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„Manche wollen nicht differenziert über Israel berichten“

Vergangene Woche beendete Arye Sharuz Shalicar seine Tätigkeit als Sprecher der israelischen Armee. In einem Interview kritisiert der in Deutschland aufgewachsene Familienvater die Medienberichterstattung über Israel.
Von PRO
Arye Sharuz Shalicar hat in seiner Zeit als Armeesprecher gute und schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht
Arye Sharuz Shalicar hat in seiner Zeit als Armeesprecher gute und schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht

Major Arye Sharuz Shalicar hat Ende November seine siebenjährige Tätigkeit als Pressesprecher der israelischen Armee beendet. Shalicar leitete seit Oktober 2009 die Europäische Abteilung und betreute bevorzugt, dank seiner Herkunft aus Berlin, die deutschsprachigen Medien.
Über Facebook hat Shalicar in deutscher Sprache direkten Kontakt mit Kritikern und Befürwortern Israels gehalten. Tausende Anfragen hat er persönlich beantwortet. In dem Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ beschrieb er seine bewegte Vergangenheit als Jude mit iranischen Wurzeln in Berliner Problemvierteln, wo er sich unter gewalttätigen Türken und Arabern behaupten musste.
Im Gespräch mit der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine reflektierte Shalicar über seine Zusammenarbeit mit Journalisten. Das Hauptinteresse ausländischer Journalisten in Israel sei die Sicherheitspolitik, und viele Berichterstatter übten ihren Beruf gewissenhaft aus. „Negativ ist mir aufgefallen, dass einige Vertreter internationaler und auch deutscher Medien überhaupt keinen Kontakt mit den Menschen in Israel haben“, sagte Shalicar. Auf die Frage, ob ihm die Berichterstattung deswegen einseitig und wenig reflektiert erscheine, antwortete er: „Absolut. Manche Korrespondenten wollen auch gar nicht differenziert über das Thema Israel berichten.“
Als Beispiel nannte er die Korrespondentin eines deutschen Nachrichtenmagazins, die ein Interview mit einem Vertreter von „Breaking the Silence“ veröffentlichte, einer Organisation, die über vermeintliche Verbrechen der israelischen Armee aufklären will. Dieser Reporterin habe er auch ein Interview mit einem ranghohen israelischen Militär angeboten. „Keine Propaganda, wirkliche Information. Das Interview wurde auch tatsächlich geführt, erschienen ist es leider nie.“ Europäische Medien seien aber vielfältig, von anti- bis pro-israelisch sei alles dabei.

Journalisten gehen Propaganda auf den Leim

Shalicar erklärte, dass es in Israel mehr deutsche als etwa britische oder französische Korrespondenten gebe. Die israelische Armee sei die „moralischste Armee der Welt“, behauptete er. In Konfliktsituationen komme es aber vor, dass Journalisten Propaganda der Hamas auf den Leim gingen. Die Korrespondenten säßen beispielsweise während des Krieges im Gazastreifen in ihren Hotels. „Wenn es dann mal ruhig ist, kommen vermeintliche Mitarbeiter des palästinensischen Gesundheitsministeriums und präsentieren Zerstörung, Verletzte und Leichen“, erklärte Shalicar. „Dann haben die Journalisten ihre Storys und senden sie in die Welt. Dass die Hamas Raketen von einem Krankenhaus abschießt oder unterirdische Tunnel baut, erzählen sie natürlich nicht.“
Auf die Frage, welches Fazit er nach sieben Jahren beim israelischen Militär ziehe, sagte Shalicar: „Man hat gelegentlich mit Journalisten zu tun, von denen man weiß, dass sie sich den Fakten verschließen. Dann komme ich und zeige, dass die Realität ein bisschen komplexer ist als ihr Weltbild, und versehe das eine oder andere vielleicht auch mit einem Fragezeichen. Das bewirkt etwas bei den Journalisten. Insofern fällt meine Bilanz positiv aus.“ (mb)Beitrag über Wassernot: Drei Programmbeschwerden gegen ARD (pro)
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