Podcast, Blog & Co.: Christen im Medium Internet

W e t z l a r (PRO) - Es ist heute wichtiger denn je, dass Christen im Massenmedium Internet deutlich Flagge zeigen. Kein anderes Medium ist in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, Millionen Menschen nutzen täglich das World Wide Web zur Information, zum Austausch von Meinungen oder für ihre Suche nach Unterhaltung. Auf diesem Tummelplatz von Angeboten müssen sich Christen mehr denn je engagieren – die Christliche InterNet-Arbeitsgemeinschaft (CINA) zeigt seit zehn Jahren, wie das gehen kann.

"Liebes Internet", schrieb Franz-Josef Wagner am vergangenen Freitag in seiner "Bild"-Kolumne "Post von Wagner", "Liebes Internet, das suchtbleiche Gesicht Deines Dauerbesuchers 'ResistantX' ist inzwischen auf allen Foren und Websites gelöscht. 'ResistantX' macht keinen Mausklick mehr. Er ist tot. 'ResistantX' nannte sich der Amokläufer Bastian B. im Internet. Er erzählte Dir alles. Wen er in der Geschwister-Scholl-Schule ermorden will und warum. Er erzählte Dir von seiner Einsamkeit und den Waffen, von zerfetzten Körpern und von Rache.

Du, Internet, speicherst alles wie die Rezepte eines perfekten Apfelkuchens. Es ist Dir völlig egal, wer Dich anklickt. Verzweifelte, nach einem Goethe-Zitat Suchende, Pornogeile, Hassende, einsame 18-Jährige. Das Internet hat kein Gewissen. Es ist eine Datenbank. Das Internet ist nicht menschlich. Sebastian B. hat das Internet mit einem Menschen verwechselt. Das war sein großer Fehler", so Franz-Josef Wagner.

"Er erzählte Dir alles", schreibt der bekannte "Bild"-Kolumnist über den Amokläufer Bastian B. und das Internet, die Datenbank, die nicht menschlich ist. Der 18-Jährige hatte keinen Ansprechpartner, wusste nicht, an wen er sich wenden sollte. Auch nicht im Internet.

Christen müssen Ansprechpartner sein – auch im Internet

Wie wichtig es angesichts dieser Tatsachen ist, dass sich Christen im Internet engagieren, dass sie Ansprechpartner sind für Suchende und Surfende, mit einer klaren Botschaft und einem Bekenntnis ihres Glaubens auch in der Online-Welt vertreten sind, sagte Pfarrer Ulrich Parzany, Leiter und Redner von ProChrist (Kassel), am Freitag auf der Jubiläumsveranstaltung der Christliche InterNet-Arbeitsgemeinschaft CINA. "Da sucht ein 18-Jähriger seine Waffen im Internet, um damit in einer Schule einen Amoklauf anzurichten. Es verirren sich täglich Millionen Menschen auf Millionen Seiten im Internet. Christen müssen mit einem klaren Angebot und einer klaren Botschaft im Internet vertreten sein", so Parzany.

Internet als Missionsfeld

Der Journalist und Medienexperte Wolfgang Stock weiß ebenfalls, wovon er redet. Stock ist Professor und Fachbereichsleiter für Journalismus an der Gustav-Siewerth-Akademie, war viele Jahre Redakteur bei Tageszeitungen wie der "Welt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Berliner Zeitung" und dem Nachrichtenmagazin "Focus", bis 2003 Politikchef der "Welt am Sonntag". Seit 2005 ist Stock geschäftsführender Gesellschafter der Firma RCC Public Affairs, die unter anderem den Video-Podcast von Bundeskanzlerin Merkel initiiert und produziert hat.

"Als die CINA 1996 gegründet wurde, hatten die wenigsten überhaupt einen Internetzugang", sagte Wolfgang Stock in seinem Vortrag auf der Jubiläumsveranstaltung. "Engagierte Christen haben damals dennoch erkannt, dass das Internet ein Zukunftsmedium ist." In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Internet schneller entwickelt als jedes andere Medium. "Wir sprechen jetzt vom Web 2.0, der Neuerfindung des Internets, das mehr denn je eine Plattform für den Austausch von Meinungen und Produkten der Nutzer ist. Das bedeutet auch für Christen, unmittelbarer bei den Internetnutzern zu sein, mit ihnen auf direktem Weg zu kommunizieren", so Stock. "Menschen, die sich nicht in eine Kirche trauen, können Predigten im Internet hören und Gottesdienste als Mitschnitt sehen. So wird das Internet zum Medium, das die christliche Botschaft zu den Menschen bringt."

Dennoch gebe es für Christen noch viel zu tun, um angesichts von Podcast, Blog und Co. von der "Neuerfindung des Internets" zu profitieren. "In Zukunft müssen sich christliche Internetanbieter stärker vernetzen. Christen müssen verstärkt Flagge zeigen, in Internetforen mitreden, ihren Glauben kommunizieren und in Datenbanken zu Themen wie etwa Abtreibung die Meinung von Christen einbringen", sagte Wolfgang Stock.

CINA-Leiter Joachim Stängle: "Christen müssen Ansprechpartner sein"

"Das Internet ist nicht menschlich", schreibt "Bild"-Kolumnist Franz-Josef Wagner. Dennoch vertrauen sich Hunderttausende Menschen jeden Tag diesem Internet an, schreiben in Blogs und Foren von ihren Sorgen und Ängsten. "Diese Menschen wollen wir erreichen, wir müssen als Christen Ansprechpartner sein für alle, die auf der Suche sind", sagt CINA-Leiter Joachim Stängle. Und fügt hinzu: "Wer im Internet surft, ist immer auf der Suche. Etwas besseres als den Glauben kann keiner finden."

CINA, die im Herbst 1996 von elf Organisationen der Deutschen Evangelischen Allianz gegründet wurde, bietet für verschiedene Internetnutzergruppen evangelistische Webseiten und Dienstleistungen im Internet an. Mittlerweile gehören der CINA mehr als 100 Organisationen, Verlage, Bildungseinrichtungen, Gemeinden und Werke an. Mit dem Auftrag "Mission und Service rund um's Internet" bietet CINA eine Plattform für Christen, um über dieses immer noch rasant wachsende Medium Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Gründungsvorsitzende der CINA waren der evangelische Unternehmer Friedhelm Loh (Haiger), der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Wolfgang Baake (Wetzlar), Frieder Trommer, Geschäftsführer der Stiftung Christliche Medien (Holzgerlingen/Witten) und Wolfgang Büsing, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM ) in Korntal. Seit 2002 ist CINA ein Arbeitsbereich des ERF in Wetzlar. Zu den Angeboten gehören etwa die Portale www.glaube24.de, www.jesus-online.de, www.joemax.de, www.sound7.de oder www.bibelserver.de

Von: Andreas Dippel

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