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Marginalisierung im Orient

Ob die islamische Welt Modernisierungspotenzial hat, werde sich an ihrem Umgang mit der christlichen Minderheit zeigen. Das hat der Theologe Martin Tamcke bei der Veranstaltung "Christen in der islamischen Welt: Geduldet – Diskriminiert – Verfolgt" in Berlin erklärt. Die "Friedrich-Ebert-Stiftung" hatte am Dienstag Experten zum Thema Christenverfolgung eingeladen.

Von PRO

Foto: pro

Von einer "Marginalisierung der Christen im vorderen Orient" sprach Martin Tamcke, Theologe an der Universität Göttingen. Einst habe sich in diesen Ländern das "Zentrum der christlichen Welt" befunden. Die Lage für Christen und Juden habe sich dort aber besonders in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert. Trotz allem sei die Minderheit Vorreiter der Moderne und der Säkularität in der islamischen Welt. Im Umgang mit der christlichen Minderheit werde sich erweisen, ob sich die muslimische Welt zu modernisieren vermag, erklärte Tamcke.

"Viele Kopten fühlen sich in ihrem Heimatland schutzlos", sagte Bischof Anba Damian, Vertreter der Kopten in Deutschland, über die Lage in Ägypten. Mädchen, die sich nicht mit einem Kopftuch verhüllten, befänden sich in Gefahr. Der Bischof berichtete von Entführungen und Vergewaltigungen christlicher Mädchen in Ägypten. "Wenn wir eine klare Diagnose stellen, können wir eine klare Therapie durchführen", sagte er und sprach sich damit gegen eine "Schönfärberei" der Lage in seiner Heimat aus. Ein Leben in Würde müsse auch für Kopten möglich sein. In Deutschland dürften Salafiten Koran-Exemplare in Fußgängerzonen verteilen. "Dürfen Christen dasselbe in Ägypten tun?", fragte er.

"Open Doors": "Organisierte Verfolgung" im Iran

Pfarrer Paul Murdoch hat zehn Jahre lang in Pakistan gelebt. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Lage der Christen dort enorm verschlechtert, sagte er. Es komme regelmäßig zu Übergriffen auf Christen. Kinder würden schon in der ersten Klasse bespuckt, Gläubige würden wegen Blasphemie angezeigt, meist wegen eigentlich privater Streitigkeiten. Erst vor Ostern habe ein christlicher Journalist untertauchen müssen, weil er sich für mehr Demokratie stark gemacht habe und daraufhin von Extremisten bedroht worden sei. Christen litten zudem unter dem in Pakistan einst gültigen Kastensystem. Weil die meisten "Bekehrten" aus unteren Kasten stammten, würden sie nicht nur wegen ihrer christlichen Überzeugung diskriminiert, sondern auch wegen ihrer Herkunft.

Von einer "organisierten Verfolgung" sprach Markus Rode, Leiter von "Open Doors" Deutschland, im Falle muslimischer Konvertiten im Iran. Der Staat gehöre seit Jahren zu den zehn vehementesten Christenverfolgern weltweit. Zu Beginn der Revolution 1979 hätten sich noch 250.000 Christen im Land befunden. Heute seien es noch 80.000 traditionelle Assyrer und Armenier. Die größte christliche Gemeinde sei mittlerweile die der Muslime, die den christlichen Glauben angenommen hätten. 370.000 ehemalige Muslime seien dazu zu zählen. Diese seien einer massiven Verfolgung ausgesetzt und nur im Untergrund aktiv. Der Staat und die Religionspolizei mache besonders seit 2011 Jagd auf Untergrundkirchen.

Einen EU-Beitritt der Türkei sieht Ottmar Oehring, Leiter der Fachstelle "Menschenrechte" bei "missio", kritisch, wie er in Berlin erklärte. Bis heute halte sich der Staat am Bosporus nicht an die Menschenrechtskonvention. Zwar gelte die Türkei als säkularer Staat nach dem Vorbild Frankreichs. Dennoch hätten Minderheiten wie Christen, Juden oder Aleviten dort keinen leichten Stand. Das zeige sich etwa, wenn Kirchen das Recht an den eigenen Grundstücken nicht zuerkannt werde. Oehring sprach von einem "Aderlass". Die Zahl der Christen werde dort stetig geringer. Johannes Kandel, Leiter des Bereichs "Interkultureller Dialog" bei der "Friedrich-Ebert-Stiftung", sprach sich auch deshalb dafür aus, keine "Scheu" davor zu haben, das Schicksal Verfolgter weltweit, bekannter zu machen. (pro)

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