VOX: Sendung über die Psyche von Selbstmordattentätern

L o n d o n (KEP) - Eine Reportage der britischen BBC versucht am heutigen Donnerstagabend (9. Februar) der Psyche von Selbstmordattentätern auf die Spur zu kommen. Die Journalisten befragten Psychologen aus England, Israel und Amerika dazu, wie "normal" diese islamistischen Attentäter aus psychologischer Sicht sind.

Zunächst spürt der Bericht den Geschehnissen des 7. Juli 2005 nach: an diesem Tag zündeten vier junge Männer mitten im Londoner Nahverkehr Bomben in ihren Rucksäcken. 52 Menschen fanden den Tod, 700 wurden verletzt. "Die Täter waren keine Wahnsinnigen", heißt es in der Sendungsankündigung, "sondern vier ganz normale junge Männer, aufgewachsen in einer europäischen Demokratie. Wie konnte es passieren, dass Familienväter und unauffällige Jugendliche zu eiskalten Selbstmord-Attentätern wurden?"

"BBC Exklusiv: Der Anschlag von London - Psychologie eines Selbstmord-Attentats" heißt die britische Dokumentation, die der Privatsender VOX am Donnerstag um 23:25 Uhr ausstrahlt.

"Ob nun wegen der Blutlachen vor einem Café in Tel Aviv oder weil im Bagdader Straßenstaub wieder einmal menschliche Körperteile vor einer ausgeglühten Karosserie liegen, es bleibt stets die Frage: Was geht vor in denen, die anderen und auch sich selbst das antun? Sind das überhaupt Menschen? Und was wäre, wenn das im Grunde nette Leute wären, nur mit dem Unterschied, dass sie sich irgendwann mal Semtex an den Gürtel binden?", fragt sich André Mielke, Autor der Tageszeitung "Die Welt", der die Sendung bereits gesehen hat.

In den vergangenen 25 Jahren gab es 900 derartige Anschläge in 20 verschiedenen Ländern. Sie forderten mehr als 9000 Todesopfer.

Der britische Kriminologe Andrew Silke erklärt in der Sendung, dass nicht automatisch psychisch extrem sei, wer extreme Taten begehe. Der israelische Sozialpsychologe Ariel Merari pflichtet ihm bei. Er interviewte Angehörige von palästinensischen Selbstmordattentätern und sprach auch mit Tätern, die man an der Umsetzung ihrer mörderischen Absicht hindern konnte. Diese Leute seien aus psychologischer Sicht so gesund wie der Durchschnitt der Bevölkerung, stellen die Wissenschaftler fest.

Auch der amerikanische Psychiater Marc Sageman hat versucht, die sozialen Beziehungsmuster von etwa 400 Al-Qaida-Verdächtigen zu kartographieren. Die Mehrheit dieser Personen litt und leidet an sozialer Entfremdung. Viele von ihnen, so Sageman, lebten schon lange im Westen, hätten aber die kulturellen Bindungen zu ihren Herkunftsländern verloren. Sie fühlten sich in ihrer neuen Heimat ausgeschlossen.

"Welt"-Autor Mielke warnt jedoch: der Film werde "waghalsig", wenn er den Selbst- beziehungsweise Massenmord durch "Gruppendruck" zu erklären versuche. Letztendlich sei es jedoch wichtig, seine Feinde, in diesem Fall die Terroristen, zu kennen. Andernfalls würde man sie "entmenschlichen" und damit "als wertlose Dinge oder Monster" ansehen, so einer der Experten. Doch erstens seien es nun einmal Menschen, und zweitens helfe diese Sichtweise beim Auffinden.

Von: js

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