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Matussek: Auf Provokation folgt Rückzug

Noch am Freitag hatte der Journalist Matthias Matussek den "Spiegel" im Gespräch mit dem Kölner "Domradio" als "antikirchliches Kampfblatt" bezeichnet. Am Dienstag sah die Welt schon anders aus: Der Redakteur bestand auf einem neuen Interview, in dem er seinen Arbeitgeber ausdrücklich lobte.

Von PRO

Foto: pro

Das Magazin "Spiegel" gilt als links, antiklerikal und als Aufdeckungsorgan. Da passt es gut ins Bild, wenn der bekennende Katholik und Autor beim "Spiegel", Matthias Matussek, seinem eigenen Blatt Kampagnenjournalismus unterstellt. "Der Spiegel ist ein antikirchliches Kampfblatt, das kann man schon so sagen", erklärte er am Freitag im Gespräch mit dem "Domradio". Als er das Papstbuch von Peter Seewald positiv besprochen habe, hätte ihn der stellvertretende Chefredakteur angerufen und gewarnt: "Pass mal auf, wir haben 13 Leute an der Front, die versuchen, dem Papst Verwicklungen in den Missbrauchsskandal nachzuweisen. Da kannst Du doch nicht kommen und den Papst freisprechen!"

Das klingt nach einem Skandälchen und das kann der "Spiegel" nach der jüngsten Aberkennung des Henri-Nannen-Preises nicht gebrauchen. Der Autor René Pfister hatte die Auszeichnung zurückgeben müssen, weil er Teile der Schilderungen in seinem Horst Seehofer-Portrait nicht selbst erlebt, aber so dargestellt hatte. Nun wirft mit Matussek eine weitere Stimme dem Leitmedium unsaubere Arbeit vor – und diese kommt auch noch aus den eigenen Reihen.

Loyalität erwünscht

Doch schon am Dienstag sollte es wieder vorbei sein mit dem Spuk. Ein Sprecher des "Domradios" erklärte am Mittwoch gegenüber pro, Matussek sei zurückgerudert und habe dem Sender die Freigabe seines Interviews nachträglich verweigert. Deshalb gab er kurzerhand ein neues Interview, das nun ebenfalls auf der Internetseite der Hörfunkwelle zu finden ist. In Deutschland ist es Sitte: Gesprochene Interviews können problemlos gesendet werden, geschriebene sollten vom Befragten freigegeben werden. Im Falle Matussek fällt der Rückzug freilich auf, hatte das "Domradio" den ursprünglichen und gesprochenen Beitrag doch bereits gesendet und somit aller Welt zugänglich gemacht.

"Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo erklärte sich unterdessen der "Süddeutschen Zeitung": "Der Spiegel ist ein liberales Blatt, in dem unterschiedliche Meinungen und Positionen erwünscht sind." Von Matussek erwarte er Loyalität. Wie diese aussieht, zeigte Letzterer dann am Dienstag. Im neuen Gespräch mit dem "Domradio" erklärte Matussek, der "Spiegel" sei eine anregende und stimulierende Arbeitsumgebung, in der sich auch gut über Glaube und Religion nachdenken ließe. Die Chefredaktion habe den eigentlichen Anstoß zu seinem Buch "Das katholische Abenteuer" gegeben, indem sie ihn auf die Idee zu einer Titelgeschichte über die sieben Todsünden gebracht habe. "Da habe ich mich sehr reingekniet und habe mir gedacht, Mensch, das könnte man doch erweitern und in dem Buch sind ja auch nicht wenige Artikel, die im Spiegel erschienen sind", sagte Matussek.

Wieviel Wahrheit ist erlaubt?

Er glaube, ein Bekenntnis wie seines müsse zwangsläufig provozieren, "weil wir in Zeiten leben, die eigentlich denken, ohne Bekenntnis ganz gut auskommen zu können. Gerade in unseren Milieus, in Feuilleton-Milieus sind natürlich Flexibilität und die tänzelnde Ironie gefragt. Auch die Bereitschaft Position zu wechseln". Auf den Katholizismus habe man sich besonders eingeschossen. Immer nur über Sex und den Zölibat zu sprechen, sei eine "enorme Verzerrung". Matussek erklärte weiter: "Ich glaube, dass ein Journalist, der wirklich an etwas glaubt, besser schreibt. Ich glaube, dass ich in allen meinen Geschichten den Punkt suche, der für mich wahr ist. Der für mich eine Nähe zum Gegenstand hat und der mich angeht, der mich richtig persönlich angeht, diesen Punkt muss jeder für sich erwischen." Man darf an dieser Stelle wohl zu Recht fragen: Wie viel Wahrheit steckt in der Aussage vom "antikirchlichen Kampfblatt"? Matusseks Auftreten als strammer Katholik ist nicht selten eine Provokation – ebenso wie sein Zurückrudern. (pro)

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