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Liebe ohne Erinnerung

Am Donnerstag ist das romantische Drama "Für immer Liebe" in den deutschen Kinos angelaufen. Der Film mit Rachel McAdams basiert auf der wahren Geschichte eines christlichen Paares. Die Bezüge zum Glauben wurden aus der Handlung gestrichen, werden aber ausführlich im Buch zum Film behandelt, das im Sommer erscheinen soll.
Von PRO

Foto: Sony Pictures

Bei Paige (Rachel McAdams, "Die Hochzeits-Crasher") und Leo (Channing Tatum, "Krieg der Welten") entwickelt sich aus einer zufälligen Bekanntschaft innerhalb weniger Wochen die große Liebe. Doch kurz nach der Hochzeit kommt es zu einem Autounfall, bei dem Paige ein Schädel-Hirn-Trauma erleidet und alle Erinnerungen der vergangenen 18 Monate verliert. Soweit die Ausgangssituation des Schmachtfetzens "Für immer Liebe" von Jung-Regisseur Michael Sucsy ("Grey Gardens"). Paige entscheidet sich, nach ihrem Krankenhausaufenthalt nicht in das ihr bekannte, konservative Elternhaus, sondern in ihr Apartement in der Innenstadt von Chicago zurückzukehren, um Spuren ihrer vergessenen Identität zu sammeln. Die individualistische Wohnung und ihr Job als Bildhauerin sind ihr ebenso fremd wie die nun zu Fremden gewordenen Freunde aus der alternativen Szene – ganz zu schweigen von ihrer Garderobe, die weitgehend aus Lumpen zu bestehen scheint. Ehemann Leo hingegen versucht mit aufopfernder Geduld und Hingabe, Erinnerungen an schöne Zeiten zu wecken und Paiges Liebe erneut zu gewinnen.

Der Film erzählt die Geschichte aus Leos Perspektive. Seine schwermütige Stimme aus dem Off erzwingt noch mehr Melancholie und Süßlichkeit in die Handlung, als sowieso bereits enthalten ist. "Es war ein Moment der vollkommenen geistigen, körperlichen und sonstigen Liebe", sagt er nach einer Beischlaf-Szene – vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen. Der innere Konflikt des Ehemannes wird gut dargestellt: Leo trauert um die Frau, in die er sich verliebt hat und die er kannte. Gleichzeitig fürchtet er, dass Paige, zurückgefallen in ein früheres Ich, in dieser Identität nicht glücklich werden wird. Ebenso fragt sich Paige, in welcher Rolle sie wirklich Zuhause ist: konservative, schicke Karrierefrau oder vegetarische Künstlerin? Als Paige wieder beginnt, Jura-Vorlesungen zu besuchen, hört sie nicht zu, sondern zeichnet Entwürfe für Skulpturen.

Farblose Darsteller, fehlende Dramaturgie

Ohne ein gutes Timing, ohne dynamische Dramaturgie kann auch eine an sich gute Geschichte nur schwer erzählt werden. Und so liegt der größte Schwachpunkt des Films in der Erzählweise, die keine Höhen und Tiefen kennt, sondern sich in einem zähen Fluss langsam über die Leinwand schiebt. Die Darsteller bleiben ebenso fade wie die meist kühlen Bilder von Chicago, denen selbst die Filmmusik von Rachel Portman ("Gottes Werk und Teufels Beitrag") keine Wärme und Freundlichkeit verleihen kann. Rachel McAdams schöpft ihr darstellerisches Potential nicht aus und bleibt deutlich hinter Leistungen wie etwa in "Red Eye" zurück, ihr vom inneren Kampf gequältes Gesicht wirkt beinahe zehn Jahre älter, als sie es mit ihren 33 Jahren eigentlich ist.

Christliche Aspekte aus Handlung gestrichen

Grundlage des Films ist die wahre Geschichte von Kim Carpenter und seiner Frau Krickitt, die sich 1993 in New Mexiko kennenlernten. Nach einem Autounfall verlor Krickitt sämtliche Erinnerungen an ihren Mann und hat sie bis heute nicht wiedererlangt. Der Glaube an Gott habe ihr die Kraft gegeben, nicht aufzugeben: "Ich wandte mich an meinen Herrn und Erlöser Jesus Christus, um meine Verwirrung, Angst und Frustration loszuwerden", sagte Krickitt Carpenter in einem Interview anlässlich des Filmstarts in den USA. Obwohl sie sich nicht an ihren Mann Kim erinnern konnte, habe sie die Tatsache, ihm Treue geschworen zu haben, akzeptiert. Die beiden fanden  zueinander zurück, sind bis heute verheiratet und haben zwei Kinder.

Das starke christliche Bekenntnis des gläubigen Paares fehlt in der Verfilmung, auch andeutungsweise und zwischen den Zeilen werden keinerlei christliche Bezüge hergestellt. In der in den USA bereits in den 1990ern erschienenen und nun neu aufgelegten und überarbeiteten Buchvorlage ist das anders. Voraussichtlich im Juni soll das "Buch zum Film" bei Gerth Medien auf Deutsch erscheinen, wahrscheinlich auch unter dem Titel "Für immer Liebe". Dabei ist das Buch kein Roman, sondern mehr ein christlicher Ratgeber, teilte Gerth Medien auf Anfrage von pro mit. Aufgrund des christlichen Schwerpunkts habe sich der amerikanische Rechteinhaber entschlossen, einem christlichen Verlagshaus den Zuschlag für die Verbreitung in Deutschland zu geben.

Die Filmversion von "Für immer Liebe" ist eine Mischung aus "50 erste Dates" und "Love Story" geworden, eine zu langsam, zu unspektakulär und viel zu bedrückend erzählte, wenn auch zweifelsohne bewundernswerte Geschichte von wahrer und selbstloser Liebe. Wer sich für den christlichen Hintergrund der Handlung interessiert, muss auf das Buch warten. Wer einfach einen schönen Liebesfilm sehen will, sollte zu einer DVD mit Meg Ryan oder Diane Keaton greifen. (pro)

"Für immer Liebe" (The Vow). 104 Minuten, Freigegeben ohne Altersbeschränkung.

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