In der neuen Serie „Miracle Workers" versuchen die Engel Craig (Daniel Radcliffe) und Eliza (Geraldine Viswanathan) die Welt zu retten

In der neuen Serie „Miracle Workers" versuchen die Engel Craig (Daniel Radcliffe) und Eliza (Geraldine Viswanathan) die Welt zu retten

Neue Comedy-Serie über Gott überrascht mit Tiefgang

Seit Jahren leitet Gott den Himmel mit der Aufgabe, sich um die mehr und mehr verkommende Erde zu kümmern. Nun hat er genug und beschließt: Der Planet soll vernichtet werden. Nach diesem schockierenden Entschluss machen zwei Engel es sich zur Aufgabe, die Welt zu retten. Eine Rezension von Henriette Stach

Am 14. Mai ist die deutsche Ausstrahlung der ersten Staffel von „Miracle Workers“ auf dem Pay-TV-Sender TNT Comedy gestartet. Die Serie basiert auf dem Roman „In Gottes Namen. Amen“ (Originaltitel: „What in God’s Name“) ihres Drehbuchautors Simon Rich. Der Vorlage folgend beschreibt sie das komplexe Gebilde des Himmels und der Erde mitsamt deren Bevölkerungen.

Der Himmel ist eine Firma

Die neue Serie des Medienunternehmens Turner Broadcasting System (TBS) präsentiert einen Einblick in den Himmel, der als eine Art Firma dargestellt wird. Dort ist Gott (Steve Buscemi) der Chef von unzähligen Engeln, die sich als seine Angestellten um die Sorgen der Erde kümmern. Der wenig ernstzunehmende und verlottert aussehende Gott, stets gekleidet in Jogginghose und Schlabberpulli, vertreibt sich die Zeit jedoch eher mit Fernsehen und Biertrinken, während seine Engel den Laden am Laufen halten. Nachdem die übereifrige Engelmitarbeiterin Eliza (Geraldine Viswanathan) aus der Abteilung für Gebetserhörungen ihn mit dem Anliegen konfrontiert, die Nöte der verkommenden Welt zu lindern, reicht es Gott. Er fasst kurzerhand den Entschluss, die Welt in die Luft zu jagen, um ein Restaurant zu eröffnen. Eliza fühlt sich schuldig und beschließt, gemeinsam mit ihrem eigentlich eher ängstlichen Kollegen Craig, genial gespielt von Daniel Radcliffe, die Welt vor dem Untergang zu retten. Daher schließt sie eine Wette mit Gott: Wenn sie und Craig es schaffen sollten, eines der für unmöglich erhörbar erklärten Gebete zu realisieren, soll die Welt weiter bestehen dürfen.

Eliza und Craig durchsuchen daraufhin den Karton mit den unmöglichen Gebeten, die im Himmel in Form von Zetteln eingehen. Dabei stoßen sie auf zwei themengleiche Bitten – und glauben, in ihnen die Möglichkeit zur Rettung der Welt gefunden zu haben. Die beiden Menschen Sam und Laura beteten zeitgleich dafür, dass eine Beziehung mit dem jeweils anderen funktionieren möge. Doch beim Versuch der Erfüllung dieses Liebeswunsches werden die Engel mit unerwarteten, unterhaltsamen Problemen konfrontiert, die dem einen oder anderen Zuschauer durchaus bekannt sein dürften.

„Es geht um Beziehungen“

Einigen Christen dürfte die Darstellung Gottes, dessen Aussehen ein wenig an einen Obdachlosen erinnert, gründlich gegen den Strich gehen. Mit Schlabberlook und langen grauen Haaren entzieht der Erschaffer der Welt sich jeglicher Verantwortung und bringt seiner Schöpfung keinerlei Liebe entgegen. Er verhält sich ausgesprochen kindisch, vernachlässigt die Menschheit, ignoriert Gebete und überlässt die Welt ganz sich selbst – beziehungsweise den mehr oder minder fähigen Händen seiner Helfer –, bevor er schließlich ihre endgültige Vernichtung beschließt. Eine ganz und gar blasphemische Interpretation, könnte man sagen, und damit durchaus Recht haben. Doch wer an der Stelle ein Auge zudrücken kann, wird in den von Simon Rich gut geschriebenen Dialogen mehr als eine Anekdote, und hinter ihrer Ironie ein Stück Wahrheit finden. So regt die Serie auch zum Nachdenken an.

