Ist Donald Trump ein seniler, machthungriger Mann, der gerade dabei ist, die demokratischen Grundfesten der USA niederzureißen? Oder ein Werkzeug Gottes, das mit gefährlichen „woken“ Ideologien aufräumt und endlich wieder Gottes Willen in der Politik der USA durchsetzt? Wie sehr vertritt er christliche Werte, woran glaubt er selbst, und: Sollten Christen ihn unterstützen oder bekämpfen? Selten kristallisiert sich eine Möglichkeit, diese Fragen zu beantworten so gut heraus wie bei einer der ureigensten Einrichtungen des christlichen Establishments in den USA, dem „Nationalen Gebetsfrühstück“.
Das Treffen, bei dem Reden gehalten aber auch für namhafte Politiker gebetet wird, findet seit 1953 in einem Washingtoner Hotel statt. Anwesend sind religiöse – vornehmlich christliche – Führer der USA, aber auch aus vielen anderen Ländern der Welt sowie Politiker. Jeder amerikanische Präsident seit Dwight D. Eisenhower hat an dieser jährlichen Veranstaltung teilgenommen.
Bekanntermaßen spaltet kaum ein US-Präsident in der Geschichte die Meinungen, auch unter Christen, wie der derzeitige 47. Präsident, Donald Trump. Etwa 80 Prozent der weißen evangelikalen Wähler gaben ihm für seine Präsidentschaft ihre Stimme, und immer noch ist sein Rückhalt unter Christen groß. Was also hatte Trump als Hauptredner zu sagen, als er am Donnerstag vors Rednerpult trat und zu den größtenteils christlichen Hörern sprach? Manches erschien eher undurchdringlich, und anstatt selbst Interpretationen zu bemühen, erscheint es sinnvoller, Trumps Worte abschnittsweise selbst zu zitieren.
Wie erwartet, glich Trumps 75 Minuten lange Rede überwiegend einer Wahlkampfrede. Inhaltlich wich er in den ersten zwei Dritteln kaum ab von dem, was er schon oft im politischen Kontext gesagt hat. Hier jedoch bemühte er sich, alles für ein speziell christliches Publikum einzufärben. Sich selbst und seine historisch guten Leistungen stellte in den Vordergrund. Erst gegen Schluss ging er auf konkrete christliche Inhalte ein.
250 Jahre USA: Trennung oder Vereinigung von Religion und Staat?
Die Rede Trumps kann man in zweierlei Hinsicht als historisch betrachten. Erstens wird sich gegen Ende dieses zweiten Jahres seiner Amtszeit herausstellen, ob die Angst seiner Kritiker wahr wird und er an einem undemokratischen Überwachungsstaat arbeitet. Oder ob er die USA in eine glückliche Zukunft führt. Denn wenn im November die Midterm Elections anstehen, könnte es spannend werden: Schon jetzt gibt es Befürchtungen, dass Trumps Regierung keine freien Wahlen mehr zulassen wird. Trump selbst hat in den vergangenen Wochen diese Sorge befeuert. So schlug er am Montag vor, dass republikanische Staatsbeamte die Wahlen in 15 Bundesstaaten „übernehmen“ und „nationalisieren“ sollten, um die Partei vor einer Abwahl zu schützen. Es geht also um sehr viel im Jahr 2026.
Außerdem feiern die USA in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. Die Gründerväter waren zu großen Teilen vom christlichen Glauben geprägt, aber auch von den schlechten Erfahrungen, die sie in Europa mit einer engen Verbindung von Kirche und Staat gemacht hatten. Ihr Glaube, der von der Staatskirche abwich, brachte Baptisten und die Puritanischen Glaubensflüchtlinge in Bedrängnis, sie wurden in vielen Ländern verfolgt oder unterdrückt. Das neue große Land im Westen, „Neu-England“, sollte vor allem eines ermöglichen: die freie Ausübung ihres Glaubens. Glaube und Staat – so lautet eine der wichtigsten Punkte der Verfassung – sollten getrennt voneinander sein.
