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Lebensgefährliche Weihnachten

Nach seiner Geburt fand Jesus in Ägypten Unterschlupf. Wenn Christen dort heute Weihnachten feiern, ist dies für sie mit großen Gefahren verbunden. Warum sie in Ägypten um ihr Leben fürchten müssen, beleuchtet ein Beitrag im Süddeutsche Zeitung Magazin.
Von PRO
Die christlichen Kirchen in Ägypten haben es schwer. Ihre Lage hat das Süddeutsche Magazin in seiner aktuellen Ausgabe beschrieben
Die christlichen Kirchen in Ägypten haben es schwer. Ihre Lage hat das Süddeutsche Magazin in seiner aktuellen Ausgabe beschrieben

Eine der Christinnen, über die Michael Obert in einem Beitrag im Süddeutsche Magazin schreibt, ist Margo Badia. Sie lebt in einem der größten Stadtteile Kairos. Statt Glockengeläut erschallen hier die Rufe des Muezzin. Sie lebe auf einer „christlichen Insel, mitten in einem muslimischen Meer“, sagt Badia. An Weihnachten versammeln sich in ihrem Haus 20 Familienmitglieder aus drei Generationen. In ihrem Stadtteil geht es relativ friedlich zu.
Alles andere als friedlich war die vergangene Zeit für einen Großteil der übrigen Christen im Land. Sie machen etwa ein Zehntel der ägyptischen Bevölkerung aus. Diktator Hosni Mubarak hatte sie staatlich schikaniert, und religiös motivierte Anschläge waren an der Tagesordnung. Nach dem Sturz des Staatspräsidenten Mursi standen „koptische Kirchenführer an der Seite des militärischen Oberbefehlshabers“. Seitdem beschuldigen Islamisten Kopten, mit der Armee unter einer Decke zu stecken – und lassen sie dies auch spüren.

Brennende Bäume und explodierende Autos

Insgesamt 43 Kirchen wurden nach Angaben von Amnesty International im vergangenen Jahr angezündet. Vor allem in verarmten Regionen gebe es häufig interreligiösen Spannungen. Brennende Bäume, explodierende Autos und geplünderte Kirchen belasten die Christen: „Sie können unsere Kirchen und Klöster zerstören, aber unser Glaube wird dadurch nur noch stärker“, sagt Schwester Fahmy, deren Kirche zerstört wird. Die Bibeln des Gotteshauses sind allesamt verbrannt. Den letzten schweren Anschlag auf Christen gab es im Oktober, als Extremisten wahllos auf eine Hochzeitsgesellschaft schossen. Fünf Christen kamen dabei ums Leben.
Der Hassprediger Hisham al-Ashri forderte, mit allen Mitteln sicherzustellen, „dass die Ägypter sich in ihrem täglichen Leben an die Scharia – das Gesetz Gottes – halten“. Im ägyptischen Fernsehen hatte er gesagt: „So etwas wie eine christliche Religion existiert nicht.“ Aber das Süddeutsche Magazin berichtet auch von positiven Begegnungen beider Religionen. So hätten ausgerechnet die „im Westen verschrieenen Salafisten“ im August die einzige Kirche in Qufada gegen den Mob der Islamisten verteidigt, damit den Christen nichts passiere. Jede Reaktion löse eine Gegenreaktion und damit einen verhängnisvollen Kreislauf aus. Wer das Land erschüttern wolle, müsse nur ein wenig „Öl in das Feuer gießen, um einen Flächenbrand auszulösen“.

Innehalten und sich besinnen

Für die ägyptischen Christen, die Weihnachtsmärkte und Adventskalender gar nicht kennen, ist die Zeit vor Weihnachten eine Fastenzeit und eine Zeit des Innehaltens. Sie müssten sich seit mehr als 1.300 Jahren in einem mehrheitlich muslimischen Land behaupten. Redakteur Michael Obert bilanziert, dass Anhänger beider Religionen gleichermaßen für Gott sterben würden: „Jeder für seinen eigenen“. Wenn Margo Badia in diesem Jahr mit ihrer Familie Weihnachten feiert, dann bewacht der Salafist, Scheich Hamdi, in Oberägypten die einzige Kirche des Dorfes: „Damit es still bleibt in der Heiligen Nacht.“ (pro)

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