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Luther gegen einen „eigensüchtigen, geldgierigen Hochklerus“

Der eigentliche Auslöser der Reformation war nicht so sehr das Anschlagen der 95 Thesen durch Martin Luther, sondern vielmehr dessen Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“. Diese These vertritt der Theologe Thomas Kaufmann in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Von PRO

Foto: Messiah Lutheran (Mechanicsville, VA) (CC-BY-NC-SA)

Thomas Kaufmann geht zu Beginn seines Aufsatzes mit der Überschrift „Luthers kopernikanische Wende“ der Frage nach, mit der sich viele Generationen von Theologen und Politikern beschäftigt haben: ob der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag werden soll. Anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation schreibt Kaufmann, bereits im Jahr 1617 hätten protestantische Fürsten Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg im Jahr 1517 zum Anlass für Feierlichkeiten genommen. Kaufmann lehrt Kirchengeschichte an der Universität Göttingen.

Am 31. Oktober 1517 soll Luther die Thesen öffentlich an die Kirchentür geschlagen haben. Die Debatte um Historizität dieser Tat hält bis heute an. Kaufmann erklärt, es sei fraglich, „ob das, was die Reformation ausmacht und was ihr Bedeutung verleiht, überhaupt in einem einzelnen ‚Ereignis‘, einem Datum angemessen aufscheinen kann – sei es nun Luthers Auftritt vor Kaiser und Reich in Worms, sei es die Verbrennung des kanonischen Rechts vor dem Elstertor in Wittenberg oder was auch immer“.

„Soll man den 31. Oktober also vielleicht besser abschaffen, da er Katholiken und Protestanten traditionell trennt und Nichtchristen kaltlässt?“, fragt der Autor. Wichtig sei vielmehr, wann und wie die Veränderungen der Reformation ausgelöst wurden. Die Reformation als umgestaltende und erneuernde Haltung habe 1520 begonnen, und zwar durch Luthers Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ – dem „Manifest“ der Reformation, ist Kaufmann überzeugt.

In dieser Schrift habe Luther erstmals sein Verhältnis zum römischen Papst erklärt: Er sei der Antichrist, der die Kirche in eine erbärmliche Gefangenschaft geführt hat. „Ein eigensüchtiger, geldgieriger Hochklerus saugt die Kirche aus; die Werkgerechtigkeit bestimmt das Verhalten der Christenheit tiefgreifend; Wallfahrten, Bruderschaften, Heiligenverehrung, Messstiftungen, das Ablasswesen – all die Merkmale, die der schillernden Frömmigkeitskultur des Spätmittelalters ihr besonderes Gepräge gegeben haben, werden in der ‚Adelsschrift‘ umfassend und in einer neuartigen Vehemenz kritisiert.“

Die Schrift habe schon damals die Kirchenleute schockiert und schließlich zur Exkommunikation Luthers geführt. Die „kühnste“ Idee Luthers sei dabei das allgemeine Priestertum der Glaubenden und Getauften gewesen. „Diese Idee bedeutet den vielleicht grundstürtzendsten Umbruch“, und sie sei erst bei der Abfassung der „Adelsschrift“ entstanden. „Durch die Taufe hat Gott nach Luther jeden Christen in gleicher Weise ‚geweiht‘ und qualifiziert: Diese egalistische Tendenz stellt eine kopernikanische Wende in der Geschichte religiöser Organisationsvorstellungen dar.“ (pro)

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