Unter Trump, so bemängeln Kritiker, soll es vielmehr um eine Vereinheitlichung von Staat und Religion gehen. Auch deswegen, im 250. Jahr nachdem am 4. Juli 1776 die 13 britischen Kolonien ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklärten, ist Trumps Rede von größerer Bedeutung.
Der Größte aller Zeiten
Bevor Trump selbst sprach, betonte die ehemalige Fernsehpredigerin Paula White, die Trump im Februar 2025 zu seiner spirituelle Beraterin und zur Leiterin des „Glaubensbüros“ in Washington machte, wie Gott Trump gebrauche. White vertritt ein Wohlstandsevangelium sowie einen christlichen Nationalismus und ist eine große Unterstützerin Trumps. Eine Untersuchung legte offen, dass White und ihr Ex-Mann erhebliche finanzielle Summen über ihre Kirche eingenommen hatten – zwischen 2004 und 2006 allein waren es offenbar rund 150 Millionen Dollar.
White berichtete beim Gebetsfrühstück von einer Freundin, die sich für Mädchen auf der Straße einsetze, die drogenabhängig wurden oder sich prostituieren. „Ohne zu zögern“ habe Trump damals einen Scheck ausgestellt und gesagt: „Das ist wahrer Dienst.“ Die Bibel sage, „dass wir uns um die Witwen und Waisen kümmern sollen und die Armen verteidigen“, so die Pastorin. Der Präsident lebe diese Vorgaben, „durch Taten und nicht nur durch Worte“. Und: „Kein Präsident in der modernen Geschichte oder vielleicht sogar in der gesamten Geschichte“ habe mehr für die Religion getan, so White.
Die Worte Whites haben eine besondere Brisanz in einer Zeit, in der Donald Trump wieder verstärkt in die Kritik geraten ist wegen seiner jahrzehntelangen engen Freundschaft zu Jeffrey Epstein, der nachweislich einen weltweiten Sex-Händlerring führte. In den veröffentlichten Akten findet sich tausendfach Trumps Name. Es gibt schwere Vorwürfe von Opfern, etwa dass Trump bei illegalen Abtreibungen von Mädchen dabei gewesen sei. Mädchen, die behaupten, von Epstein an Kunden für sexuelle Handlungen verkauft worden zu sein, waren zu dem Zeitpunkt teilweise erst 13 Jahre alt. Es ist von Drohungen die Rede, dass Mädchen ermordet und auf einem Golfplatz verscharrt werden sollten, wenn sie nicht tun, was sie sollten.
Die Klagen wurden nie weiterverfolgt. Nun wollte das Justizministerium die Akten zunächst nicht freigeben, erst auf Druck eines Gesetzes, das der Kongress mit deutlicher Mehrheit beschloss, wurde das FBI gezwungen, die Akten zugänglich zu machen. Allerdings ist bis jetzt nur etwa die Hälfte von den sechs Millionen Seiten vom FBI freigegeben, und die zu einem großen Teil geschwärzt. Trump erklärte den Fall für offiziell geschlossen.
Die Trump-Regierung steht derzeit außerdem massiv in der Kritik, durch die Einwanderungsbehörde ICE Familien auseinanderzureißen, sie seit Jahrzehnten in den USA leben und arbeiten. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt, Personen, die im Verdacht standen, illegal in den USA zu leben, wurden ohne Gerichtsprozess abgeschoben und in Gefängnisse im Ausland gebracht. Besondere Aufmerksamkeit erregte, dass ICE-Beamte in den vergangenen Wochen Menschen töteten, ohne dass sie von ihren Opfern ernstlich bedroht worden waren.
