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“Liebe wird oft überbewertet”

Die Menschen kennen ihn meistens von Hochzeiten. Aber was sagt uns der Bibeltext aus dem 1. Korinther-Brief, das "Hohelied der Liebe" heute noch? Das fragten die Redakteure von "Christ & Welt", der Beilage der Wochenzeitung "DIE ZEIT". Die Autorin Christiane Rösinger, die Politikerin Sahra Wagenknecht und der Mönch Anselm Grün antworteten.
Von PRO

Foto: Nevit Dilmen / Wikimedia

Zwei ganze Seiten gibt die Zeitung dem Thema in ihrer heutigen Ausgabe. Auf beiden Seiten ist ein riesiges, über die ganze Seite reichendes, rotes Herz auf weißem Hintergrund abgedruckt. Die Bibelstelle 1. Korinther 13, das so genannte "Hohelied der Liebe", erstreckt sich in voller Länge und großer Schrift über die erste halbe Seite.

"Nicht so wichtig, wie man denkt"

"Die Liebe ist nicht so wichtig, wie man denkt. Die Liebe bläht sich auf. Die Liebe hört oft einfach auf. Sie ist zur Ersatzreligion geworden", provoziert die Schriftstellerin und Sängerin Christiane Rösinger mit ihrer Aussage.

Der Text selbst könne nichts dafür. "Er sagt uns ja nicht, welche Art von Liebe er meint." Aber heute werde er auf die Paarbeziehung reduziert. Daraus werde abgeleitet, dass man ohne Partner nichts sei. "Schon Kinder werden aufeinander gehetzt, schon 13-Jährige haben es verinnerlicht: Ohne Freund oder Freundin bist du nichts." Dass das mit der Zweierbeziehung nicht funktioniere, sehe man dagegen an den Scheidungsraten. "Und wer sich nicht trennt, ist meistens noch schlimmer dran", vermutet sie.

Für Christiane Rösinger ist die "Liebeshelferindustrie", die "ganzen Geschäftszweige, die uns fit für die Liebe machen sollen", ein Produkt des "Systems voller Fehler", ein Produkt der Liebe. "Liebe ist nur ein Teilaspekt des Lebens. Und die anderen Teile sind auch nicht schlecht", bilanziert sie.

Hochaktuelles Thema, das auch die Politik betrifft

Die stellvertretende Vorsitzende der Partei "Die Linke", Sahra Wagenknecht, meint, es scheine ungewöhnlich, vielleicht anmaßend, dass eine Atheistin und Sozialistin über einen Bibeltext schreibt. Aber das Thema sei "hochaktuell" und betreffe auch die Politik.

Die Liebe ist für die Politikerin der Richter des Kapitalismus und das Fundament des Sozialismus. Wer die Liebe anerkenne, müsse mit Unbehagen sehen, dass "nur noch zählt, was sich rechnet", dass "Habsucht, Egoismus, Gier, Geiz, soziale Ignoranz – am stärksten kultiviert werden". Liebe sei wegen "McDonald’s – Ich liebe es", Facebook-Freundschaften und der kitschigen Romantik der Medien, ein "leeres Füllwort".

Der Sozialismus sei hingegen "eine Widerstandsbewegung gegen die Zerstörung der Liebe in der gesellschaftlichen Wirklichkeit", zitiert Wagenknecht den Theologen Paul Tillich.  Dass "Menschen nach Nützlichkeitskriterien bewertet" werden, anstatt "sich darum zu kümmern, dass alte Menschen liebevoll versorgt werden", sei "des Menschen nicht würdig. Wir haben etwas besseres verdient", fordert sie.

Nur begrenzt zur Liebe fähig

"Die Liebe ist mehr als Gefühl", schreibt dagegen der Benediktinermönch und Bestsellerautor Anselm Grün. Er übernimmt die "christliche" der drei Antworten. Paulus schreibe nicht von begehrender oder von Freundesliebe, sondern von der "agape"-Liebe. Sie sei eine göttliche Kraft, die uns geschenkt ist. Diese Liebe sei keine Forderung, kein Sollen. Im Gegenteil: "In wem diese Liebe ist, der ist einfach fähig, gütig zu sein." Gleichzeitig seien wir aber nur begrenzt zur Liebe fähig, denn wir sind Menschen. Damit sollen wir uns "aussöhnen und uns von der begrenzten Liebe auf die unbegrenzte Liebe auf den Grund unserer Seele verweisen lassen." Und dieser Grund sei Gott. (pro)

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