Die Antiweihnachtskampagne, die sich im Dezember im Internet verbreitete, hat ihren Ursprung in der Türkei
Die Antiweihnachtskampagne, die sich im Dezember im Internet verbreitete, hat ihren Ursprung in der Türkei

Mit der Ditib gegen Weihnachten

Im Internet sorgt eine Kampagne für Aufsehen, in der ein Mann den Weihnachtsmann verprügelt. Auf türkisch rufen die Initiatoren Muslime dazu auf, das christliche Fest nicht zu feiern. Verbreitet wurde das Bild wohl auch von einer Jugendorganisation des muslimisch-türkischen Verbandes Ditib.

Wie das Hamburger Abendblatt am Freitag berichtet, seien die Zeichnungen vom Fausthieb gegen den Weihnachtsmann nicht nur in der Türkei, sondern auch von Ditib-Jugendorganisationen in Deutschland verbreitet worden. Die Ditib gilt als der größte muslimische Verband in Deutschland.

Der türkische Text neben dem Bild ruft dazu auf, Weihnachten nicht zu feiern. In einigen Begleittexten zu den Bildern soll es geheißen haben, Weihnachten stehe für den Unglauben der Christen. Dabei sei auch der islamistische Kampfbegriff „Kuffar", also: Ungläubige, benutzt worden. Und nicht nur das: Im Internet finden sich nach pro-Recherche unter anderem von Privatpersonen verbreitete Fotos, in denen junge Männer einem als Weihnachtsmann Verkleideten eine Pistole an den Kopf halten.

Laut Abendblatt hatte die Religionsbehörde der Türkei, die Ditib-Imame mit Predigten zum Freitagsgebet versorgt, zudem einen Text verschickt, in dem das Silvesterfest kritisiert wird. Die Feier passe nicht zur Lebensweise gläubiger Muslime, so die Begründung.

Neue Qualität der Einflussnahme

„Die Agitation gegen christliche Feste und westliche Werte gibt es in jedem Jahr", erklärt Islamismusexperte Ahmed Mansour gegenüber dem Abendblatt. Neu sei allerdings, dass die Kritik nicht mehr nur von Islamisten, sondern nun auch von der türkischen Regierung selbst komme. „Das ist eine völlig neue Qualität, aufgrund derer man auch Ditib in Deutschland neu bewerten muss", fordert er.

Die Ditib war bis Freitagnachmittag für pro nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Gegenüber dem Abendblatt distanzierte sich der Vorsitzende der Ditib Hamburg und Schleswig-Holstein, Sedat Şimşek, von der Kritik an christlichen Feiertagen: Ditib lehne „jede Form der Verächtlichmachung von Sitten, Bräuchen und Festen ab".

Türkischer Einfluss an deutschen Schulen

Kritik an dem Verband kam am Freitag allerdings auch vom Deutschlandfunk. Das Medium weist den Muslimen nach, enge Verbindungen zum türkischen Staat zu pflegen. So sei laut Ditib-Satzung der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei Ehrenvorsitzender des Verbandes und Vorsitzender des Ditib-Beirats. Die engen Verbindungen zwischen muslimischem Dachverband und türkischer Regierung erschienen vor allem deshalb problematisch, weil die Ditib unter anderem die Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen mitbestimme, heißt es im Deutschlandfunk. Denkbar wäre es also, dass das türkische Religionsamt den Unterricht hierzulande mitprägt. (pro)

Von: al

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