Widerspruch gab es beim Gebetsfrühstück gegenüber White keinen, sie erhielt in ihrer Rede immer wieder Applaus. Die Pastorin zeigte sich überzeugt: „Trump bringt uns Frieden durch große Stärke.“ Der ließ im Januar Venezuela militärisch angreifen und den Präsidenten Nicolás Maduro entführen. Trump drohte immer wieder damit, Kanada als neuen US-Bundesstaat zu übernehmen und kündigte mehrfach an, sich Grönland zu „nehmen“, weil er es „brauche“, wenn nötig auch militärisch. White indes feierte ihren Präsidenten als GOAT – als „Greatest of All Time“, den Größte aller Zeiten.
„Ich sage Dinge, die niemand glauben mag“
Trump begann seine Rede mit der Versicherung, bislang „jedes Mal“ beim National Prayer Breakfast gewesen zu sein, fügte aber dann hinzu: „Manchmal will ich es schließen. Aber dazu habe ich nicht den Mut.“ Weiter: „Ich habe in der Welt gegen Menschen gekämpft, die uns nicht mögen; ich beende Kriege und sage Dinge, die niemand glauben mag.“ Wie häufig bei seinen Auftritten griff er die Journalisten an, die auch hier anwesend seien. Diese Journalisten berichteten von dem National Prayer Breakfast und übertrugen Trumps Rede. Dennoch bezeichnete der Präsident sie als „Fake News“.
Trump machte sich lustig darüber, dass viele Menschen (laut Trump: 60.000) behaupten, er käme nicht in den Himmel. „Aber ich tue so viele gute Dinge. Besonders für Religion.“ Später versicherte er: „Kein US-Präsident hat bisher viel für die Religion getan.“ Es folgte Applaus. Trump spekulierte vor den christlichen Leitern mehrmals zur Frage, ob er in den Himmel komme. „Ich denke schon, ich sollte es wahrscheinlich in den Himmel schaffen. Ich bin kein perfekter Kandidat. Aber ich habe zur Hölle nochmal viel getan für gute Menschen.“ Die Zuhörer bedachten dies mit Gelächter.
Dann lästerte Trump über das Konzept „Mehrheiten in der Politik“. „Wir werden eine massive Mehrheit haben“, so Trump, ohne zu konkretisieren, worüber er sprach. Viele Sätze in Trumps Rede erschienen ohne größeren Zusammenhang, jedenfalls fällt es häufig schwer, diesen zu erkennen. „Es gibt zwei Typen“, sagte Trump dann. „Die einen stehen an unserer Seite und glauben an uns. Das sind etwa 95 Prozent. Und dann gibt es Typen, die ständig etwas Liebe brauchen – wie auch immer. In Sachen Religion oder Republikanismus. Sie machen es etwas schwierig. Aber ich muss immer um 3 Uhr morgens mit ihnen telefonieren.“
Vor dem überwiegend christlichen Publikum machte sich der Präsident des Weiteren über Politiker lustig, die ihn kritisieren, etwa Thomas Massie, Vertreter des Staates Kentucky im US-Repräsentantenhaus. „Mit dem stimmt was nicht“, so Trump.
