Ihr Fall führte zu einem weltweiten Medienecho in Sachen Christenverfolgung: die pakistanische Christina Asia Bibi.

Ihr Fall führte zu einem weltweiten Medienecho in Sachen Christenverfolgung: die pakistanische Christina Asia Bibi.

Asia Bibi im Fokus einer Blasphemie-Doku auf arte

Die Beleidigung des Propheten Mohammed gilt in Pakistan als Blasphemie. Wer dieses Gesetz ändern möchte, erlebt massiven Widerstand. Wie das Land mit dem Blasphemie-Paragraphen umgeht, hat der Filmemacher Mohammed Naqvi dokumentiert. Die Ergebnisse seiner Recherchen hat der Fernsehsender arte jetzt gezeigt.

Die pöbelnde Masse zieht durch die Straßen einer pakistanischen Stadt. Sie fordert die Enthauptung der Christin Asia Bibi. Der 76-minütige Dokumentarfilm „Blasphemie – Pakistans tödliches Gesetz“ auf arte belegt, wie extrem radikale Muslime vorgehen, wenn sie das Ansehen ihres Propheten Mohammed beschädigt sehen.

Das Blasphemie-Gesetz wird darin als Machtinstrument der religiösen Führer dargestellt. Bibi wird in dem Film von ihren Gegnern als Dämonin und Krebsgeschwür bezeichnet. Sie soll sich bei einem Streit bei der Feldarbeit abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben. Ihre Unterstützer beteuern, dass der Fall komplett auf Lügen basiert.

Eine wichtige Rolle in der gesamten Debatte spielt der mächtige Geistliche Khadim Hussain Rizvi. Der Prediger ist Anführer der extremistischen TLP-Partei. Einziges Ziel seiner Partei ist es, das Blasphemie-Gesetz mit aller Macht zu erhalten. Kritiker des Islams sollen mundtot gemacht und zum Feindbild stilisiert werden.

2017: Zentrales Wahlkampfthema

Trotzdem portraitiert der Filmautor Menschen, die sich mutig gegen die religiösen Extremisten stellen. Die Aktivistin Gulalai Ismail wurde auch fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigt. Patras Masih wurde verhaftet, weil er angeblich blasphemische Inhalte in sozialen Medien verbreitet haben soll. Beim Studenten Mashal Khan kam es gar nicht so weit. Er hatte zu hohe Studiengebühren kritisiert und wurde vom Mob zu Tode geprügelt.

Auch in den politischen Wahlkämpfen ist das Blasphemie-Gesetz ein wichtiges Thema. Die Aktivistin Ismail kritisiert mit ihrer NGO das Patriarchat scharf. Andere Aktivisten, die sich für eine progressive Politik einsetzen, müssen ins Gefängnis. „Wer einmal der Blasphemie beschuldigt war, für den war es das“, heißt es in dem Beitrag. „Alle denken, du bist schuldig, obwohl du unschuldig bist.

Als der Justizminister das Gesetz tatsächlich liberalisiert, erhöhen die Muslime den politischen Druck. Nach Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstranten nimmt die Regierung die Gesetzesänderung zurück. Für die radikalen Muslime steht fest: Wenn das Ausland aufhören würde, Menschen wie Asia Bibi Exil zu gewähren, dann würden die Blasphemie-Fälle um 90 Prozent zurückgehen.

Freispruch ist Sieg über das Unrecht

Der Film zeigt: Wer den Propheten herabwürdigt, muss Konsequenzen fürchten. Und der Beitrag bringt zum Ausdruck, dass religiöse Minderheiten in Pakistan kaum Schutz erwarten können. Der Freispruch Asia Bibis nach ihrer langen Haft macht die Straßen zu einem Tollhaus. Das Urteil der Richter soll überprüft werden, bevor es endgültig Bestand hat.

Bibis Anwalt bezeichnet den Freispruch als „Sieg über das Unrecht“. Ihm ist klar, dass das Urteil Konsequenzen für andere Blasphemie-Verhandlungen haben wird. Während Bibi Asyl in Kanada erhält, hört Gulalai nicht auf, ihre Stimme gegen das Establishment zu erheben. Sie flieht rechtzeitig in die USA und entgeht damit einer Festnahme in Pakistan. Aktuell warten etwa 17 Menschen in Pakistan auf ihre Hinrichtung wegen Blasphemie.

Die Dokumentation „Blasphemie – Pakistans tödliches Gesetz“ ist in der arte-Mediathek abrufbar. Der Dokumentarfilmer Mohammed Naqvi hat eindrucksvolle, aber auch beängstigende Bilder und Sequenzen mitgebracht. Sie geben Anlass zu Bedenken in Sachen Religionsfreiheit in dem asiatischen Land. Die Sendung ist ein wertvoller Beitrag, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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