Die Komikerin Carolin Kebekus hat die Entscheidung, ihr kirchenkritische Video nicht im WDR zu zeigen, gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel als "Angst-Entscheidung" bezeichnet
Die Komikerin Carolin Kebekus hat die Entscheidung, ihr kirchenkritische Video nicht im WDR zu zeigen, gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel als "Angst-Entscheidung" bezeichnet

Kebekus: Videozensur war Angst-Entscheidung

Für viele Christen hatte Carolin Kebekus mit dem Video „Dunk dem Herrn“ die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Die Komikerin leckt in dem Video, als Nonne verkleidet, unter anderem an einem Kruzifix. Der WDR strich das Video vor der Ausstrahlung der Sendung Kebekus! im vergangenen Sommer. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel bezeichnete Kebekus den Vorfall nun als „Angst-Entscheidung“.

„Ich glaube sogar, dass der bevorstehende Wechsel auf dem WDR-Chefsessel mit der Zensur meines Videos zu tun hatte“, vermutet Kebekus gegenüber dem Nachrichtenmagazin. „Daran war ja die Vergabe weiterer wichtiger Posten im Haus geknüpft. Deshalb wollte dort keiner ein Risiko eingehen, das ihm womöglich den Aufstieg verbaut hätte. So eine Haltung strahlt bis in die unteren Gefilde einer solchen Anstalt aus“, wird die 33-Jährige weiter zitiert.

Als Satire hinzunehmen

Nach fast 100 Anzeigen wegen des Videos schaltete sich die Staatsanwaltschaft Köln ein. Das Verfahren wurde aber kurze Zeit später wieder eingestellt – weil der Clip als Satire hinzunehmen sei. Auch ein strafrechtlich relevantes Handeln sei nicht festgestellt worden, begründete die Staatsanwaltschaft damals. Das Video überschreite nicht die Grenze dessen, was nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts als Satire im Sinne der grundgesetzlich garantierten Kunstfreiheit noch hinzunehmen sei. Zudem fehle der beschimpfende und der kirchenkritische Inhalt.

Viele Gläubige sahen das anders. Die Künstlerin hatte die Kirche kritisiert, weil dort von einem Gott geredet werde, den sie noch nie gesehen habe. Das Video spielt auch auf die Pädophilie- und Finanzskandale der katholischen Kirche an und macht sich über die sexuelle Enthaltsamkeit der Kirche lustig. Einer der dargestellten Ministranten freut sich schon auf die After-Show-Party in der Sakristei. Der Sender selbst hatte die Streichung des Videos, das hinterher auf YouTube zu sehen war, damit begründet, dass „insbesondere durch die Szenen mit dem Kruzifix religiöse Überzeugungen von Zuschauern verletzt werden könnten“. Kebekus hatte in der Sendung TV Total dem WDR Zensur vorgeworfen. Bei YouTube war das Video binnen kurzer Zeit knapp 1,3 Millionen Mal aufgerufen worden.

Neuer Papst „blöd für uns“

Für ihre Arbeit macht Kebekus auch der neue Papst und seine Weltoffenheit zu schaffen: „Ja, diese Personalie war blöd für uns“, meint die Komikerin. „In meinem Bühnenprogramm rede ich deshalb immer noch über den alten Papst. Ratzinger mit seinen Äußerungen zur Homo-Ehe oder zur Verhütung in Afrika war ein Geschenk.“ Carolin Kebekus, die seit 2013 Mitglied der Sendung heute-show ist, hatte im vergangenen Februar Kardinal Meisner mit ihrer Papst-Bewerbung hereingelegt. (pro)

Von: jw

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