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Kulturpreis verliehen – Streit beigelegt

Am Donnerstag ist der Hessische Kulturpreis verliehen worden – auch an Schriftsteller Navid Kermani. Lange sah es so aus, als würde ihm der Preis aberkannt, weil er die Kreuzestheologie öffentlich abgelehnt hatte. Nun entschuldigte sich Ministerpräsident Roland Koch dafür. Kermani selbst fand harte Worte für den Politiker.

Von PRO

Foto: J.E. Theriot

Es sollte ein Abend im Zeichen des Dialogs der Religionen
werden – tatsächlich bemühten sich die Preisträger des Hessischen Kulturpreises
bei der Verleihung um Schadensbegrenzung. Ausgezeichnet wurden Vertreter der Weltreligionen:
Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der Vizepräsident des Zentralrates der
Juden, Salomon Korn, der ehemalige Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in
Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und der Islamwissenschaftler und Schriftsteller
Navid Kermani. Der Veranstaltung war eine Debatte um Kermani vorausgegangen.
Der hatte die Kreuzestheologie in einem Aufsatz als "Gotteslästerung"
bezeichnet. Kardinal Lehmann und Steinacker lehnten es daraufhin ab, gemeinsam
mit Kermani geehrt zu werden. Der hessische Ministerpräsident und Vorsitzende
des Preiskuratoriums, Roland Koch, erkannte dem Islamwissenschaftler den Preis
daraufhin vorübergehend ab.

Koch entschuldigte sich

Das bedaure er inzwischen, erklärte Koch laut der Zeitung "Frankfurter Rundschau" (FR) bei seiner Ansprache am Donnerstag. "Dafür entschuldige ich mich persönlich und alle, die daran beteiligt waren", sagte er zu Kermani. Lehmann betonte laut der Zeitung "Die Welt" die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs. Dabei dürfe es nicht darum gehen, bei dem anderen nur Mängel und Unvollkommenheit festzustellen oder selbst überheblich zu werden. Der Dialog dürfe zudem auch nicht überfrachtet sein, sonst enttäusche er, sagte Lehmann. Den Streit selbst thematisierte er nicht.

Steinacker erklärte laut FR, bei Kermanis Einlassungen zur christlichen Kreuzestheologie habe er den Respekt gegenüber seiner religiösen Überzeugung vermisst, der die selbstverständlich weiter bestehende und nicht zu kritisierende inhaltliche Ablehnung seines christlichen Glaubens tolerant machen würde. Dennoch sagte er: "Nach dem klärenden, respekt- und verständnisvollen Gespräch von uns vier Preisträgern sind diese Probleme vollkommen ausgeräumt." Korn, Steinacker, Lehmann und Kermani hatten sich Ende August zu einer internen Aussprache getroffen.

Salomon Korn sagte am Donnerstag: "Entweder wir glauben an die Existenz Gottes oder wir glauben an seine Nichtexistenz – beides aber bleibt Glauben und damit linear ausgerichteter Beweisführung menschlichen Denkens, das stets auf Annahmen und Voraussetzungen gründet, unzugänglich. Zu welchen Missverständnissen eine Vermischung beider Ebenen führen kann, hat die Kontroverse um die Verleihung des Kulturpreises 2009 anschaulich gezeigt."

"Das Gefühl, nicht zu diesem Land zu gehören"

Kermani fand zunächst versöhnliche Worte: In multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften dürfe man nicht erwarten, dass es konfliktfrei zugehe. Es komme aber darauf an, diese Konflikte friedlich und konstruktiv zu lösen. Und dies sei "bei aller Schärfe im Ton" gelungen. Er habe aber von seinem "bewusst literarischen" Text nichts zurückzunehmen oder zu entschuldigen. In Richtung des Ministerpräsidenten erklärte er, er sei "froh über die Einladung und schätze die Gelegenheit wert, auf diesem Podium und im persönlichen Gespräch zu erklären, warum Sie wie kein anderer Politiker einer großen Gruppe von Menschen das Gefühl gegeben haben, nicht zu diesem Land zu gehören, Menschen wie mir, deren Eltern nach Deutschland eingewandert, in vielen Fällen geholt worden sind". Anschließend lobte er den Einsatz der katholischen Gemeinde St. Theodor in Köln-Vingst für den interreligiösen Dialog und stiftete der Gemeinde sein Preisgeld von 11.500 Euro. "Mit dieser Geste beschämte Kermani die feine Gesellschaft", schreibt die FR.

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, gratulierte den vier Preisträgern. Laut EKD sei sie glücklich darüber, dass der "unerfreuliche und missliche Eklat um den Preis, der ja eigentlich bereits im Sommer verliehen werden sollte, durch beharrlichen und behutsamen Dialog zwischen den Preisträgern beigelegt und zu einem guten Ende geführt werden konnte." Weiter erklärte sie: "Für mich führt das Kreuz in besonderer Weise zum Kern der Wahrheit über mein Leben und Sterben. Aber ich bin gerade deshalb sehr dafür, dass um Deutung und Sinn des Kreuzes gerungen wird, nicht nur um der Freiheit der Kunst willen, sondern auch, weil es dem christlichen Glauben von Anbeginn aufgegeben ist."(pro)

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