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Marx: Christentum bedeutet Freiheit

Die Freiheit ist die zentrale Botschaft des Christentums. Das hat Erzbischof Reinhard Marx in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" gesagt. Auch moralisch bezog er Stellung: gegen Gentests an Embryos und für eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle.

Von PRO

Foto: Dieter Schmitt/wikipedia

Die Kultur der Freiheit entspreche zutiefst der Kultur des christlichen Glaubens und dem christlichen Menschenbild, sagte Marx. Freiheit sei die Botschaft des Christentums. "Die Freiheit vollendet sich in der Liebe. Der höchste Punkt der Freiheit ist erreicht, wenn ein Mensch sagen kann: ‘Ich liebe Dich’. Solange ich das nicht verstehe, bleibe ich unterhalb der Möglichkeiten meiner Freiheit. Das bedeutet, die Freiheit nicht einfach als Bindungslosigkeit oder Unverbindlichkeit zu begreifen. Freiheit ist nicht Inbegriff der Beliebigkeit, sondern erfüllt sich in der verantwortlichen Hinwendung zum anderen. In diesem Sinne sollte und darf die Kirche keine Angst vor der Freiheit haben." Als einzige Weltreligion gehe das Christentum davon aus, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes sei. Das bedeute: Der Mensch ist frei, etwas zu schaffen, sich zu verwirklichen.

An die Grenzen dieser Freiheit stoße der Mensch, wenn er in die Schöpfung eingreife, sagte Marx im Bezug auf das Urteil des Bundesgerichtshofs zur Präimplantationsdiagnostik. "In der Tat, ich befürchte, dass dieses Urteil ein weiterer Schritt ist, die Grenzen zwischen Schöpfer und Geschöpf fließend werden zu lassen. Das bedroht die Gleichheit und Würde aller Menschen. Man ahnt, wo wir als Gesellschaft landen werden, wenn das Geschöpf sich an die Stelle des Schöpfers setzen und seinen Nachwuchs selber nach eigenen Wünschen bestimmen will."

Aufgehoben in einer unendlichen Liebe

Das Richtige zu tun und der Gemeinschaft zu dienen, erlernten Menschen nur am Vorbild Christi. "Dazu ist doch eine lebendige Gemeinschaft notwendig, die vom Evangelium her geprägt ist", sagte Marx und weiter: "Es geht hier um eine grundlegende moralische Qualität. Sie geht zurück auf die Erfahrung des Aufgehobenseins in einer unendlichen Liebe, die unzerstörbar ist. Nicht das Gebot der Nächstenliebe macht das Besondere aus, das können Sie auch philosophisch begründen, sondern die Erfahrung der unbedingten Liebe Gottes."

Völlig unbestreitbar sei, dass die für Europa entscheidende Aufklärung nicht erst im 18. Jahrhundert stattgefunden habe, sondern bereits in der Verkündigung des Evangeliums bestehe, in der Bergpredigt, in dem Vaterunser und in der Geschichte vom verlorenen Sohn. "Der katholische Glaube besteht nicht nur darin, der Freiheit mit der Moral Grenzen zu setzen. Vielmehr geht es um die Entgrenzung des Menschen, um die Einladung an die Menschen, in eine Gemeinschaft mit Gott zu treten."

"Aufklärung – ohne Wenn und Aber"


Im Interview plädierte Marx außerdem für eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle: Es helfe nur "Offenheit, Hinschauen und Aufklärung. Ohne Wenn und Aber". Mit diesem Thema sei die Kirche noch lange nicht fertig. "Es gibt zwar einige, die wieder gerne zum business as usual übergehen würden. So leicht geht das aber nicht! Für mich als Bischof ist wichtig, dass wir diese Krise zur geistlichen Erneuerung nutzen." (pro)

http://www.fr-online.de/top_news/2844350_Interview-mit-Erzbischof-Reinhard-Marx-Bloss-keine-Angst-vor-der-Freiheit.html
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