Beim Kampf um die Meinungshoheit spielen auf Webseiten wie Facebook gefälschte Nachrichten eine immer größer werdende Rolle

Beim Kampf um die Meinungshoheit spielen auf Webseiten wie Facebook gefälschte Nachrichten eine immer größer werdende Rolle

Facebook startet Kampf gegen Fake News

Facebook ergreift in Deutschland erste Maßnahmen gegen Fake News. Das soziale Netzwerk arbeitet dabei mit der gemeinnützigen journalistischen Plattform Correctiv.org zusammen.

Papst Franziskus unterstützt Donald Trump. IS-Anführer ruft amerikanische Muslime auf, Hillary Clinton zu wählen. Trump bietet Auswanderern kostenlose Flugtickets nach Afrika und Mexiko an. Das sind einige Fake-News-Schlagzeilen, die im vergangenen Jahr am häufigsten über soziale Medien geteilt wurden. Das soziale Netzwerk Facebook führt jetzt auch in Deutschland Maßnahmen ein, um gegen gefälschte Nachrichten vorzugehen. Wie das amerikanische Unternehmen am Sonntag mitteilte, werden die dazu benötigten Updates auf der Internetseite in den kommenden Wochen aktiv.

Facebook konzentriert seine Gegenmaßnahmen vor allem auf die Verbreitung von eindeutigen Falschmeldungen, die durch Spammer erstellt werden. Um die Falschmeldungen zu enttarnen, arbeitet das Unternehmen in Deutschland mit der gemeinnützigen journalistischen Plattform Correctiv zusammen. Die bezeichnet sich selbst als Recherchezentrum. Correctiv ist Unterzeichner des Poynter's International Fact Checking Code of Principles, eine Art Verhaltenskodex für Unternehmen im Internet.

Correctiv soll „objektive, unvoreingenommene Bewertungen“ von Nachrichten liefern. „Dies sind nur die ersten Schritte, die wir unternehmen, um die Erfahrung für alle Nutzer zu verbessern“, kündigte Facebook an. Eine Neuerung wird sein, dass die Nutzer Facebook selbstständig auf Fake News hinweisen können. Das soll über die Optionen eines jeden Beitrags rechts oben möglich sein. „Wir glauben, dass zusätzlicher Kontext Personen dabei helfen kann, selbst zu entscheiden, wem sie trauen und was sie teilen möchten", schreibt Facebook.

So soll das Aufzeigen von Fake News funktionieren

So soll das Aufzeigen von Fake News funktionieren

Erkannte Fake News werden nicht gelöscht

Die Plattform Correctiv hat dann die Aufgabe, auffällige und gemeldete Beiträge zu überprüfen. Wenn sie den Facebook-Beitrag als gefälscht identifiziert, wird dieser nicht gelöscht, sondern mit einem Warnhinweis versehen. Der unterstreicht die Fragwürdigkeit des Beitrags mit einem Link, der zur Begründung von Correctiv führt.

Eventuell tauchen diese markierten Beiträge laut Facebook auch in der Timeline weiter unten auf, was bedeutet, dass sie später und damit von weniger Nutzern gelesen werden. Die Beiträge sollen aber weiterhin geteilt werden können. Der Nutzer wird dabei auf den angezweifelten Wahrheitsgehalt hingewiesen. Der Beitrag kann allerdings nicht mehr beworben oder optisch hervorgehoben werden.

Zukünftiges Finanzierungsmodell unklar

Der Gründer von Correctiv, David Schraven, bezeichnet Fake News in einer Stellungnahme auf Facebook als eine der „großen Bedrohungen unserer Gesellschaft“. Gerade angesichts der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai und der Bundestagswahl im September glaubt er an einen deutlichen Anstieg der Fake News in sozialen Medien.

„Das Ganze ist in unseren Augen eine Art Betatest", schreibt Schraven über die Zusammenarbeit mit Facebook. Leider sei bis zur richtungsweisenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nur sehr wenig Zeit. In den Vereinigten Staaten von Amerika testet Facebook bereits die neuen Maßnahmen. Dort arbeitet das Unternehmen mit Organisationen wie ABC News, der Associated Press oder FactCheck.org zusammen.

Zur Finanzierung wies Schraven darauf hin, dass während der Anlaufphase des Projekts noch kein Geld zwischen Facebook und der Plattform fließe. Langfristig fordert er aber eine adäquates Finanzierungsmodell: „Es wird schwer werden, das Geld unserer Spender dafür auszugeben, Facebook zu heilen.“ Zu den größten Spendern von Correctiv gehören die Bundeszentrale für politische Bildung, die Essener Brost-Stiftung, die Rudolf-Augstein-Stiftung und die Schöpflin-Stiftung.

Im Internet stößt die Zusammenarbeit von Facebook und Correctiv auf Zustimmung, aber auch auf Kritik. Der Autor Dushan Wegner etwa zweifelt an der Objektivität von Correctiv:

Für Heiterkeit bei Twitter sorgt indes ein alter E-Mail-Newsletter von Correctiv-Gründer Schraven, in dem er Hillary Clinton als Siegerin der US-Präsidentschaftswahl verkündet.

Zahlreiche Nutzer amüsieren sich darüber, dass offenbar auch Correctiv.org nicht ganz gegen Falschmeldungen immun ist. (pro)

Von: mm

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