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Maischberger: Homosexualität akzeptieren oder nur tolerieren?

Muss man Homosexualität akzeptieren oder nur tolerieren – und gibt es da eigentlich einen Unterschied? Sandra Maischbergers Gäste Dienstagabend konnten sich nicht darauf einigen, ob der Staat die gesellschaftliche Normalität von Homosexualität vermitteln soll oder besser die Familie.
Von PRO
Hartmut Steeb (l.) ist gegen den Fokus auf sexuelle Orientierung im Bildungsplan. Olivia Jones (r.) wünscht sich, dass in der Schule mehr über Homosexualität und Vielfalt gesprochen wird

Foto: ARD

Hartmut Steeb (l.) ist gegen den Fokus auf sexuelle Orientierung im Bildungsplan. Olivia Jones (r.) wünscht sich, dass in der Schule mehr über Homosexualität und Vielfalt gesprochen wird
Der Anlass der Sendung mit dem Titel „Droht die ‚moralische Umerziehung‘?“ war der Bildungsplan in Baden-Württemberg, der Schülern die Normalität von Homosexualität in der Gesellschaft vermitteln will. Eine Petition dagegen haben fast 200.000 Menschen unterzeichnet. Die Wogen schlagen hoch, längst über die baden-württembergische Landesgrenze hinaus. Viele nennen den Bildungsplan eine „pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung“. Sollte Homosexualität auf dem Lehrplan stehen? Die Frage stellte Maischberger am Dienstagabend ihren Gästen: Jens Spahn, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU, der homosexuell lebt; Hartmut Steeb, dem Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz; der Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle, vierfache Mutter; der Schriftstellerin Hera Lind sowie der Travestie-Künstlerin Olivia Jones, die sich in der Sendung als schwul bezeichnete. Steeb vertrat die Ansicht, sexuelle Orientierung bekomme im Bildungsplan ein zu großes Übergewicht, und bestimmte Gruppen hätten ihre Ideologie in diesen Bildungsplan „geradezu hineindiktiert“. Steeb begrüßte, dass im Bildungsplan Toleranz angemahnt wird, doch werde es ausschließlich gegenüber sexuell anders Lebenden angemahnt, nicht etwa gegenüber Menschen mit Behinderungen. Steeb ergänzte: „In dem Bildungsplan fehlen mir die Stichworte Ehe und Familie!“ Birgit Kelle betonte, dass bereits jetzt in der Schule offen über Homosexualität geredet werde und niemand dies ändern wolle. “Es geht darum, dass ein Sexualkundeunterricht, der jetzt schon fragwürdig ist in der Art, wie er durchgeführt wird, auf viele weitere Fächer ausgeweitet werden soll.“ Die Autorin machte auf einen Unterschied zwischen den Begriffen Akzeptanz und Toleranz aufmerksam, den die Runde daraufhin rege diskutierte. Kelle erklärte: „Toleranz bedeutet, dass sich eine Meinung, die ich möglicherweise nicht teile, aushalte. Akzeptanz bedeutet, dass ich meinen Standpunkt ändern muss.“ Sie verwahrte sich dagegen, dass Hartmut Steeb seine Meinung bezüglich Homosexualität ändern müsse, weil er sie nur toleriere. Sie selbst könne durchaus damit umgehen, dass andere Menschen anders lebten als sie, sie müsse das dennoch nicht automatisch gutheißen. „Ich akzeptiere ja auch andere politische Meinungen.“ Die Betonung auf die sexuelle Orientierung sei heutzutage allgegenwärtig, sagte Kelle. „Wenn man heutzutage sagt, dass man die Ehe zwischen Mann und Frau gut findet und homosexuelle Partnerschaft für eher die Ausnahme hält, wird man bereits als homophob diffamiert.“ Jens Spahn gab ihr Recht: Wer sich etwa dagegen ausspreche, dass das Adoptionsrecht auch für homosexuelle Paare gelten solle, dürfe nicht gleich als homophob, Nazi oder von vorgestern bezeichnet werden. „Auf beiden Seiten“ werde mit viel Eifer diskutiert und manchmal über die Stränge geschlagen, mahnte der CDU-Politiker.

