„Little Trouble Girls“: Sex contra Heiligkeit

Stehen Sexualität und Glaube im Widerstreit miteinander? Im Film „Little Trouble Girls“ ringt ein 16-jähriges Mädchen mit dieser Frage und ihren eigenen Schuldgefühlen.
Von Jörn Schumacher

Der Spielfilm „Little Trouble Girls“, eine slowenisch/italienisch/kroatisch/serbische Koproduktion, handelt von der 16-jährigen Lucia, die in einem Mädchenchor ihrer katholischen Schule singt. Ihr Chor verbringt im Sommer ein Probenwochenende in einem Kloster in Italien. Hier wird Lucia mit ihrer erwachenden Sexualität konfrontiert. Zugleich muss sie ausloten, inwiefern diese dem Glauben im Weg steht. Ab Donnerstag ist er in den deutschen Kinos zu sehen.

Die zwei Jahre ältere Ana Maria ermutigt Lucia, sich mit ihrer Sexualität offen auseinanderzusetzen. Das extrovertierte und etwas erfahrenere Mädchen hat eine klare Sicht auf die Sache: Sexualität sollte ausgelebt werden. Sie küsst Lucia und ermutigt das introvertierte, behütet aufgewachsene Mädchen, es ihr gleichzutun, und auch einmal mutig auf die Bauarbeiter im Innenhof des Klosters zuzugehen.

Die slowenische Filmemacherin Urška Djukić sagte gegenüber der Presse, ihr Film wolle die „schwierige Beziehung zwischen Sexualität, Sünde und Schuldgefühlen“ behandeln. Die erwachende Sexualität Lucias stellt sie bewusst in einen christlichen Kontext von Kloster, Nonnen und einer konservativen Familientradition. Sie selbst sei nicht streng religiös erzogen worden, sagte die Filmemacherin, jedoch „nach traditionellen katholischen Vorstellungen davon, wie ein ‚braves Mädchen‘ zu sein hat“. Die Schuldgefühle Lucias seien ihr nicht fremd.

„Das Wort Gottes gibt längere Zufriedenheit als eine Berührung“

Später sei ihr bewusst geworden, dass religiöse Vorstellungen über Körperbild, Scham und Sexualität, die vielen Generationen von Mädchen – einschließlich ihrer eigenen – aufgezwungen wurden, starr und unbeholfen seien, sagte Djukić. Für sie sei klar: „Menschen, die tief mit ihrem Körper verbunden sind, lassen sich weniger leicht kontrollieren, weil sie ihrer inneren Führung mehr vertrauen als äußeren Vorgaben.“

Lucia ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und der Norm christlicher Werte um sie herum. Die Bauarbeiter im Innenhof faszinieren sie, gleichzeitig ist sie abgestoßen von ihrem eigenen Verlangen. Ihre Mutter jedenfalls ist bereits darüber entsetzt, dass ihre Tochter Lippenstift aufträgt. Als Lucia beim abendlichen Flaschendrehen die Aufgabe von den anderen Mädchen erhält, „das schönste Mädchen des Klosters“ zu küssen, entscheidet sie sich aber erst einmal „nur“ für die Marienstatue in der Kapelle.

Dann fragt Lucia in ihrer Ratlosigkeit kurzerhand eine Nonne: „Ist es schwer, zölibatär zu leben?“ Die antwortet: „Beim Zölibat geht es darum, deine Energie in Arbeit und Kreativität zu lenken. Es ist eine Ehe mit Gott.“ So sei es nicht schwer, sein Gelübde zu halten. Ana Maria hakt nach, ob sie denn nicht manchmal den Wunsch verspüre, umarmt oder berührt zu werden. Das komme vor, sagt die Nonne, der Mensch sei eben ein Instinktwesen. „Aber wenn du dich entscheidest, dein Leben etwas Höherem zu widmen, dann gibt dir das Wort Gottes alle Zufriedenheit. Das ist eine Berührung Gottes.“ Und die sei, anders als die menschliche Berührung, dauerhaft. „Die Berührung Gottes berührt dein Herz und breitet sich im ganzen Körper aus.“ Anders als Lucia ist Ana Maria von diesen Worten wenig beeindruckt. „Sex ist gesund, Lucia. Das ist bewiesen.“ Sie ist genervt davon, dass sich Lucia „wie die Jungfrau Maria“ verhält.

Muss man sich als junges Mädchen also einmal entscheiden, welchen Weg man einschlägt? Entweder ein Leben für Gott oder für die Sünde? Entweder Geist oder Fleisch? Müssen Sexualität und Heiligkeit immer im Widerspruch zueinander stehen? Am Ende deutet der Film einen Ausweg für Lucia an: Vielleicht lässt sich doch beides miteinander versöhnen.

„Little Trouble Girls“, Slowenien/Italien/Kroatien/Serbien 2025, 89 Minuten, Regie: Urška Djukić, FSK: ab 12

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