Der Grund, aus dem Gott sich von der Menschheit abwendet, besteht zum Beispiel darin, dass diese ihn kaum noch ehrt. „Hast du eine Ahnung, wie lange mir schon keiner mehr eine verdammte Ziege geopfert hat?“, fragt Gott einen Engel. „Ich dachte, Sie finden das eklig“, erwidert dieser, worauf Gott antwortet: „Ja, schon. Aber irgendwie hat es mir auch immer geschmeichelt. Ich hab mich dann gefühlt, als würde es ganz gut laufen.“

In einem Interview der Website Colliders sagte Steve Buscemi über seine Rolle als Gott: „Er ist ein wenig wie ein gescheiterter Rockstar.“ Außerdem wolle er ihn nicht so verkörpern, als verfilme man die Bibel. Nach der Buchvorlage von Rich jedoch mache es Spaß, Gott zu spielen. Dieser Unterschied ist wichtig für das Verständnis der Intention der Serie. Keineswegs will sie den christlichen Gott diskreditieren oder zynisch deformieren. „Es ist ein wahres Charakterstück und es geht um Beziehungen“, erklärt Buscemi. Letztendlich können Christen anstatt sich über die Serienfigur zu ärgern doch nur froh sein, dass ihr Gott nicht so ist, wie er dort dargestellt wird.

Wahre Worte hinter ironischem Witz

Amüsierende Details mit ernsten Aussagen finden sich häufiger in „Miracle Workers“. So rettet die in Gebetserhörungen unerfahrene Eliza per Regenfall auf Knopfdruck die Ernte eines bittenden Mannes – und löst dadurch anderorts prompt einen Taifun aus, der durch die veränderten Wetterbedingungen zustande kommt und viele Menschen das Leben kostet. Eindeutig erkennbar verbirgt sich dahinter eine mögliche Antwort auf die Frage, warum manche Gebete scheinbar unerhört bleiben.

„Miracle Workers“ überrascht ständig mit unerwarteten, humorvollen Wendungen. Dabei amüsiert es häufig mit Andeutungen. Eine Aufnahme zeigt zum Beispiel den ehemaligen US-Präsidenten Abraham Lincoln, wie er vor dem „Ford’s Theatre“ eine große Ansammlung von offensichtlich symbolschweren Krähen vorfindet. „Oh, was für ein krähenreicher Tag, nicht wahr? Na ja, auf ins Theater. Das wird ein ganz normaler Abend!“, äußert Lincoln sich daraufhin übertriebenerweise. Der Präsident fiel 1865 im „Ford’s Theatre“ einem Attentat zum Opfer. „Scheinbar erkennen Menschen Zeichen so ziemlich nie, egal, wie eindeutig sie sind“, kommentiert Eliza.

Mit den lustigen und absolut ironischen Inszenierungen zeigen die Produzenten von Broadway Video viel Witz und Kreativität. Der Regisseur und Komiker Jorma Taccone ist bereits aus anderen Formaten, wie der Serie „Brooklyn Nine-Nine“ und dem Oscar-prämierten Animationsfilm „Spider-Man: A new Universe“, bekannt. Neben der komischen Komponente besitzt „Miracle Workers“ aber auch Tiefgang.

Jeweils eine Folge der neuen Serie wird ab jetzt jeden Dienstag auf TNT-Comedy zu sehen sein. Anschließend sind die Folgen auf Sky verfügbar und bei Amazon Prime Video erhältlich. Eine zweite Staffel ist bereits geplant. Darin soll das Setting mitsamt Buscani, Radcliffe und Viswanathan ins Mittelalter versetzt werden.

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