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„Kulturelle Invasion des Feindes“: Christen im Iran

Sie werden als "Glaubensdiebe" verleumdet, bedrängt, verhaftet und sogar ermordet. Trotzdem verstärken Christen im Iran ihre Aktivitäten, berichtet der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan am Donnerstag in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".
Von PRO

Foto: TH. Korr / Wikipedia

Auf den Abfall vom Islam steht im islamischen Strafrecht die Todesstrafe. "Insofern", beginnt Cheheltan seinen Text, "ist das Christentum für Muslime ein verbotenes Thema". Verboten sei im Iran jedoch vieles, und so gebe es "für jede verbotene Angelegenheit geheime Orte". Verbotene Bücher und Alkoholika könne man heimlich erwerben, der Iran habe mittlerweile "Untergrund-Diskos, Untergrund-Musik und sogar Untergrund-Kirchen".

"Welle der Verhaftungen von Christen"

Die zahlreichen Untergrundkirchen hätten jedoch die Aufmerksamkeit der Obrigkeit geweckt. "Seit Weihnachten hat es in der islamischen Republik eine Welle der Verhaftungen von Christen gegeben", schreibt  Cheheltan. "Berichten zufolge sind das Hauptziel dieser Verhaftungen evangelikale Christen, die nach Angabe der Behörden ihre Aktivitäten neuerdings verstärkt haben". In amtlichen Verlautbarungen würden diese als "zionistische Christen" und als "kulturelle Invasion des Feindes" bezeichnet, die von den USA und Großbritannien unterstützt würden.

"Ein iranischer Pastor, der außerhalb des Irans lebt, reagierte auf diese Festnahmen folgendermaßen: ‚Die Menschen suchen uns auf und erklären, dass sie an kirchlichen Zeremonien teilnehmen oder sich sogar taufen lassen wollen, um zum Christentum überzutreten’", berichtet Cheheltan. Iranische Christen würden außerdem berichten, dass sie kein Recht auf den Besitz einer Bibel hätten – das Buch gebe es nirgendwo in dem Land zu kaufen. Einige der verhafteten Christen hätten nach ihrer Freilassung ausgesagt, "dass sie während ihrer Inhaftierung versprechen mussten, an keiner kirchlichen Zeremonie mehr teilzunehmen". Zudem hätten sie sich verpflichten müssen, Muslime nicht mehr in ihre Kirchen hineinzulassen.

Berichte über brutale Morde an Christen

Bereits vor zwei Jahren habe die Verhaftungswelle gegen Christen im Iran begonnen, in den 1990ern habe es ähnliche Vorfälle gegeben: 1994 verschwand der Leiter der Gotteskirche Irans, der auch internationale Proteste organisiert hatte. "Nur wenige Tage später fand man seinen Leichnam; er war erstochen worden", schreibt Cheheltan. Monate später sei ein anderer Pastor im Haus eines Unbekannten erschossen worden, bei der Durchsuchung des Hauses hätten die Beamten in einer Tiefkühltruhe die Leiche eines weiteren Pastors entdeckt, dieser sei zuvor aus einer neunjährigen Haftstrafe entlassen worden.

Hauskirchen haben Konjunktur

"Im Iran haben Hauskirchen Konjunktur", schreibt der iranische Autor, und führt dies auf die "Verwirrung der Jugendlichen" zurück, welche "die Wahrheit des Islams mit der Wahrheit der Herrschenden gleichsetzen und sich deshalb entschließen, anderen Glaubensrichtungen beizutreten". Der F.A.Z.-Gastbeitrag endet mit einem Zitat des koreanischen Pastors Lee, der 19 Jahre für die koreanische Kirche im Iran tätig war: "Ich werde für Iran beten".

Amir Hassan Cheheltan wurde 1956 in Teheran geboren. Er schreibt Essays für verschiedene Zeitungen, sein neuer Roman erscheint im August in deutscher Übersetzung. (pro) 

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