„Leviticus“: Horrorfilm über Schwulenheilung sorgt für Aufruhr

Ein Horrorfilm macht sogenannte Konversionstherapien zum Thema. In dem Streifen „Leviticus“ werden zwei junge schwule Männer nach einem Exorzismus von Dämonen heimgesucht. An dessen Erscheinen sind Evangelikale schuld.
Von Anna Lutz

In den USA ist ein australischer Horrorfilm angelaufen, der mit einem bisher in diesem Genre wohl kaum thematisierten Inhalt um die Ecke kommt: Konversionstherapien. So nennen die Gegner dieser christlich motivierten Form von Seelsorge Angebote, die Menschen mit homosexuellen Neigungen helfen sollen, diese abzulegen. 

In Adrian Chiarella Film „Leviticus“ treffen Medienberichten zufolge Naim (Joe Bird) und Ryan (Stacy Clausen) aufeinander, zwei Teenagerjungen in einer australischen Kleinstadt. Sie fühlen sich zueinander hingezogen, halten ihre Liebe aber geheim, denn sie fürchten das Urteil der religiösen Gemeinschaft im Ort. Zu Recht, wie sich im Film zeigt, denn als die beiden auffliegen, soll ihnen ihre Neigung in der sektiererischen, evangelikal anmutenden Gemeinde des Ortes ausgetrieben werden. 

Ein Befreiungsprediger nimmt eine Art Exorzismus vor, doch die Sache geht schief. Offenbar beschwört er damit aus Versehen einen Dämonen, der die beiden Teenager fortan heimsucht. Doch er sieht nicht aus wie ein Monster, sondern begegnet den beiden Jungs jeweils als Erscheinung, die aussieht und vorgibt, der jeweils andere zu sein. Natürlich mit nichts Gutem im Sinn.

Biblischer Titel

Der Titel bezieht sich auf das gleichnamige biblische Buch Levitikus, das Dritte Buch Mose also. Dort heißt es an zwei einschlägigen Stellen laut Luther: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“ (Levitikus 18, 22). Und: „Wenn jemand bei einem Manne schläft wie bei einer Frau, so haben sie beide getan, was ein Gräuel ist, und sollen des Todes sterben; ihre Blutschuld komme über sie.“ (Levitikus 20, 13). Aus unter anderem diesen beiden Stellen schließen manche konservative Kirchen eine Ablehnung von Homosexualität.

Die Rezeption des Films unterscheidet sich derweil je nach Weltanschauung. Während etwa die liberale „New York Times“ darin ein Mahnmal gegen „die psychische Gewalt, die Konversionstherapien auf jene ausüben, die sie behaupten zu heilen“. So interpretiert die Zeitung die Aussage des Films: „Leidenschaft kann nicht einfach abgeschaltet werden. Aber sie kann in etwas Hässliches und Gefährliches verwandelt werden, eine selbstverstümmelnde Mischung aus Freude und Schmerz.“

Anders sieht das die christliche Publikation „Christian Post“. Dort schreibt der Seelsorger Joe Dallas, der selbst Angebote für Jugendliche zum Thema Sexualität und Homosexualität macht: „Wenn die amerikanische Kultur davon überzeugt wird, dass biblische Lehre zu Homosexualität destruktiv ist und dass die, die für sie werben, gestoppt werden müssen, was hält dann diese Kultur davon ab, auch andere biblische Lehren zu untersagen, die sie anstößig findet? Nehmen wir etwa das Evangelium selbst? Nun, das würde doch eine authentische Horrogeschichte werden.“

Kritik: Feind ist die Bibel selbst

Auch den Titel selbst kritisiert der Christ. Obwohl das Buch Levitikus nicht einmal im Film vorkomme oder zitiert werde, sei schon bei dem Namen des Films klar: „Die Monster in dieser Geschichte – ignorante Eltern, seltsame Geistliche, schwulenfeindliche Mobber – wurden von einem ultimativen Feind geboren: der Bibel selbst.“ 

Deutsche Zuschauer müssen noch warten, bis sie sich selbst eine Meinung dazu bilden können. Im deutschsprachigen Raum ist der Film bisher nicht zu sehen. Bereits Ende Januar feierte er seine Premiere auf dem renommierten „Sundance Film Festival“.

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