Umstrittene Astro-Shows: RTL Niederlande handelt

Mit medizinischen Laienberatungen und angeblich spirituellen Ratschlägen von Wahrsagern werden die Zuschauer von "Astro-Shows" in den Bann gezogen. Nachdem ein Fernsehbericht einer niederländischen Verbrauchersendung die dubiosen Methoden dieser Programme in die Öffentlichkeit gerückt hatte, zog RTL Niederlande die Sendungen aus dem Programm.

Den plötzlichen und sofortigen Verzicht der Sendergruppe RTL auf die Astro-Shows hatte ein Bericht der Verbrauchersendung "Radar" des öffentlich-rechtlichen Senders "Tros" ausgelöst. Darin war zu sehen, wie ein Reporter der Sendung problemlos bei einer RTL-Astro-Show anheuern konnte, ohne irgendwelche Qualifikationen vorzuweisen, teilte der Evangelische Pressedienst (epd) mit. Bei drei niederländischen RTL-Sendern konnten Zuschauer per Telefon spirituelle Ratschläge von Wahrsagern erhalten. In den Shows traten zudem Laien auf, die sich als medizinische Spezialisten ausgaben.

Für ein angeblich professionelles Beratungsgespräch zahlten die Anrufer 80 Cent pro Minute und wurden bis zu 20 Minuten am Telefon gehalten. Ehemalige Mitarbeiter der Show gaben Auskunft über Verträge, die festlegten, dass die Anrufer so lange wie möglich in der Leitung gehalten werden sollten. Zudem hatte sich eine Mitarbeiterin des TV-Programmes "Radar" bei einer Astro-Show als "Medium Ramona" anstellen lassen. Gegenüber ihr hatten andere solcher "Medien" von RTL und SBS (Scandinavian Broadcasting Systems) bestätigt, dass sie vom Sender beauftragt seien, "sich manchmal irgendetwas auszudenken". Dies sei Grund genug, um eine Untersuchung einzuleiten, so ein RTL-Sprecher. Nach Angaben des Branchendienstes "Broadband TV News" wolle RTL Niederlande zudem prüfen lassen, auf welche Art und Weise Produktionsgesellschaften ihre "Berater" auswählten.

RTL Niederlande hatte die Astro-Shows erst letztes Jahr ins Programm genommen, um die sogenannten Telefonspiele bei den Privatsendern zu ersetzen, die gegen das niederländische Glücksspielgesetz verstoßen. Während RTL sofort auf die Kritik reagierte, wies ein Sprecher von SBS die Vorwürfe zurück. Anrufer würden nicht unnötig am Telefon hingehalten, auch würden keinerlei ärztliche Ratschläge erteilt.

Österreich: "Kanal Telemedial" weiter umstritten

Doch nicht nur in den Niederlanden reagiert die Öffentlichkeit auf die dubiosen Praktiken der Astro-Shows. Erst Anfang Juni dieses Jahres wurde dem österreichischen Esoteriksender "Kanal Telemedial" die Sendelizenz entzogen, was am 1. Juli 2008 zur Einstellung des Senders "Kanal Telemedial" führte. Hornauer betonte jedoch, gegen den Entzug seiner Sendelizenz juristisch vorgehen zu wollen. Die österreichische Medienaufsichtsbehörde "Komm Austria" hatte dem Spartenkanal vorgeworfen, dass sein Programm seit mindestens einem Jahr nicht, wie es in der Lizenz vorgeschrieben ist, aus Österreich gestaltet werde, sondern aus dem deutschen Ludwigsburg, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.).

Der Senderchef Thomas Hornauer, der mit seinen Medienprojekten bereits mehrmals in der Kritik der Öffentlichkeit stand, hatte schon im Frühjahr eine Rüge durch die österreichische Medienaufsicht für die Sendung erhalten. So habe der Fernsehberater Walter von Berg den Eindruck vermittelt, schulmedizinische Behandlungen mit seiner Engel-Therapie ersetzen zu können. "Komm Austria" sah hierin einen Verstoß gegen das österreichische Privatfernsehgesetz. Zudem geriet "Telemedial" massiv in Kritik, weil dort "Zuschauer animiert wurden, teure Telefongespräche zu führen und ihnen eine psychologische, gar zukunftsdeutende Beratung versprochen wurde". So kosteten Dienste wie eine Lebensberatung direkt vom Geschäftsführer vor der Kamera bis zu 30 Euro. (PRO)

Von: C. Bender

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