Immer wieder „Sleepy Joe“
Vieles an Trumps – meistens spontanen – Einlassungen sind vielfach bekannt, hatte aber zum größten Teil nichts mit Religion zu tun. „Wir haben die größten Steuersenkungen aller Zeiten gemacht“, hieß es da. „Wir haben die besten Kriminalstatistiken seit dem 19. Jahrhundert!“ Joe Biden sei „der schlimmste Präsident“, aber er habe nicht gewusst, dass er Präsident war. „Deswegen nimmt er das nicht persönlich.“ Trump erklärte vor den Geistlichen und christlichen Politikern: „Ich nenne ihn mal ‚schläfriger Joe‘ und manchmal ‚krummer Joe‘. Ich habe eine Umfrage gemacht, welches Wort besser zu ihm passt. Es war ein Unentschieden. Also gebe ich ihm beide Namen.“
Das Wort „Kohle“ sollte, wie bei Trump üblich, immer nur mit den Adjektiven „sauber und schön“ verwendet werden, hob er auch beim Prayer Breakfast hervor. „Windenergie funktioniert nicht“, fügte er hinzu. Die Länder in Europa seien dumm und sehr bald bankrott. Trump nutzte zudem die Möglichkeit, den kürzlich veröffentlichten Kinofilm über seine Frau Melania zu empfehlen. Die Olympischen Spiele habe er in die USA geholt, so Trump, während Obama dagegen gewesen sei. Zu Dänemark sagte er mit Anspielung auf Grönland: „Das Land hat das größte Stück Eis der Welt. Aber sie wollen nicht verhandeln. Sie haben für immer Wasser.“
„Die Demokraten sind gegen Religion“
Beim Thema Religion konzentrierte sich Trump darauf, die Leistungen der eigenen Regierung als die besten zu bezeichnen, die jemals in den USA erreicht wurden, die seiner Vorgänger-Regierungen hingegen als die schlechtesten. Die Demokraten seien gegen Religion, lautet Trumps Fazit. „Ich kann nicht verstehen, wie ein gläubiger Mensch Demokrat sein kann.“ (Es folgte Gelächter.) „Einige sind hier. Verstehe ich nicht. Sie geben uns ihre Stimme nicht“, so Trump.
Der Präsident, der am Montag vorschlug, die Wahlen müssten „verstaatlicht“ werden, und jeder Wähler müsste eine verpflichtende „Voter ID“ bekommen, sagte beim Gebetsfrühstück: „Die Demokraten wollen die Wähler-ID nicht. Eine Mehrheit von 97 Prozent ist dafür. Die Wähler sind zu 82 Prozent dafür. Über 90 Prozent sind für eine Wähler-ID.“
Pete Hegseth, den ehemaligen Fox-Fernsehkommentator, den Trump zum „Kriegsminister“ (Secretary of War) ernannte, und der in der Vergangenheit öffentlich Fotos von seinem Oberkörper präsentierte, auf denen die Zeichen der mittelalterlichen Kreuzfahrer tätowiert sind, war ebenfalls beim Gebetsfrühstück anwesend. Trump betonte, früher seien auf dem Posten des Verteidigungsministers „schwächliche und unmännliche Personen“ gewesen. Nun sei mit Hegseth „eine starke Person“ im Amt, „die gut sehen kann und mit einem Gewehr schießen kann“. Trump weiter: „Wir haben eine Armee, in der alle aussehen wie Tom Cruise, nur größer.“
Dann schweifte der Präsident plötzlich ab: „Ich muss das Ding haben. Es war nicht einfach. Sie haben die zweite Wahl gestohlen. Ich muss sie gewinnen. Ich brauchte das für mein Ego. Wirklich, ich habe ein riesiges Ego! Diese Verrückten zu schlagen, war unglaublich toll.“ Weiter: „Wir hatten eine großartige erste Amtszeit. Wir hatten die beste Wirtschaft in der Geschichte. Aber dies wird alles wegblasen. Es kommen 18 Billionen Dollar in unser Land. Die blasen alles weg.“ In Sachen Wirtschaft betonte Trump: „Wir haben 68 Prozent des Öls auf der Welt. Ich weiß, dass das Menschen einer großartigen Religion nicht so viel sagt. Aber das hält unser Land stark. Wir machen das gut.“
„Bin nicht der böseste Mensch“
Nach langen Ausführungen über eine persönliche Begegnung mit einem Mann, dessen Namen er lustig fand, sagte Trump dann plötzlich: „In Nigeria töten sie Christen, wussten Sie das? Das können sie nicht tun.“ Trump fügte hinzu: „Wenn Christen angegriffen werden, wissen sie, dass sie brutal und bösartig von Präsident Trump angegriffen werden. Das ist nicht schön zu sagen, aber es ist so.“
Einer seiner „Lieblingsmenschen“ sei der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele. Das Land sei ein „großartiger Alliierter der USA, weil es „sehr große Gefängnisse“ bereitstelle. „Die sind so groß, dass man von einem Ende nicht das andere sehen kann, außer man hat ein 22er Fernglas“, so Trump und weiter: „Das hier ist ein religiöses Frühstück. Und man könnte meinen: Das da ist der böseste Mensch, den ich kenne. Aber bin ich nicht. Ich will nur unser Land sicher halten.“
Angesichts des 250. Jubiläums der Gründung der USA sagte Trump: „Eine von den drei Unabhängigkeitserklärungen hängt bei mir im Oval Office. Ich hab sie aus der Mauer genommen, sie ist wunderschön, ich lese darin so oft ich kann. Ein wirklich brillantes Kunstwerk.“ Tatsächlich gibt es nur eine Unabhängigkeitserklärung, und die befindet sich im Nationalarchiv in Washington. Trump ließ eine Kopie davon im Weißen Haus anbringen.
