Wikipedia als Informationsquelle für Christen

H a m b u r g (KEP) - Tausende Mitarbeiter, ungezählte Nutzer: Das freie Nachschlagewerk Wikipedia ist eine Erfolgsgeschichte im Internet. Hier findet man mehr als zwei Millionen Artikel, von denen rund 300.000 auf Deutsch verfasst sind. Die Internet-Enzyklopädie, die Wissen für jedermann zugänglich machen will, deckt mittlerweile auch ein breites Spektrum christlicher Schlagwörter ab. Der Evangelische Pressedienst (epd) hat das Online-Lexikon nach christlichen Themenbeiträgen getestet.

Das Bildungsportal bildungsklick.de sieht Wikipedia weniger als ein Nachschlagewerk, sondern vielmehr als ein “Vorschlagewerk“. Eine Analyse des Bildungsportals kommt zu dem Ergebnis, dass Informationen aus der Online-Enzyklopädie kein verlässliches Wissen darstellten. Zudem fänden sich in Wikipedia-Artikeln nach einer Hochrechnung rund eine Million Rechtschreibfehler, wodurch besonders die Nutzung im Schulunterricht problematisch sei. Das Urteil von bildungsklick.de: “Auch Millionen können irren.“ Doch wie gestaltet sich die Qualität von Artikeln zu christlichen Themen?

Artikel zu christlichen Themen oft bearbeitungsbedürftig

Einige Wikipedia-Artikel zu christlichen Schlagwörtern sind alles andere als fundiert, berichtet der “epd“. Der Artikel zum Thema “Glaube“ etwa liest sich holprig: “Glaube drückt die Meinung aus: Vielleicht ist es wahr, vielleicht auch nicht!“ Im weiteren Verlauf beschreibt der Artikel nur Grundzüge des christlichen Glaubens “Der Streit in den unterschiedlichen Traditionen und der aktuellen Diskussion wird ausgeblendet“, so der “epd“. Literaturverweise, die dem Leser die Möglichkeit für eine weitere Recherche bieten sollen, findet man ebenfalls nicht.

Doch längst nicht jeder Wikipedia-Artikel zu christlichen Themen basiert auf solch profanem Wissen. Beispielsweise bietet der überwiegend sachlich geschriebene Text “Jesus von Nazareth“ einen umfassenden Überblick über den historischen Jesus und einen Einblick in aktuelle Diskussionen. Sogar einige Experten sehen in Wikipedia eine brauchbare Informationsquelle. “Im Vergleich zu anderen Lexika schneidet Wikipedia gut ab“, sagte Tom Brok, Leiter der Internetarbeit der evangelischen Kirche in Deutschland, dem “epd“. Besonders eine Eigenschaft zeichne Wikipedia aus: Jeder kann die Einträge bearbeiten.

Evangelische Autoren selten

Besonders Christen aus Freikirchen und Katholiken scheinen Wikipedia als Informationsplattform zu nutzen, während die evangelische Kirche nur schwach vertreten ist. Der Artikel über das “Christentum“ trägt eine deutlich freikirchliche Handschrift und bezeichnet “die Gläubigentaufe im Erwachsenenalter“ als Vorraussetzung für Christen. Außerdem überwiegt in den meisten religiösen Themen der Enzyklopädie das christliche Glaubensbild. Andere Religionen werden oft weniger berücksichtigt. So behandelt der Artikel “Gottesbild“ ausschließlich das christliche Bild von Gott.

Christen sollen mitschreiben

Insgesamt ist der subjektive Grundtenor vieler Wikipedia-Artikel ein Ergebnis dessen, was das Nachschlagewerk ausmacht: Die Einträge in die Wissensdatenbank können von jedem Benutzer ergänzt oder auch gelöscht werden. “Die Diskussionen um einzelne Artikel zeigen, dass ein neutraler Standpunkt in religiösen Fragen nicht möglich ist“, urteilt Brok. Somit ist Wikipedia uneingeschränkt nur für kritische Leser geeignet. Doch insgesamt gilt vor allem eines: Christen sollen sich nicht nur über falsche Informationen ärgern, sondern selbst mitschreiben.


Von: Oliver Theiss

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