Dramatisieren Medien die Terrorgefahr?

Studie: Der inszenierte Terrorismus

Islamischer Terrorismus ist das Hauptthema deutscher Abendnachrichten. Das zeigt eine Studie der Universität Jena. Die Wissenschaftler fanden heraus: Die Medien vermitteln den Eindruck, dass Deutschland sogar bedrohter sei als die USA.

Über Ursachen werde selten gesprochen, dafür aber umso häufiger über den Kampf gegen Islamismus, heißt es in der am Freitag vorgestellten Studie. "Dabei geht es dann oft um Anti-Terror-Gesetze, also den Schutz der eigenen Bevölkerung oder um militärische Maßnahmen im Nahen oder Mittleren Osten", sagt Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte laut einer Pressemitteilung der Universität. "Wird im Fernsehen über die terroristische Bedrohung berichtet, so könnte man meinen, dass Deutschland - nach Staaten wie Afghanistan oder Irak und mehr noch als die USA - zu den am stärksten bedrohten Staaten gehört."

Terror-Dramen: Auf Privaten und Öffentlich-Rechtlichen

Die Wissenschaftler erklären, Nachrichten über Terrorismus würden in deutschen Medien dramatisiert. So fanden sie etwa heraus, dass in Fernsehberichten über Terrorismus vergleichsweise oft Bilder der Opfer gezeigt würden. Über die möglichen Folgen vereitelter Anschläge werde mit dramatischer Sprache und mit Toneffekten berichtet.
"Deutlicher zeigen sich diese Tendenzen in den privaten Programmen", sagt Frindte, "aber auch öffentlich-rechtliche Sender bedienen sich teilweise solcher Formen der Dramatisierung."

Frindte erklärt weiter, er wolle die Gefahr des Terrorismus keineswegs verharmlosen. "Allerdings wird der Umgang mit diesen Gefahren nicht leichter, wenn die Terrorgefahren und Terrorrisiken in medial inszenierter Weise dramatisiert werden", sagt der Wissenschaftler.
"Im Ergebnis lässt sich sagen, dass sich das Erleben persönlicher Bedrohung angesichts der Terrorgefahren über die zwei Jahre hinweg deutlich verringert hat." Dies decke sich einerseits mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen. "Andererseits steht diese Einschätzung aber im Widerspruch zu offiziellen Terrorwarnungen", sagt Frindte. Erst im September, zwei Wochen vor der Bundestagswahl, habe Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Gefahr von terroristischen Anschlägen in Deutschland als unverändert hoch bezeichnet.

Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit

Die Forscher beschäftigten sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Terrorismus-Berichten und Fremdenfeindlichkeit. Demnach befürworten fremdenfeindlich eingestellte Personen, die Muslime generell ablehnen, verstärkt militärische Einsätze und verschärfte Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen. Die Terrorgefahr diene diesen Personen als Grund für die Ablehnung von Muslimen. "Dies sind vor allem Menschen, die in unserer Befragung angegeben haben, dass sie in ihrer Meinungsbildung über den Terrorismus vor allem von stark emotionalisierten und dramatisierenden Fernsehbildern beeinflusst seien", sagt Frindte.

Für die Studie befragten die Forscher drei Mal 100 repräsentativ ausgewählte Erwachsene in einem Zeitraum von zwei Jahren. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler zwischen August 2007 und Februar 2009 Beiträge in den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1, in denen Terrorismus, Anschläge und Anti-Terror-Maßnahmen thematisiert wurden. Das Projekt
"Terrorismus - mediale Konstruktion und individuelle Interpretation: Ein friedenswissenschaftlicher Beitrag zur medien- und sozialwissenschaftlichen Analyse und Bewertung terroristischer Bedrohungen in Deutschland" der Universität Jena wird von der Deutschen Stiftung für Friedensforschung unterstützt. (pro)

Von: AW

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