„Wir haben Geist zurückgebracht. Da geht es um Religion. Aber auch um Militär.“
Neben „der größten Steuererleichterung in der Geschichte“ habe Trump „Geist“ zurück ins Land gebracht, sagte der US-Präsident. „Vor zwei Jahren hat niemand unser Land respektiert, sie hielten den Präsidenten für eine Witzfigur, und unser Land für einen Witz. Andere Länder haben über uns gelacht. Und andere Länder haben uns ausgenutzt mit Zöllen. Jetzt machen wir dasselbe mit ihnen.“ Er wiederholte, ohne konkret zu werden: „Wir haben Geist zurück gebracht. Da geht es um Religion. Aber auch um Militär.“
Trump führte aus: „Wir sind eine große Nation. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen. Aber ich habe viel studiert. Man braucht Religion. Die braucht man einfach. Du brauchst Glauben. Du brauchst Gott.“ An die christlichen Leiter im Zuschauerraum gewandt, sagte er: „Eure Kirchen füllen sich immer mehr. Das gab es vor zwei Jahren noch nicht. Die Demokraten haben euch furchtbar behandelt. Allein zu Corona-Zeiten! Die Besucher mussten Abstand voneinander halten. Alle wurden verhaftet. Das waren die! Die waren wie die Gestapo. Sie haben die Menschen verhaftet, weil sie in die Kirche gingen.“ Der Präsident zeigte sich überzeugt: „Das hatte einen großen negativen Einfluss auf die Kirche. Aber die Kirche kommt zurück, stärker als je zuvor. Das gab es nie zuvor.“
Über Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses, sagte Trump: „Er ist ein sehr religiöser Mensch. Und er versteckt es nicht. Manchmal sagt er beim Essen: Sir, wollen wir beten? Ich sagte: ‚Wie bitte? Wir wollen doch nur essen!‘ Aber das ist okay für mich.“ Dann rief Trump laut: „Gott wacht über ihn! Ich weiß nicht, was mich angeht, aber ich bleibe immer in seiner Nähe, weil Gott ihn beschützt.“
In den vergangenen zwölf Monaten habe sich die Zahl junger Amerikaner, die zur Kirche gehen, fast verdoppelt, so Trump. „Darüber ist die radikale Linke gar nicht erfreut. Viele Demokraten sind darüber nicht erfreut.“ Dann macht er einen Witz: „In diesem Jahr sind bestimmt zum letzten Mal Demokraten bei diesem Treffen anwesend!“, um anzufügen: „Aber manche Kirchen haben 30 Prozent, 50 Prozent oder sogar 70 Prozent Konvertierte!“
„Amerika, eine Nation unter Gott“
Trump verkündete, dass es am 17. Mai 2026 ein Gebet an der National Mall zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial ein Gebetstreffen geben werde, an dem Christen aus dem ganzen Land teilnehmen können. „Wir erklären Amerika zur einen Nation unter Gott“, so Trump. (Es folgte langer Applaus.) „Ich dachte, es bräuchte zwei, drei oder vier Jahre, um dahin zu kommen, wo wir sind. Aber wir haben es in zehn Monaten geschafft, oder zwölf. Und jetzt erreichen wir ein Level, das wir vorher nie erreicht haben. Da geht es auch um Religion. Was ich immer sage: Man braucht Religion. Man muss an etwas glauben. Was wir tun, dafür gibt es einen Grund. Wir arbeiten und benehmen uns. Ich benehme mich.“ Mit einem Blick nach oben fügte er hinzu: „Ich will schließlich keinen Ärger bekommen.“
