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Mahnung: Bescheidenheit mit religiöser Wahrheit

Der Amerikaner Jack Miles ist preisgekrönter Autor. Jetzt hat er die „Norton Anthology of World Religions“ herausgegeben. Welt-Autor Hannes Stein nimmt dies zum Anlass, sich mit dem Theologen, Bibel- und Literaturwissenschaftler über Rivalität zwischen den Relgionen zu unterhalten.
Von PRO
Theologe, Bibel- und Literaturwissenschaftler Jack Miles erhielt 1996 den Pulitzer-Preis
Theologe, Bibel- und Literaturwissenschaftler Jack Miles erhielt 1996 den Pulitzer-Preis

Jack Miles hat 1996 den Pulitzer-Preis für seinen Roman „Gott: Eine Biographie“ erhalten. Darin stellt er den Gott der hebräischen Bibel als eine Romanfigur dar. Der 72-Jährige ist heute Dozent an der amerikanischen „University of California“ in Irvine. Er unterrichtet dort Religion. Seine „Norton Anthology of World Religions“, bislang in englischer Sprache erschienen, ist eine Sammlung ausgewählter Texte des Buddismus, Hinduismus, Taoismus, Judentums, Christentums und des Islam.
Im Interview mit der Tageszeitung Die Welt sagt Miles, dass in seinem neuen Buch „Religion als Praxis betont wird, nicht Religion als Glaubenssystem“. Religiöse Rituale sind nach seiner Auffassung mit Spielen verwandt. Die Evolutionsbiologie sei der „interessanteste Berührungspunkt zwischen Religion und Wissenschaft“. Miles sieht in der Ausübung von Religion „eine spezifisch menschliche Verhaltensweise“, die bei Tieren in dieser „entwickelten Form“ nicht beobachtet worden sei.

Moral ohne Religion?

Die Frage des Welt-Journalisten, wie Menschen mit sich ausschließenden Wahrheitsansprüchen der Religionen umgehen – Stein zitiert dazu die Bibel mit der Aussage von Jesus Christus „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – beantwortet Miles vielschichtig. Einmal gebe es in östlichen Religionen mehr Ansprüche auf Wahrheit „als die westlichen Anhänger des Buddhismus wahrhaben wollen“. Zudem behaupte jede Religion, die ältere zu sein, mit dem Ziel, „die andere einschließen zu können“. Miles vertritt zudem die Meinung: Überwinden ließe sich der Wahrheitsanspruch der Religionen nicht dadurch, dass man diese für gleich halte und vorgebe, „wir täten im Grunde dasselbe, nur auf verschiedene Art“. Stattdessen rät er zu mehr Bescheidenheit im Umgang mit der „platonischen Idee des Guten“. Jedoch, auch ohne Religion sei eine schlüssige Moralphilosophie möglich.

Pegida: Nachwehe des Nationalismus

In dem Interview äußert sich Miles auch zu den Protesten, die sich vor allem in den neuen Bundesländern gegen die Islamisierung Deutschlands richten. Als Ursache sieht Miles die Schwächung der „religiösen Gefolgschaft zum Christentum in Europa durch die Aufklärung“. Diese sei historisch meist durch Nationalismus ersetzt worden. Miles zeigt dies exemplarisch am Beispiel Frankreichs. Seiner Meinung nach habe man in der DDR nie wirklich „den internationalen Kommunismus als Ersatz für das Christentum oder den deutschen Nationalismus“ akzeptiert. Den Nationalismus habe man, verschoben auf die DDR, weiterhin beibehalten. (pro)

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