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Kuppelshow mit Theologe entwertet Ehe

In der Sat.1-Sendung „Hochzeit auf den ersten Blick“ werden Fremde miteinander verheiratet. Zum Team der Kuppler gehört der freikirchliche Theologe Martin Dreyer. Eine christliche Wertschätzung der Ehe vermittelt er in der ersten Folge leider nicht. Eine TV-Kritik von Moritz Breckner
Von PRO
Martin Dreyer (rechts hinten) am Planungsboard, das in einem leeren Hörsaal in Szene gesetzt wurde
Martin Dreyer (rechts hinten) am Planungsboard, das in einem leeren Hörsaal in Szene gesetzt wurde
Die Show sei ein „weltweiter Erfolg“ und ein „nie dagewesenes soziales Experiment“, tönt die Off-Stimme zu Beginn der ersten Folge von „Hochzeit auf den ersten Blick“ am Sonntag in Sat.1. Das Prinzip: Ein Team aus vier „Experten“ wählt aus einem Pool von Bewerbern Kandidaten, die zueinander passen können. Diese lernen sich dann auf dem Standesamt kennen, heiraten rechtskräftig und werden in den nächsten Wochen mit der Kamera begleitet. Zum Team der „Matchmakers“ gehört eine Psychotherapeutin, eine Psychologin und ein „Wohnexperte“, der anhand von Vorhangfarben prüft, ob die Paare auch zusammenpassen. Und Martin Dreyer, jener aus der „Jesus Freaks“-Bewegung stammende freikirchliche Theologe, der bekannt wurde durch die von ihm herausgegebene „Volxbibel“, eine Bibelübertragung in Jugendsprache. Dreyer steht mit den anderen Kupplern am schwarzen Brett, an dem Fotos der Kandidaten angebracht sind, und diskutiert. Passen Jana und Rico zusammen? „Mir gefällt das ganz besonders gut, dass die beiden evangelische Christen sind“, sagt Dreyer. „Dass der Glaube für beide eine Basis darstellt, die wichtig ist. Und wenn es dann mal ein Problem gibt, kann es doch immer sein, dass man da auf dieser Basis wieder zusammenfindet.“ Eine ausführliche Befragung der Kandidaten hat allerdings laut Off-Stimme und Erklärgrafik ergeben: „Treue bewertet Jana recht niedrig, Rico durchschnittlich.“ Man darf gespannt sein. Der Entscheidungsprozess der Experten beinhaltet „intensive psychotherapeuthische Gespräche“ und „psychologische Tests“, die dafür sorgen sollen, dass die Kandidaten stabile Persönlichkeiten sind. Ein DNA-Test soll feststellen, ob das Paar „einander riechen“ kann, ein Wohnungsbesuch Klarheit über die seelischen Bedürfnisse der Kandidaten geben. Grüne Sofakissen, weiß der „Wohnexperte“, bedeuten den Wunsch nach einem Neuanfang. Pferdefotos und ein Hund haben was mit der Vaterbeziehung zu tun.

Keine Freakshow, dennoch sind die Kandidaten Spielball

Die Teilnehmer bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ haben nichts gemein mit den Freaks aus „Schwiegertochter gesucht“ oder den affektierten Starlets beim „Bachelor“. Zwei der Protagonisten der ersten Folge, Bea und Tim, sind echte Typen, wie sie jeder Zuschauer im Freundeskreis haben könnte: sympathisch, authentisch und einfach ganz normal. Die ehrliche Freude der beiden auf der Hochzeit kommt rüber und steckt an. Ein Lichtblick in der düsteren Welt der Kuppelshows, doch schon die Vorschau auf Folge Zwei offenbart: Bereits in den Flitterwochen wird die Scheidung erwogen. Das Bloßstellen der Figuren durch Musik und alberne Off-Texte findet nicht statt. Dennoch sind sie natürlich Spielball der Dramaturgie. „Es ist uns ein Anliegen, dass wir die Menschen im Blick haben, sie schützen, auch vor sich selbst“, sagt Dreyer mit Unschuldsmiene. Immerhin: Die Häme vergleichbarer Kuppelshows findet sich hier nicht, das muss man dem Produktionsteam zugestehen.

Die Ehe: Für Christen eine heilige Institution

Schade ist aber, dass durch die Sendung die Ehe entwertet wird. Die Bewerber sprechen davon, dass sie schon immer von ihrer Hochzeit geträumt haben, dass sie sich Treue wünschen, wie sie unter der Trennung der Eltern gelitten haben. „Eigentlich ist mir die Ehe heilig“, sagt eine Kandidatin während der Castings. Alle Beteiligten merken also, welche gesellschaftliche und ideelle Bedeutung das Ja-Wort hat. Dass gerade ein Theologe aus dem evangelikalen Lager bei dieser Sendung mitmacht, verwundert besonders. Für viele Christen ist die Ehe schließlich eine heilige Institution, in der sich die Schöpfungsordnung Gottes zeigt, für andere gar ein Sakrament. Gott benutzt in der Bibel die Hochzeit von Braut und Bräutigam, um Jesu Wiederkunft und seine Verbindung mit der Gemeinde zu illustrieren. Dreyer sieht das im pro-Interview locker: „Mit der Ehe darf man experimentieren“, erklärte er. „Hochzeit auf den ersten Blick“ ist ambitionierter als andere Kuppelshows, kann aber seinen Protagonisten trotz eines „Expertenteams“ kein lebenslanges Liebesglück garantieren. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Kandidaten die Realisierung ihrer Träume erzwingen wollen. Dreyer sagt: „Ich glaube, dass eine arrangierte Ehe wirklich funktionieren kann. Verliebtheit ist etwas, was entsteht, aber das geht auch wieder weg.“ Alle Paare, die an der dänischen Version der Show teilnahmen, sind wieder geschieden. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/mit-der-ehe-experimentieren-90102/
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