Jetzt gingen die Leute wieder in die Kirche, so Trump, „sprechen miteinander, und es entstehen Familien.“ Er fügte hinzu: „Aber die bösen Menschen müssen raus. Das geht sonst nicht. Es geht nicht, dass Menschen in die Kirche gehen, und dann kommen sie raus und werden sie von Kriminellen ausgenutzt. Sie tun Dinge mit ihnen, die man gar nicht beschreiben kann. Aber das hat nun ein Ende.“
Trump freute sich: „Wir sind den Johnson Amendment losgeworden!“ Der Johnson Amendment ist eine Bestimmung im US-Steuergesetz (in Kraft getreten 1954), die es steuerbefreiten Organisationen, darunter Kirchen und gemeinnützigen Organisationen, verbietet, politische Kandidaten zu unterstützen oder abzulehnen. Er wurde vom damaligen Senator Lyndon B. Johnson eingebracht.
Laut Trump schränkt er die Meinungsfreiheit von religiösen und gemeinnützigen Führungskräften ein. Befürworter argumentieren, er schütze die Trennung von Kirche und Staat und halte parteipolitische Interessen von steuerbefreiten Spenden fern. Die Aussage Trumps, dass der Amendment abgeschafft wurde, stimmt indes nicht. „Endlich können Pastoren wieder die Wahrheit sagen!“, so Trump und weiter: „Man kann wieder sagen, was man will. Außer wenn man etwas Schlechtes über Trump sagt, dann überlege ich es mir noch einmal, und ich schaue mir Ihre Steuerfestsetzung sofort genau an.“
Dann zitierte Trump einen Mann namens Robert Jeffers, der im Wahlkampf während der ersten Präsidentschaft gesagt habe: „Trump kennt sich nicht so gut mit der Bibel aus wie die anderen. Er hat vielleicht nie darin gelesen. Aber er wird ein stärkerer Botschafter für uns sein. Er wird Dinge tun, die sonst niemand anderes tun kann.“
Gegen „Transgender-Wahnsinn“ und „Verstümmelung von Kindern“
Erst im letzten Drittel seiner Rede trug Trump einige politische Errungenschaften vor, die besonders für ein religiöses Publikum interessant sind. „Ich freue mich, heute mitteilen zu können, dass das Bildungsministerium eine neue Richtlinie veröffentlichen wird zum Schutz des Rechts auf Gebet in öffentlichen Schulen.“ Tatsächlich veröffentlichte das Ministerium am selben Tag einen entsprechenden Leitfaden. Im März 2025 hat Trump allerdings auch ein Dekret zur Auflösung des Bildungsministeriums unterzeichnet. Das Ziel: „Wir wollen unsere Schüler wieder in die Hände der Staaten geben, wo Bildung hingehört.“ Während bisher die einzelnen Bundesstaaten und die Kommunen die Lehrpläne festlegten, liegt dies nun in der Hand der Regierung in Washington.
