Der neue Film „Der ewige Antisemit“ lief am Mittwochabend im Bayerischen Rundfunk

Der neue Film „Der ewige Antisemit“ lief am Mittwochabend im Bayerischen Rundfunk

Film von Henryk M. Broder über Antisemitismus in Europa

Der Publizist Henryk M. Broder hat eine Reise quer durch Europa gemacht und darüber einen Film gedreht. „Der ewige Antisemit“ lief am Mittwochabend im BR Fernsehen.

Broder traf unter anderem den Autor und Islamkritiker Leon de Winter. Das Judesein bestimme dessen Leben und Werk, stellt der Autor fest. Er berichtet, dass es in seinem Heimatort 's-Hertogenbosch in Holland fast keine Juden mehr gebe. „Vorher lebten rund 460 Juden dort. Nur einige Dutzend haben überlebt.“ De Winter propagiere das freie Denken. „Wir sollten uns nicht begrenzen lassen von heiligen Texte oder Autoritäten.“

Broder fuhr für den Film gemeinsam mit dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad, der stets von Personenschützern begleitet wird, in einem Auto durch verschiedene Länder Europas – wie in der Serie „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“. Gemeinsam fahren sie nach Naumburg in Sachsen-Anhalt, wo das Oberlandesgericht im Oktober 2016 einen Holocaust-Leugner verurteilt hatte, Hans Püschel. Das NPD-Mitglied sagt den Besuchern: „Broder betreibt Antisemitismus.“ Den Holocaust hält er für einen Mythos.

In Hildesheim besuchten die beiden Autoren die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst. Dort hatte es ein Seminar zur „sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina“ gegeben, und der Vorwurf war laut geworden, dass dort „lupenreiner Hass auf Israel“ verbreitet worden sei, wie Broder erklärt. Bei der öffentlichen Diskussion zum Vorfall, zu der viele Zuschauer gekommen waren, sagten die Verantwortlichen der Hochschule, dass es im Nachhinein schwer zu klären sei, ob es Antisemitisches im Seminar gegeben habe.

Antisemitismus auf offener Straße

Florian Gleibs, Besitzer des Lokals Schmock in München, berichtet davon, welche Vorwürfe er zu hören bekommt: Die Besitzer, die Juden sind, hätten den Arabern das Essen geklaut. „Die Vorwürfe wurden immer absurder“, sagt Gleibs. Meistens kämen die Anschuldigungen von Deutschen. „Ich gehe doch auch nicht zu McDonald‘s und rufe: Gebt Hawaii zurück!“

Rabbiner Shneur Kesselman, Rabbiner der Synagoge in Malmö, berichtet gegenüber Broder, dass es nur noch rund 400 Mitglieder in seiner Gemeinde gebe und es immer weniger würden. Der Antisemitismus sei immer schlimmer geworden. „Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das sie vor 15 Jahren noch hatten, hat sich verändert“, sagt Kesselman. In den vergangenen zwölf Jahren habe er in Malmö persönlich Antisemitismus erlebt. So würde ihm auf der Straße der Mittelfinger werden und er bekomme bösartige Dinge über Juden zu hören.

„Antisemitismus ist Teil der europäischen DNA“

Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen sagte Broder: „Der Antisemitismus und der Antizionismus ist Teil der europäischen DNA. Es gab ihn immer, es gibt ihn immer noch und es wird ihn weiter geben. Er wechselt nur sein Kostüm.“ Für seinen Film „Der ewige Antisemit“, bei dem Joachim Schroeder führte, fuhr Broder 5.000 Kilometer durch Europa.

Schroeder machte auch die Reportage über Israel, die Arte und WDR wegen angeblicher Einseitigkeit jüngst nicht senden wollten. Auf die Frage, ob der Film deswegen bei Arte nicht laufen würde, antwortete Broder: „Bei Arte würde ich nicht mal meine alten Teebeutel entsorgen. Der Bayerische Rundfunk (BR) ist eine andere Nummer. Die haben uns machen lassen.“

Zum Inhalt sagte Broder: „Wir habe Momentaufnahmen des Lebens der Menschen gesammelt. Unter anderem habe er der jüdischen Gemeinde in Malmö, Schweden, einen Besuch abgestattet. Die Juden dort lebten „in einem Ghetto und wollen nicht weg“. Der Antisemitismus in dieser Stadt sei sehr schlimm. „Der ewige Antisemit“ ist seit Donnerstag in der BR-Mediathek abrufbar. (pro)

Von: Jörn Schumacher

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