Was Rassismus und Feminismus gemeinsam haben, diskutierten die Teilnehmer auf dem Podium des Kirchentages

Was Rassismus und Feminismus gemeinsam haben, diskutierten die Teilnehmer auf dem Podium des Kirchentages

„Verflechtung von Rassismus und Feminismus“

Werden feministische Positionen von Rechtspopulisten missbraucht um gegen Migranten zu hetzten? Diese Frage wurde in einer Podiumsrunde auf dem Kirchentag in Dortmund debattiert. Weiterhin wurde vor der AfD gewarnt.

Rechtsextreme und rechtspopulistische Kräfte würden feministische Positionen gegen Migranten instrumentalisieren. Das ging aus einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Geschlecht Macht Politik“ auf dem Kirchentag in Dortmund hervor. Besonders seit der Silvesternacht 2015/2016 und den Vorfällen in Köln sei dieses Phänomen zu beobachten, sagte die Erziehungswissenschaftlerin Heike Radvan. Rechtspopulisten hätten kein Interesse an Frauenrechten. Allerdings stelle für sie der Schutz der Frauen ein Thema dar, welches gegen muslimische Migranten genutzt werden könne. So finde eine Verschmelzung von Rassismus und Feminismus statt.

In der Gesprächsrunde warnten die Diskutanten vielfach vor einer „Externalisierung“ von Gewalt. Diese legitimiere rassistische Hetze gegen Migranten und tabuisiere zeitgleich Gewalt von „weißen deutschen Männern“.

Weiterhin entstehe so eine Konstruktion des „Wir gegen die Anderen“, erklärte die Erziehungswissenschaftlerin Astrid Messerschmidt. Diese erlaube es einen „nationalen und unschuldigen Innenraum“ zu schaffen, der den Fremden alle Schuld zuschreibe. Eine Ursache liege auch in der Erinnerungskultur des Nationalsozialismus. Es gebe ein inneres Bedürfnis nach Reinheit und Distanzierung.

Gefahr von „rechten Christen“

Der heute auftretende Kulturrassismus richte sich gegen Muslime und dem Islam. Dadurch werde Religion als ein identitäres Schicksal angesehen, so Messerschmidt. Aus dem christlichen Glauben, der für die „Befreiung unserer Selbst steht“, werde ein reaktionärer Gewinn gezogen.

Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz sprach in dem Kontext von „rechten Christen“. Diese würden Werte vertreten, die über das Konservative hinausgehen. Weiterhin warf Bednarz den „rechten Christen“ vor, nicht differenzieren zu können. Es gebe keine Unterscheidung von Islam und Islamismus. Auch stelle man extreme Genderpositionen als generellen Konsens dar, um gegen jegliche Genderforschung zu hetzten. Andere Meinungen würden als „antibiblisch“ abgetan werden.

Kreuzzugsrhetorik

Erschreckend sei weiterhin die auftauchende Rhetorik, die aus mittelalterlichen Kreuzzügen bekannt sei. Bednarz beobachte die in AfD-Kreisen und bei der Identitären Bewegung. Dort werde versucht aus dem Christentum eine Abendlandreligion zu machen. Dabei setze man sich sogar für Homosexuelle ein, die man ansonsten bekämpfe. Religion werde nationalistisch besetzt, fügte Messerschmidt an. Der Islam werde als Gegenbild zur christlichen Religion aufgebaut.

Trotzdem plädierte Bednarz dafür, auch Rechtspopulisten zum Kirchentag einzuladen. Viele aus einem ursprünglich konservativen Milieu seien „nach rechts gewandert, ohne es zu wissen“. Diese müsse man erreichen, in dem man führende Rechtspopulisten in der Öffentlichkeit zum „schlingern bringe“.

Von: Martin Schlorke

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