Seine Regierung sei der „Genfer Konsenserklärung zur Bestätigung des Rechts souveräner Nationen, das Leben zu schützen, die Familie zu verteidigen und Gott treu zu sein“ beigetreten, so Trump. Er meinte offenbar die „Genfer Konsenserklärung zur Förderung der Frauengesundheit und zur Stärkung der Familie“. Sie soll ein Gegengewicht gegen die Forderung nach einer Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bilden. Er habe zudem eine Exekutivanordnung unterzeichnet, „um die öffentliche Finanzierung jeder öffentlichen Schule zu kürzen, die den Transgender-Wahnsinn fördert“, so Trump. Er fügte hinzu: „Ich habe die Verstümmelung von Kindern beendet. Und, sehr wichtig: Wir haben Männer aus dem Frauensport geholt.“
Außerdem habe er eine offizielle Task Force des Justizministeriums eingerichtet, „um antichristliche Vorurteile auszumerzen“. Der Präsident führte aus: „Viele reden über andere Religionen, aber es gibt viele antichristliche Vorurteile.“ Dank seiner Politik seien christliche Führer wieder geachtet in der Welt. „Ihnen ging es vorher ganz schlecht. Manche hielten in den vergangenen vier Jahren tapfer durch.“
Nicht den Einsatz von ICE bezeichnete Trump als „brutal“, sondern die Demonstration in einer Kirche in Minnesota gegen ICE-Agenten. Nach dem Tod des Krankenpflegers Alex Pretti hatten sich in Minneapolis Tausende Menschen versammelt; Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Gruppen und Religionsgemeinschaften riefen teils zu Arbeitsniederlegungen und Schulboykotten auf. Der Gottesdienst einer Kirchengemeinde in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota wurde jäh unterbrochen. Eine Gruppe von etwa 40 Demonstranten stürmte die Veranstaltung der Cities Church und störte den Ablauf mit lauten Rufen. Die Aktion richtete sich gegen David Easterwood, einen der Pfarrer der Gemeinde. Laut den Demonstranten hat er neben seiner Arbeit für die Kirche einen hochrangigen Posten bei der Einwanderungspolizei ICE. Trump: „Wir erlauben nicht, dass nun jeder Angst haben muss, eine Kirche zu besuchen.“
Trump sprach eine Frau an, die angeblich in der Zuhörerschaft saß: „Miriam Ibrahim ist eine Christin aus dem Sudan. Ich arbeite daran, den Krieg dort zu beenden. Das wäre dann Krieg Nummer neun.“ Ibrahim habe ihren christlichen Glauben widerrufen sollen, so Trump, doch sie widerstand. Christen hätten für Ibrahims Freilassung gebetet, führte der Präsident aus. „Das tat ich dann. Ich befreite sie. Das war für mich nur ein Telefonanruf.“
Außerdem habe er seinen Verteidigungsminister angewiesen, die Truppen der islamischen Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in Nigeria zu bombardieren, dafür, dass sie Christen töten. Der Befehl sei bewusst am Weihnachtstag ausgeführt worden, betonte Trump. „Wir schlugen sie so hart, sie wussten gar nicht, wie ihnen geschieht.“ Er fügte an: „Wir haben das Wort Weihnachten zurück nach Nigeria gebracht.“ Das sei vorher verboten gewesen. „Die Bibel sagt: Selig sind die, die Frieden stiften. Das stimmt. Friedensstifter sind sehr wichtig.“
Der Präsident ergänzte: „Frieden kann man nur durch Stärke haben. Und wir haben Stärke.“ Er ergänzte: „Ich habe acht Kriege beendet. In Kambodscha und Thailand, im Kosovo und Serbien, Pakistan und Indien, Israel und Iran, Armenien und Aserbaidschan.“ Hinzu komme der 30-jährige Konflikt in der Republik Kongo und Ruanda, den er beendet habe. Zum Schluss zitierte Trump aus der Bibel: „Gesegnet sind die, die reinen Herzens sind. Ich weiß nicht, ob das unbedingt auf mich zutrifft. Ich bin da nicht sicher. Ich versuche es.“