Musikbranche verschläft Podcast-Trend

B e r l i n (KEP) - Ein neuer Medien-Trend könnte in Deutschland bereits ausgebremst werden, bevor er richtig entsteht: das Podcasting - das Veröffentlichen von privat produzierten Radiosendungen im Internet - stößt nicht selten auf Probleme mit den Verwertungsrechten der Musikindustrie.

Podcasts sind selbstgemachte kurze Radiosendungen, die in Form einer mp3-Datei von Internet-Seiten heruntergeladen werden können. Das Wort leitet sich ab vom englischen Ausdruck für Rundfunk, "Broadcasting", und dem "iPod", Apples kultigem mp3-Abspielgerät.

Immer mehr Internet-Seiten bieten Podcasts an. (Lesen Sie zu diesem Thema und über christliche Podcasts auch den pro-Artikel "Das Comeback des Hörens"). Nach Zeitungen wie "Handelsblatt" und "Die Zeit" schlagen nun auch renommierte Sender wie der WDR und der "Presseclub" tastend den Weg zum Podcasting ein. In Zukunft könnten immer mehr Medien ihre Produkte auch online zum Anhören anbieten.

Wenn jedoch Privatpersonen so genannte "Musik-Podcasts" anbieten, könnten sie Schwierigkeiten mit der Verwertungsgesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) und der Musikindustrie bekommen. Denn normalerweise müssen Radio-Betreiber bei den Verwertungsgesellschaften für die gespielte Musik zahlen. Je mehr Hörer, desto höher die Beträge. Auch bei Internet-Radios erhält die GVL 0,05 Cent pro Titel und Hörer. Von Podcasts hingegen will die GVL jedoch nichts wissen, berichtet die "Netzeitung".

Der Webblogger Johnny Haeusler von der Seite "Spreeblick" wollte ein solches Musik-Podcast anbieten und bekam prompt eine Abfuhr von der GVL. Er könne keine entsprechenden Abgaben für sein mp3-Radio abführen, hieß es. Wenn er jedoch nicht für jedes einzelne Stück die Verwertungsrechte bezahle, handele er illegal. Haeusler müsste sich also zuvor mit jedem einzelnen Musikverlag einigen.

Die Musikindustrie wolle Rechte für Musik-Downloads bislang selbst verwerten, erklärte GVL-Geschäftsführer Tilo Gerlach. "Es gibt nicht unbedingt ein Interesse an jeder Form der Verbreitung". "Die GVL verhindert die Verbreitung von Musik, statt sie zu fördern", kritisiert Haeusler. "Statt die Interessen der Künstler zu vertreten, tut sie genau das Gegenteil." Die zweite deutsche Verwertungsgesellschaft, die Gema, bietet indes bereits Verträge auch für mp3-Radios an. Sie fordert zehn Prozent der Einnahmen.

Viele Podcaster greifen indes auf die Musik von unbekannteren Künstlern zurück, die nicht in der GVL vertreten sind. Diese Musiker nutzen gerade das Internet, um bekannt zu werden und freuen sich, wenn Podcaster sie unter einem größeren Publikum bekannt machen.

Von: Jörn Schumacher

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