EKD-Bischof Huber: "Zuschauer nicht verdummen"

B e r l i n (KEP) – "Medien tragen dazu bei, den Menschen das Fremde zu erklären. Diesen Auftrag dürfen sie nicht zu Gunsten anderer Abhängigkeiten verraten." Dies sagte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, bei der Verleihung des Robert-Geisendörfer-Preises in Berlin.

Wer erlaube, dass sich unlautere Werbung ins Programm einschleiche, wie dies kürzlich die Recherchen des Evangelischen Pressedienstes (epd) gezeigt hätten, mache sich des Verrats schuldig, kritisierte der Ratsvorsitzende weiter. "Ein Stück Kultur und damit ein Stück der Freiheit geht überall dort verloren, wo Freiheit zu Gunsten einer politisch-exklusiven Meinung, eines verurteilenden Gedankens oder auch nur zugunsten wirtschaftlicher Interessen preisgegeben wird", so Huber weiter.

In seiner Ansprache wies der Bischof besonders auf die "Freiheit des Christenmenschen" hin, eine "zentrale Parole von Martin Luthers Reformation". Gerade die elektronischen Medien seien nicht davor gefeit, sich in Abhängigkeiten zu begeben. Wer sich, aus welchem Grund auch immer, binde, verliere ein wichtiges Stück Freiheit, sagte Huber in Bezug auf die Schleichwerbung in zahlreichen Medien. Wer aber dann dem "Empfänger" nicht einmal sage, dass er sich gebunden habe, beraube auch diesen seiner Freiheit und leite ihn in neue Abhängigkeiten.

Schleichwerbung ist Verrat

"Dabei lassen Auflagen und Quoten nicht automatisch auf gute Qualität schließen", so Huber. Besonders bei der Produktion von "trivialen" Fernsehsendungen ermahnte Huber die Programmverantwortlichen. "Wer aber die Scheinwelt des Studios und die Wirklichkeit vor unseren Haustüren verschmelzen lässt und in diese Verschmelzung auch noch unlautere Werbung einfließen lässt, macht sich eines Verrats schuldig."

Huber warnte zudem vor einer Verflachung der Realität in Fernsehserien.  Wer Leben in Form einer Fernsehserie zeigen wolle, ob "Verliebt in Berlin", "Marienhof" oder "Bianca" müsse sich im klaren sein, dass er auch nicht um der Quote willen die Zuschauer verdummen oder im Unklaren lassen könne. "Gezeigt wird den Zuschauern eine Welt, die nicht ihre eigene ist, aber ob der - manchmal erschreckenden - Ähnlichkeit auf Kosten des Realitätsbewusstseins zur eigenen werden kann".

Zu den Geschichten vom gelingenden Leben gehöre auch die Schilderung des Scheiterns. "In wirklich guten Geschichten werden die Wege gezeigt, wie auch im Scheitern Würde erlebt und erkannt werden könne. In guten Geschichten wird auf Voyeurismus verzichtet, dem das Verstehen gleichgültig ist."

Mit dem Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche, wurden insgesamt sechs Hörfund- und Fernsehproduktionen ausgezeichnet. Damit zeichnet die EKD Produktionen und ihre Macher aus, in denen "nicht nach Quote, Geld und Gefälligkeit geschielt" werde.

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Von: Ellen Nieswiodek

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