Schwulsein anerziehen?

Olivia Jones, die mit bürgerlichem Namen Oliver Knöbel heißt, widersprach Kelle und merkte an, dass in der Schule zu wenig über Homosexualität gesprochen werde. Sie kritisierte, dass den Kindern nicht gezeigt werde „wie vielfältig die Gesellschaft ist“. Neben „Vater-Mutter-Kind“ gebe es noch andere Lebensentwürfe. Es gehe nicht darum, Kinder umzuerziehen und sie schwul zu machen. „Wenn man den Homosexuellen Freiheiten zuspricht, dann nimmt man doch den Heterosexuellen nicht irgendwelche Freiheiten“, sagte Jones. Spahn kritisierte die Worte, die Hartmut Steeb am 24. Januar in der SWR-Sendung „Nachtcafé“ gesagt hatte, demzufolge dieser froh sei, dass keines seiner zehn Kinder homosexuell empfinde. Spahn: „Sie tun Menschen mit Worten weh, in der Art wie Sie das diskutieren. (…) Was denkt ein junger Mensch, der schwul oder lesbisch ist, wenn er solche Worte liest? Der muss denken: ‚Was ich bin, ist schlecht!‘ Der muss denken, er sei weniger wert.“ Auch sei es „Humbug“ zu vermitteln, man könne Kinder in der Schule schwul machen oder dass dies mit dem Bildungsplan auch nur beabsichtigt sei.

Wenn Kinder fragen: „Was ist schwul?“

Birgit Kelle war vor allem die Frage wichtig, ob die Sexualaufklärung und die Aufklärung über Homosexualität überhaupt dem Staat obliegen müsse, oder ob es nicht eher eine innerfamiliäre Aufgabe sei. Kelle: „Ich finde es unmöglich, dass hier 200.000 Leute, die eine Petition unterschrieben haben, sofort in eine mittelalterliche oder homohassende Ecke gestellt werden.“ Sie habe viele Berichte von empörten Eltern gehört, bei denen ein Lehrer Kindern schon in der Grundschule erklärte, wie sich Lesben sexuell befriedigen. „Da sind Sie als Eltern machtlos!“, sagte Kelle. Ihrer Meinung nach sollte sich die Schule „auf das Rechnen und Schreiben“ konzentrieren. Angesprochen auf seine Äußerungen in der vorherigen SWR-Sendung, verteidigte sich Steeb mit den Worten: „Es war dort ähnlich wie hier kaum möglich, drei oder vier Sätze am Stück zu sagen. Ich bin dauernd unterbrochen worden.“ Tatsächlich war es für ihn auch bei „Maischberger“ vor allem wegen der neben ihm sitzenden Olivia Jones mehrmals unmöglich, auszureden, da diese ihn – wenn auch freundlich lachend oder scherzend – häufig nach wenigen Worten unterbrach. Wollte man die Diskussion der Sendung, die im Kern um die Frage ging, ob die Schule über die gesellschaftliche Normalität von Homosexualität aufklären soll oder nicht, zusammenfassen, würde man am besten eine Sequenz herausgreifen: Kelle erzählte von ihrem siebenjährigen Sohn, der seine Mutter eines Tages fragte, was „schwul“ bedeute. Kelle sagte: „Er hatte das Wort irgendwo gehört. Es war in seiner Lebenswelt vorher nicht vorgekommen.“ Olivia Jones konterte: „Aber genau das ist ja das Schlimme. Deswegen brauchen wir Aufklärung darüber in der Schule.“ (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/bildungsplan-diskussion-bei-maischberger-sorgt-schon-im-vorfeld-fuer-zoff/
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/schlagabtausch-zu-homosexualitaet/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/mehr-toleranz-und-weniger-ideologie-waeren-hilfreich/
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