat er mir gesagt, wo er wohnt, in einer etwas größeren Stadt in Deutschland. Ich habe gebetet und gesagt: Hey Jesus, ich habe jetzt überhaupt keine Ahnung, bei wem ich mich melden soll. Dann hatte ich einen Impuls: Melde dich bei der Person! Das habe ich gemacht, und diese Person war bereit, sich mit dem Ratsuchenden zu treffen. Und by the way: Ich kenne diese Person persönlich. Da kriege ich immer wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Und das entmutigendste?

Der IS hat sich bei uns gemeldet und gesagt, wir werden euch Christen alle umbringen, uns mehrfach gedroht – vor ein paar Jahren einer der Anführer des IS in Syrien. Wir haben das Ganze mit der Polizei abgeklärt, die haben uns dann bestätigt, wer das ist und das Ganze wurde dann auch an Facebook und Co. gemeldet. Auf der anderen Seite kann ich dem auch etwas Positives abgewinnen. Es bedeutet nämlich, dass wir als Dienst wahrgenommen werden. Und wir wissen nicht, was so ein Dienst in den Herzen der verschiedenen Menschen wie auch beim IS bewirken kann. Wir sitzen alle im selben Boot, wir erheben uns nicht über jemand anderen, weil er besser oder schlechter ist, wir sind alle gleich. Dieser Dienst bewirkt was. Wir wissen nicht, was er bei ihm bewirkt, wir wissen nicht, was er bei anderen Menschen auf der ganzen Welt bewirkt hat. Aber wir vertrauen darauf wie bei diesem einen Menschen in Deutschland, dass er diesen Samen aufgehen lässt und dass jeder Glaubensimpuls auch ein Impuls im Leben der einzelnen Menschen sein wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hintergrund: Der in Österreich lebende Sven Kühne hat die christliche Social-Media-Plattform „Glaubensimpulse“ am 21. Februar 2013 gegründet, 2015 kam die Website Glaube.at dazu. Dachorganisationen sind die beiden Vereine IM (Impuls Medien) Österreich und IM Deutschland. Heute wird die bunte Plattform von einem Team aus 35 Ehrenamtlichen gemanagt und hat 300.000 Facebook-Likes. Neben weiteren Neuerungen ist für die nahe Zukunft unter anderem ein arabischsprachiger Ableger geplant, der von ehemals verfolgten Christen in Europa betrieben werden soll.

Die Fragen stellte Raffael Reithofer

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