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Medien repräsentieren Wertkonservative zu wenig

Wertkonservative finden sich durch die Medien oft nicht repräsentiert, sagt der Soziologe Holger Lengfeld. Welchen Einfluss das auf die Sympathie mit der AfD oder Pegida zu tun hat, erklärt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
Von PRO
Die „Demo für alle“ mit ihrem „Bus der Meinungsfreiheit“ gegen die „Ehe für alle“ in Wiesbaden

Foto: pro/Michael Müller

Die „Demo für alle“ mit ihrem „Bus der Meinungsfreiheit“ gegen die „Ehe für alle“ in Wiesbaden

Deutsche Journalisten haben stärker den Wunsch, einen aktiven Beitrag zur positiven gesellschaftlichen Entwicklung leisten zu wollen als dies in anderen Ländern der Fall ist. Das sagte der Soziolge Holger Lengfeld im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Den Journalisten hierzulande gehe es oft nicht nur um die Wiedergabe dessen, was sei, sondern auch um den Versuch, die Menschen davon zu überzeugen, dass bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen sinnvoll sind und andere nicht. Laut Umfragen seien Medienleute in Deutschland etwas linksliberaler eingestellt als in anderen Ländern.

Wertkonservativ eingestellte Menschen fühlten sich deshalb oft nicht durch die Medien repräsentiert. „Sie finden in den Medien ihre Wertvorstellungen nicht wieder“, sagte Lengfeld. Als Beispiel nannte der Soziolge den Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Die Medienberichte seien voll von der Hilfsbereitschaft der Deutschen für die Ankömmlinge gewesen. Viele Medienschaffende seien „stark mit der Hilfsbereitschaft einverstanden“ gewesen und hätten darüber berichten wollen. Das habe dazu geführt, dass Kritiker der Flüchtlingspolitik weniger zu Wort gekommen seien.

„AfD-Wähler kommen aus allen sozialen Schichten“

Viele Kritiker und konservativ eingestellte Menschen hätten dann nur Plattformen wie die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) oder die Pegida-Bewegung als Möglichkeit gesehen, sich zu artikulieren. Seine Studien zeigten deshalb auch, dass die AfD „keine Partei der wirtschaftlich Unzufriedenen“ sei. Im Zuge der Flüchtlingskrise und mit dem Austritt von wirtschaftsliberalen Parteimitgliedern wie Bernd Lucke habe sich die AfD deshalb gewandelt hin zu einer Partei, die als Kernthema die Schließung des Landes vor Flüchtlingen habe und mehr nationale Autonomie fordere. „Das zieht Menschen an, die Merkels Flüchtlingspolitik von Grund auf ablehnen“, sagte Lengfeld.

AfD-Wähler kämen deshalb aus allen sozialen Schichten. Lengfeld bezeichnete viele ihrer Anhänger als „Modernisierungsverlierer“. Es gehe weniger um wirtschaftliche Defizite als um das Gefühl, die eigenen kulturellen Vorstellungen nicht mehr repräsentiert zu sehen. Für diese Menschen „entwickelt sich die Welt ingesamt in die völlig falsche Richtung“, erklärte der Soziolge. Als Beispiel nannte er die Anerkennung unterschiedlicher sexueller Orientierungen. Dafür sei im Weltbild vieler AfD-Wähler kein Platz. „Diese Entwicklung hat die Welt in den letzten 20 Jahren aber genommen: weniger Diskrimierung, mehr Pluralität, bis zur Legaliserung gleichgeschlechtlicher Ehen.“ Die AfD stehe „wie ein Leuchtturm“ dagegen. Ihre Unterstützer seien deshalb nicht wirtschaftlich, sondern „kulturell abgehängt“.

Mehr Selbstreflexion unter Journalisten

Für die Politik sei die Schwierigkeit, dass sie die Wahrnehmungswelt der Modernisierungsverlierer nicht mehr erreiche. Diese Menschen fühlten sich massiv benachteiligt, obwohl es ihnen wirtschaftlich nicht unbedingt schlecht gehe. Mit „schlichter Aufklärung“ würden diese Menschen nicht erreicht. Dennoch sei „Überzeugungsarbeit wider den Populismus“ wichtig. Die Politik dürfe jedoch nicht versuchen, mit „unwahren Simplifizierungen“ überzeugen zu wollen.

Den Medienschaffenden rät Lengfeld: „Überlegen Sie, inwiefern Ihre Berichterstattung beeinflusst ist durch das, was Sie politisch und gesellschaftlich selbst denken.” Dann sei die Chance auf eine unparteiische Berichterstattung größer. Lengfeld forderte, auch andere Wertvorstellungen als die eigenen abzubilden, um Ausgewogenheit zu schaffen. Selbstreflexion sei für Journalisten ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. (pro)

Von: sz

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