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Leben ohne Erinnerung

„Mein unglaubliches Leben mit einem Mann, der sein Gedächtnis verlor und nach 25 Jahren wiederfand“ hört sich zunächst nach der Zusammenfassung eines Films an. Doch es ist der Titel zu der wahren Geschichte von Ute Jäger und ihrem Mann Theo. Eine Rezension von Lydia Ullrich
Von PRO
Ute und Theo Jäger haben zusammengehalten – auch während Theo Jägers Krankheit
Ute und Theo Jäger haben zusammengehalten – auch während Theo Jägers Krankheit
An einem Montag im Mai 1982 hatte Ute Jäger auf einmal das Gefühl, dass ihrem Mann etwas zugestoßen sein könnte. Und genau so war es auch: Nachdem Ute an diesem Morgen zur Arbeit gefahren war, erlitt Theo Jäger eine Gehirnblutung und fiel ins Koma. Er war damals noch jung, gerade einmal 25 Jahren alt. Im Krankenhaus machten die Ärzte Ute keine große Hoffnung. „Nur einer von 10.000 überlebt überhaupt eine derart massive Gehirnblutung“, sagte ihr ein Arzt. Doch Ute Jäger war sich sicher: Mein Mann wird dieser eine sein! Diese Zuversicht wurde bestärkt, als Ute Jäger bei einer abendlichen Andacht das Gefühl hatte, Gottes Stimme wahrzunehmen. „Er wird gesund werden – und er wird ganz gesund werden, und sie werden sagen: ‚Die Ärzte waren es‘, aber vergiss nie, dass ich es war!“ Daran hielt sie in den kommenden 25 Jahren fest. Theo Jäger sagt heute, er habe im Koma gespürt, dass ihn jemand zurück ins Leben ziehen wollte. Diesem Impuls ging er nach und wachte wieder auf, fand sich aber in einer für ihn vollkommen neuen Welt wieder. Er musste nicht nur wieder alltägliche Dinge wie lesen, schreiben und rechnen lernen, sondern besaß kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Theo Jäger wusste weder, wer er selbst war, noch, wer all die Menschen waren, die ihn in der Klinik behandelten. Seine Frau erkannte er ebenfalls nicht mehr wieder, spürte aber, dass sie zu ihm gehören musste.

Gottvertrauen in schweren Situationen

„Mein unglaubliches Leben …“ erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten an die vollständige Heilung ihres Mannes glaubt. Nach einigen Wochen begann Ute Jäger daher, Theo über das Wochenende aus der Rehaklinik mit nach Hause zu nehmen, um Zeit als Familie in der eigenen Wohnung verbringen zu können. Dies setzte ihn zwar unter Stress, förderte aber auch sein Erinnerungsvermögen. Nach Theo Jägers Entlassung wurde er zum Hausmann. Er versorgte die gemeinsame Tochter und kümmerte sich um die Wohnung. Mangels Kurzzeitgedächtnis entstanden sowohl gefährliche, als auch witzige Geschichten. So vergaß er immer wieder, dass er das Mittagessen auf dem Herd stehen gelassen hatte. Oder er wusste nicht mehr, ob das Nudelwasser schon gesalzen wurde. Genauso überraschte er Ute eines Tages mit einem knallpinken Zimmer für ihre Tochter, da er sich nicht mehr an die abgesprochene Farbe erinnern konnte – und auf den Farbwunsch seiner Tochter eingegangen war. Es ist erstaunlich, wie Theo Jäger sein Leben ohne intaktes Kurzzeitgedächtnis meistert und später auch wieder arbeiten gehen kann. Nach der Geburt der dritten Tochter wurde er sogar für einige Jahre zum Alleinversorger. Ute Jäger stand in all der Zeit zu ihrem Mann und gab nicht auf, für ihn zu beten. So plötzlich, wie Theo Jäger sein Kurzzeitgedächtnis verlor, kam es auch wieder zurück. Das geschah ausgerechnet bei einem Einkauf in einer Ikea-Fiale, einem Ort, der für ihn bis dahin eine absolute Reizüberflutung dargestellt hatte. Nun konnte er sich wieder an das erinnern, was vor Kurzem geschehen war. Von da an begann Theo sogar, Ute an Dinge zu erinnern, und nicht umgekehrt. Das Buch wurde zusammen mit der Journalistin Bettina Klee geschrieben. Sie moderiert die Erzählungen von Ute und Theo Jäger, die auch selbst immer wieder zu Wort kommen. Ihre Erzählungen zeugen vom Auf und Ab ihrer Ehe. „Mein unglaubliches Leben…“ ist in der Tat eine unglaubliche und lesenswerte Geschichte. Sie zeigt, wie schnell sich das Leben von einem Moment zum nächsten verändern kann. Sie gibt aber auch Hoffnung und Mut, dass es in schweren Zeiten Lichtblicke geben kann. (pro) Ute Jäger, Bettina Klee: „Mein unglaubliches Leben mit einem Mann, der sein Gedächtnis verlor und nach 25 Jahren wiederfand.“, adeo, 216 Seiten, 8 Seiten Bildteil, 17,99 Euro, ISBN 9783863340407
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/wider-naive-toleranz-91289/
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