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Liebe statt Krisen: Soap zeigt das Leben junger Christen

Die Sendung "Gospel Haus" zeigt das wahre Leben junger Christen. Ungeschminkt und ohne auswendig gelerntes Skript erzählen sieben WG-Bewohner von ihren Träumen, ihren alltäglichen Herausforderungen und ihrem Glauben. So wollen sie auch Kirchenfernen ein Gefühl davon vermitteln, was Christsein ausmacht.

Von PRO

Foto: Gospel Haus

Johannes möchte eines Tages Musik studieren. Christian denkt darüber nach, die Schauspielschule in Hamburg zu besuchen. Rebekka träumt davon, Kindern in den Slums von New York zu helfen. So unterschiedlich ihre Wünsche für die Zukunft auch sein mögen, zwei Dinge haben die drei WG-Bewohner gemeinsam: Sie folgen Jesus. Und sie teilen ihre Suche nach dem richtigen Lebensweg mit hunderten Zuschauern. Johannes, Rebekka und Christian sind drei von derzeit sieben jungen Erwachsenen, die im Gospel Haus, einer Villa im Süden Berlins, leben. In einer gleichnamigen Reality-Soap lassen sie all jene an ihren Lebensabenteuern teil haben, die sich via Facebook oder über ihre Internetadresse auf ihre Homepage klicken. Ihre Strategie ist Authentizität. Ihr Ziel: Junge Menschen in Kontakt mit dem christlichen Glauben bringen.

"So funktioniert das nicht, ihr müsst etwas lauter sprechen", sagt Jonathan Reichert. In der einen Hand hält er eine kleine Kamera, mit der anderen winkt er seine Protagonisten etwas näher beisammen, "damit ihr auch alle ins Bild passt", wie er ihnen sagt. Es ist Drehtag im Gospel Haus. Das heißt: Heute werden Szenen, die die jungen Bewohner in den vergangenen Tagen erlebt haben, kameragerecht nachgestellt. "Natürlich komplett ohne Skript", sagt Reichert, und weiter: "Die Leute sehen genug geskriptete Sendungen im Fernsehen. Für uns ist es wichtig, echt zu sein." Dann setzt er die Kamera erneut ans Auge. "Rolling", ruft er, und die Aufnahme beginnt. Später wird diese Folge von Gospel Haus Laura, Christian, Johannes und Jakob zeigen, wie sie ein Youtube-Video über die Unendlichkeit des Weltalls sehen und planen, die Schönheit der Sterne und die unbegreifliche Weite des Weltraums in einem Gottesdienst zu benutzen, um die Macht Gottes zu demonstrieren.

Liebe statt Beziehungskrisen

Seit knapp zwei Jahren ist Gospel Haus auf Sendung – die Folgen sind online oder beim christlichen Sender ERF 1 zu sehen. Das Konzept erinnert ein wenig an MTVs "Real World". Nur, dass die Folgen weniger von Beziehungskrisen und mehr von Liebe handeln. Denn die WG-Bewohner filmen sich nicht nur bei der Vorbereitung von gemeinsamen Gottesdiensten, sondern auch bei der Jugendarbeit in der Thermometersiedlung, einem Plattenbauviertel im Berliner Osten. Regelmäßig laden die 18- bis 22-jährigen Gospel-Häusler in dieser Gegend sowie in der Stadt Ludwigslust bis zu 70 Kinder aus sozial benachteiligten Familien zum Spielen, Singen und nicht zuletzt zu gemeinsamen Gottesdiensten ein. Die Kamera ist auch bei diesem Arbeitszweig des gemeinnützigen Vereins "Jump", zu dem das Gospel Haus gehört, immer dabei.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Reichert und seiner Frau Sarah. Das Ehepaar lebt gemeinsam mit den jungen Erwachsenen und vier eigenen Kindern im Gospel Haus. Die meisten der Bewohner sind nur für eine bestimmte Zeit im Gospel Haus und absolvieren dort ein Freiwilliges Soziales Jahr. "Wir wollten Menschen einen Rahmen geben, in dem sie Gott näher kommen können", erklärt Reichert das Anliegen der Familie schlicht. Dieser Rahmen aber, das wird rasch klar, soll die Grenzen herkömmlicher Gemeindearbeit sprengen. Junge Menschen, die keinen Kontakt zum Glauben haben, gehen nicht in die Kirche, lautet eine der wohl wichtigsten Erkenntnisse aus Reicherts langjähriger Arbeit mit Jugendlichen. "Also müssen wir zu den Menschen kommen", sagt er. Und wie stellt man das im Jahr 2011 am besten an? Durch moderne Medien natürlich. Via Facebook und über die Homepage des Gospel Hauses können auch jene, die eigentlich keinen Kontakt zu Christen haben, ein Stück christlicher Lebensart erfahren, so die Logik der WG-Bewohner und Mitarbeiter.

Beziehungen knüpfen – auch im anonymen Netz

Dabei sind ihnen persönliche Beziehungen zu den Jugendlichen in der Platte aber ebenso wichtig, wie die vermeintliche Anonymität im Netz. "Die Mischung macht’s", sagt Reichert. "Wir treffen die Menschen bei unserer Arbeit im sozialen Brennpunkt, die schauen daraufhin unsere Sendung, wir besuchen sie wieder und so bleibt die Beziehung zu ihnen bestehen, auch über die reine Jugendarbeit vor Ort hinaus." Deshalb sieht er die Reality-Sendung Gospel Haus auch nur als kleinen Ausschnitt seiner Arbeit, "ein Fenster nach außen", wie er sagt. Dass dieses Fenster eventuell zu viel von ihnen preisgeben könnte, fürchten die Bewohner nicht. "Ich muss hier keinen Seelenstriptease machen", sagt Bewohner Jakob in einer kurzen Drehpause.

So will die Sendung Gospel Haus die Balance zwischen privat und öffentlich halten und nicht zu einer Art christlichem Big Brother werden. Auch wenn die Protagonisten, ganz wie im Container, in "Battles" gegeneinander antreten. So wetteifern sie etwa darum, wer eine Nationalhymne seiner Wahl am besten interpretieren kann – und die Zuschauer entscheiden, wer gewinnt. Bis zu 800 Abstimmungs-Clicks bekommen die Christen bei einem Battle. Mit dem Leitthema der Sendung, das laut Reichert "Beruf und Berufung" lautet, hat das nicht mehr allzu viel zu tun. Doch Spaß, das finden wohl auch die Bewohner, muss schließlich sein. Und wer nicht auch mal herzlich über sich selbst lachen kann, wird es wohl auch auf der Theaterbühne, im Musikstudio oder bei der Arbeit mit Jugendlichen in den Slums von New York nicht weit bringen. (pro)

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