Aktivistinnen der Organisation BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) demonstrieren im August bei einer Diskussionsveranstaltung des Popkultur-Festivals in Berlin. Weil die israelische Botschaft einen Reisekostenzuschuss von 500 Euro für einige Künstler zahlte, fordern sie den Boykott des Festivals.

Aktivistinnen der Organisation BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) demonstrieren im August bei einer Diskussionsveranstaltung des Popkultur-Festivals in Berlin. Weil die israelische Botschaft einen Reisekostenzuschuss von 500 Euro für einige Künstler zahlte, fordern sie den Boykott des Festivals.

Antisemitismus wird lauter und bösartiger

Angriffe auf offener Straße, Überfälle auf Restaurants: Offene Feindseligkeit gegen Juden brach sich in den vergangenen Monaten immer öfter Bahn. Eine aktuelle Bestandsaufnahme zu Antisemitismus in Deutschland gibt der ARD-Beitrag „Die Story im Ersten. Der Antisemitismus-Report 2018“.

Neonazis überfallen Ende August das jüdische Restaurant „Schalom“ in Chemnitz. Sie verletzten den Eigentümer Uwe Dziuballa leicht. Von den negativen Erlebnissen möchte er sich nicht unterkriegen lassen. Judenfeindliche Pöbeleien, Beleidigungen und Schmierereien gehören aber auch für andere Juden in Deutschland zum Alltag. Der ARD-Beitrag „Die Story im Ersten“ beschäftigt sich mit Antisemitismus in Deutschland. Dabei kommen zahlreiche Experten zu Wort.

Andreas Zick etwa, Sozialpsychologe an der Universität Bielefeld, hat das Thema untersucht. Laut seiner Umfrage haben 78 Prozent der befragten Juden das Gefühl, der Antisemitismus habe deutlich zugenommen. 40 Prozent der Befragten finden, dass sich der Antisemitismus ausgebreitet hat. Die Zahl der Antisemiten bleibe stabil.

Juden müssen überlegen, wie sie sicher durch den Alltag kommen

Samuel Salzborn, Soziologe an der TU Berlin, beobachtet, dass Antisemitismus häufiger öffentlich und lauter geäußert werde als zuvor. Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) in Berlin, bei der alle antisemitischen Straftaten gemeldet werden können, müssen sich Juden häufig Gedanken darüber machen, wie sie sicher durch den Alltag kommen können. Auch bei Großveranstaltungen wie den Maccabi-Jugendspielen in München sei die Polizei mit einem Sicherheitsaufgebot immer dabei.

Die Frankfurter Forscherin Julia Bernstein findet, dass die Geschichte gelehrt hat, auf antisemitische Vorfälle reagieren zu müssen, bevor es zu spät ist. Viele Straftaten gegen Juden befänden sich in einer rechtlichen Grauzone. So erfülle die abfällige Anrede „Du Jude“ nicht den Tatbestand der Volksverhetzung. Laut Umfrage gingen die offenen Anfeindungen und Angriffe häufig von Muslimen aus.

Auf muslimischer Seite setzt sich Ahmad Mansour im Kampf gegen Antisemitismus ein. Er betont, dass eine persönliche Begegnung mit dem Vertreter der anderen Religion einen neuen Blick auf die Dinge eröffne. Nach Ansicht von Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, habe Antisemitismus die Mitte der Gesellschaft erreicht. Der ARD-Beitrag beleuchtet auch Tendenzen im rechten Spektrum, die Geschichte umzudeuten und den Holocaust zu leugnen oder zu relativieren.

Im Sportverein wegen Nahostkonflikts angefeindet

Die Linguistin Monika Schwarz-Friesel von der TU Berlin zeigt sich schockiert, dass Internetnutzer auf Webseiten udn in sozialen Netzwerken fast zwangsläufig auf Abneigung gegen Israel stoße. Die „heimische Tastatur“ werde im Kampf gegen Israel genutzt.

Filmautor Adrian Oeser hat neben vielen Wissenschaftlern auch die liberale jüdische Familie Ehrlich in Frankfurt besucht. Sie seien aufgrund ihres Auftretens nicht als Juden erkennbar. Die Mutter Barbara Bisicky-Ehrlich nimmt wahr, dass jeder eine Meinung über Juden habe. Sohn Samuel trägt zwar einen Davidsstern, versteckt diesen aber oft unter dem T-Shirt: „Ich mache mich angreifbar.“ Es mangele an Rückhalt im Alltag. Auch beim Sport würden Spieler und Trainer beschimpft wegen des Konflikts im Nahen Osten.

Der ARD-Beitrag kommt zu dem Schluss: Antisemitismus heute ist lauter und bösartiger geworden.

„Die Story im Ersten, Der Antisemitismus-Report 2018“, Montag, 5. November 2018, 22:45 Uhr, ARD

Von: Johannes Blöcher-Weil

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