Der Geschäftsführer von „God TV“, Simpson, sieht bezüglich „Schelanu TV“ keinen Lizenzverstoß

Der Geschäftsführer von „God TV“, Simpson, sieht bezüglich „Schelanu TV“ keinen Lizenzverstoß

„God TV“ verliert vorerst Senderechte in Israel

Seit Ende April betreibt „God TV“ einen hebräischsprachigen Sender. Nach Vorwürfen der Judenmission muss er sein Programm vorerst einstellen. Die Betreiber sehen keinen Lizenzverstoß.

Israel hat dem evangelikalen Sender „God TV“ die Ausstrahlungsrechte entzogen. Die Entscheidung traf der Rat für Kabel- und Satellitenfernsehen am Sonntag für den hebräischsprachigen Ableger „Schelanu TV“. Grund dafür sind Vorwürfe, der Sender betreibe Judenmission. Das entspreche nicht den Lizenzbedingungen; bei seiner Bewerbung habe der Sender Christen als Zielpublikum angegeben.

„God TV“ weist die Vorwürfe zurück. Geschäftsführer Ward Simpson erklärte bereits Anfang Mai, man habe nicht vor, aus Juden Christen zu machen: „Wir predigen einfach nur, lehren und teilen christliche Inhalte – und überlassen dem Herrn (d. h. Gott oder Jesus, Anm. der Redaktion) den Rest.“ Messianische Juden würden auch weiterhin nach jüdischem Brauch leben, nur dass sie in Jesus den Messias sähen.

Seltene Entscheidung

Der evangelikale Sender hatte Ende April „Schelanu TV“ („Unseres“) über den israelischen Kabelanbieter „Hot“ gestartet. Nach der Entscheidung vom Sonntag muss er das Angebot innerhalb von sieben Tagen beenden, kann sich aber mit einer „ehrlicheren“ Bewerbung um eine neue Lizenz bemühen. Laut der Zeitung „Ha'aretz“ geschieht es äußerst selten, dass der Rat einen Sender verbietet; außerdem ist es das erste Mal, dass es einen christlichen Sender betrifft.

Nach Sendestart erreichten den Fernsehrat eine Reihe von Beschwerden. Ausschlaggebend für den Lizenzentzug war nach Darstellung des Vorsitzenden Ascher Biton jedoch ein Video mit einem Spendenaufruf. Darin sagte der „God TV“-Geschäftsführer Simpson: „Gott hat uns auf übernatürliche Weise die Tür geöffnet, das Evangelium von Jesus in die Häuser und Herzen des jüdischen Volkes zu bringen.“

Eine Frage des Publikums

Das Video löste offenbar Unmut aus und wurde noch am selben Tag heruntergenommen. Anstattdessen folgte die Erklärung von Ward, aus Juden keine Christen machen zu wollen. Zudem entschuldigte er sich für mögliche Beleidigungen, die seine Formulierung ausgelöst habe. Bezüglich der Lizenz sagte Moderator Ron Cantor, diese erlaube ein „israelisches“ Publikum; der Text unterscheide nicht zwischen christlichen oder jüdischen Zuschauern.

In Israel ist es nicht grundsätzlich verboten, zu missionieren. Es gibt dafür aber strenge Auflagen. So darf ein „Religionswechsel“ nicht durch Werbegeschenke bewirkt werden. Missionierung unter Minderjährigen ist ohne das Einverständnis der Eltern verboten. Letzterer Punkt sorgte auch für Bedenken beim Fernsehrat: Wäre der „wahre Charakter“ des Sender bekannt gewesen, hätte man vor der Lizenzvergabe überprüft, ob es auch Sendungen für Kinder gibt.

„Beweis für Religionsfreiheit“

Aktuell findet sich auf der Seite von „God TV“ der Hinweis: „Schelanu TV braucht Ihre Unterstützung, jetzt mehr denn je.“ In einem dazugehörigen Video erklärt Simpson, der Sender habe sich an die Lizenzvereinbarungen gehalten. Er zeigte sich zuversichtlich, dass „Schelanu TV“ weiterhin seinen „christlichen Inhalt“ ausstrahlen darf. Die Lizenz selbst sei der Beweis dafür, dass in Israel Religionsfreiheit herrsche.

Als weiteres Argument gibt Ward an, „God TV“ sei eine „pro-israelische“ Plattform und unterstütze Israel in jeglicher Hinsicht. „Das letzte, was wir wollen, ist dort Probleme auszulösen. Wir alle lieben Israel.“ Dies zeige sich etwa in Hilfe für Bedürftige, Waisen oder für Holocaust-Überlebende. Er verstehe, dass die Verkündigung des Evangeliums eine sensible Angelegenheit sei. „Aber das ist es, was wir tun – wir sind Christen.“ Der Auftrag, „Israel zu segnen und zu lieben“, bestehe dabei weiter – unabhängig davon, wie es mit „Schelanu TV“ ausgehen wird.

Busfahrer entlassen

Die Frage der Mission in Israel hat zuletzt auch in einem anderen Fall für Aufmerksamkeit gesorgt: Ein Busfahrer des Unternehmens Kavim hat seine Arbeitsstelle verloren, weil er mit seinen Fahrgästen über Jesus geredet hatte. Videos dokumentieren die Szene. Darin sagt der Fahrer, die Hebräische Bibel und das Neue Testament gehörten zusammen und vervollständigten einander, und das Christentum könne nicht in eine Schale mit dem Koran geworfen werden.

Auf dem Video ist zu hören, wie die Passagiere den Fahrer bitten, mit seinen Ausführungen aufzuhören. Doch der erwiderte nur, wer es nicht hören möchte, möge sich die Kopfhörer aufsetzen. Laut des Busunternehmens ist es bereits wiederholt zu solchen Szenen gekommen.

Von: Daniel Frick

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