Der MDR (Symoblbild: Landesfunkhaus Magdeburg) steht in der Kritik, weil er eine Politikerin nicht als solche benannt hat

Der MDR (Symoblbild: Landesfunkhaus Magdeburg) steht in der Kritik, weil er eine Politikerin nicht als solche benannt hat

MDR entschuldigt sich für irreführenden Beitrag

In der MDR-Sendung „Umschau“ beklagt eine Frau die bescheidene Wohnungssituation in Leipzig. Dass es sich dabei um eine Politikerin der Linken handelt, verschweigt der Sender. Anja Riekewald ist in Wirklichkeit Franziska Riekewald und Stadträtin in Leipzig.

Es sind noch fünf Wochen bis zur Bundestagswahl. Der Fernsehsender MDR sendet am 22. August einen Beitrag in der MDR-Sendung „Umschau“ über teure Mieten und die schwierige Wohnungssituation in Leipzig. Pikant daran ist: die Dame, die die Journalisten befragt haben, ist selbst als Stadträtin kommunalpolitisch aktiv und kandidiert für den Bundestag. Das verschwieg der Sender.

Die Ähnlichkeit zwischen der gezeigten Anja Riekewald und der Politikerin Franziska Riekewald ist dem Betreiber des Blogs „Scheidende Geister“ aufgefallen. Der Sender zitiert die Leipzigerin als „Normalverdienerin“, aber eben nicht als stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat und potentielle Bundestagsabgeordnete.

Jammern über die Miete

Der Blogbetreiber stellte beide Bilder der zweifachen Mutter nebeneinander. Er fragte: „Lässt der MDR eine Politikerin der Partei Die Linke unter falschem Namen über Mieten im Osten jammern?“ Der MDR hatte einen Aufruf gestartet, um eine passende Familie für diesen thematischen Beitrag zu finden. Dieser Aufruf erreichte Riekewald, auch über die Parteikanäle. Mietsteigerung in großen Städten ist eines der politischen Lieblingsthemen der Linken.

Der MDR hat den Beitrag inzwischen korrigiert und sich auf seiner Internetseite entschuldigt. Die Kandidatin wird weiterhin nicht als Direktkandidatin identifiziert. Die Politikerin selbst sagte der FAZ, dass sie ihre parteipolitische Herkunft nicht verschwiegen habe. Erst auf eine Nachfrage der FAZ wurde dem Sender wohl die Tragweite des Beitrags bewusst. Der MDR schreibt: „Die Autoren des Beitrags gingen davon aus, dass das politische Engagement von Frau Riekewald nicht relevant sei, da sie ausschließlich als Privatperson befragt wurde. Dies war eine Fehleinschätzung. Dazu kam, dass die Autoren den Namen der Protagonistin falsch notierten. Die Fehler wird der MDR im Internet und in der Sendung richtigstellen.“

"Problemlage trotzdem vorhanden"

Gegenüber der Bild-Zeitung sagte die Befragte, dass die Familie seit vier Jahren eine größere Wohnung im Viertel suche und sie sich deswegen gemeldet habe: „Den MDR habe ich gefragt, ob es nicht ein Problem ist, dass ich Direktkandidatin bin? Da sagte man mir: Die Problemlage sei doch trotzdem vorhanden.“ Der falsche Vorname sei tatsächlich ein Fehler gewesen.

Riekewald sieht keine Schuld auf ihrer Seite, zitiert sie die Leipziger Volkszeitung. Sie stehe für die „ganz normale Mittelschicht“. Anders sehen dies erwartungsgemäß die politischen Gegner. Das sei „fairer Wahlkampf und Transparenz in der Lesart der Linken“, heißt es höhnisch von der CDU. Aus Sicht der FAZ hätte den MDR-Redakteuren bewusst sein müssen, was sie da taten. Der MDR wolle jetzt darauf achten, ob es in „Wahlkampfzeiten bei der Auswahl der Protagonisten für Beiträge“ nicht „Interessenkonflikte geben könnte, die das Neutralitätsgebot verletzten. (pro)

Von: jw

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