ARD-Programmdirektor Volker Herres (rechts) stellte mit MDR-Intendantin Karola Wille in Berlin die Themenwoche „Woran glaubst du?“ vor. Links der Schauspieler Tim Litwinschuh

ARD-Programmdirektor Volker Herres (rechts) stellte mit MDR-Intendantin Karola Wille in Berlin die Themenwoche „Woran glaubst du?“ vor. Links der Schauspieler Tim Litwinschuh

ARD erzählt, woran Menschen glauben

„Glaube hat viele Gesichter“, meinen die ARD-Verantwortlichen. In ihrer diesjährigen Themenwoche „Woran glaubst du?“ vom 11. bis zum 17. Juni gehen die Öffentlich-Rechtlichen deshalb in vielen Formaten dem auf die Spur, was Menschen heilig ist. In Berlin stellten die Macher ihr Programm vor.

„Ich glaube zunächst einmal an ein Leben vor dem Tod“, stellte ARD-Programmdirektor Volker Herres auf die Frage, woran er denn glaube, klar. Er sei durch den französischen Existenzialismus geprägt worden, wo es stark um Fragen von Sinn, Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmtheit gehe: „Man ist selbst verantwortlich für das, was man mit seinem Leben tut – aber auch für seine Mitmenschen.“ Ihm sei es daher wichtig, in der Themenwoche anzusprechen, nach welchen Maßstäben der Einzelne und die Gesellschaft Leben gestalten wollten. „Wir versuchen ein vielschichtiges Bild zu entwerfen, welche Rolle Religion und Glaubensfragen heute für die Menschen haben“, so die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille. Der MDR ist bei dieser Themenwoche federführend. „Religionsvermittlung steht nicht im Mittelpunkt“, betonte Wille in Berlin. „Wir wollen viele Menschen ansprechen: religiös gebundene Menschen, Freidenker und Atheisten.“

Das Spektrum ist vielfältig. Das Thema Glaube kommt sowohl in der „Sendung mit der Maus“ vor wie auch im „Tatort“, in Spielfilmen, Serien, Talkrunden und Dokumentationen. Inhaltlich geht es zum Beispiel um Esoterik, Verschwörungstheorien, Pilgerwege oder das Leben im Kloster. Aber auch um Religionsfreiheit, Fundamentalismus und virtuelle Welten. In Porträts kommen Theologen wie die Ex-EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann oder Politiker wie der Linke Oskar Lafontaine zu Wort. Filme erzählen auf emotionale Weise persönliche Schicksale wie die vom Hirntod eines Neunjährigen. Klarer Favorit von ARD-Programmchef Herres ist „Die Konfirmation“. In dem Freitagsfilm offenbart Ben seiner Mutter und dem Stiefvater, dass er sich habe taufen lassen, um nun konfirmiert zu werden. Die kirchenfernen Eltern fallen aus allen Wolken, erste Reaktion: „Hast du getrunken oder eine Wette laufen?“

Schauspieler Tim Litwinschuh, der den pubertierenden Filius spielt, ist im „echten“ Leben sowohl getauft als auch konfirmiert. Er selbst habe nicht die Nähe zu Gott gebraucht, um sich in der Pubertät zu finden, erzählte er im Gespräch mit pro. Der Konfirmandenunterricht in seiner evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Wilmersdorf habe ihm dennoch Spaß gemacht, vor allem, weil dort auch junge Leute dabei gewesen seien, die sogenannten „Teamer“. Heute ist er selbst einer von ihnen und unterstützt in seiner Kirche die Jugendarbeit. Als gläubig würde er sich nicht bezeichnen, er bete nicht vor dem Schlafengehen und sitze auch nicht jeden Sonntag in der Kirche, so der 18-Jährige. „Der Reiz an der Kirche ist die Gemeinschaft“, sagte Litwinschuh. „Es macht Spaß zusammenzuarbeiten, wir machen viele Fahrten und es gibt etliche Angebote, die man annehmen kann, aber nicht muss.“

Die ARD will über die Themenwoche außerdem mit den Menschen ins Gespräch kommen. Für die Multimediaaktion „Woran glaubt Deutschland?“ kann jeder Fotos, Videos oder kurze Texte einschicken. 150 Prominente haben laut Wolf-Dieter Jacobi, Vorsitzender der ARD-Fernsehkommission und MDR-Programmdirektor, bei der seit Ende April laufenden Aktion bereits mitgemacht. Am Schluss soll eine große Deutschlandkarte entstehen, die genannte Begriffe rund um das Thema Glauben je nach Priorität größer oder kleiner abbildet. Im Datendossier „Land ohne Glauben“ habe der MDR darüber hinaus Daten und Fakten zusammengetragen und ausgewertet. Dabei seien auch deutsche Städte unter verschiedenen Aspekten miteinander verglichen worden. Ein Ergebnis zum Beispiel: „Die Lebenserwartung ist da am höchsten, wo es die meisten Kirchenmitglieder gibt“, berichtete Jacobi. „Da kann man mal drüber nachdenken.“ (pro)

von: Christina Bachmann

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