Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, versteht das Leben des biblischen Königs David auch als Aufforderung, demütig zu sein

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, versteht das Leben des biblischen Königs David auch als Aufforderung, demütig zu sein

Steeb: David hätte Batseba zur kirchlichen Beratungsstelle geschickt

Würde der biblische König David in der heutigen Zeit leben, hätte er die geschwängerte Batsebas wohl zur kirchlichen Beratungsstelle gebracht – mit weitreichenden Folgen. Das hat der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Hartmut Steeb, am Sonntag in Bad Blankenburg ausgeführt.

Der Versuch des biblischen Königs David, den Ehebruch zu vertuschen, Batsebas Ehemann Uria töten zu lassen und sich dann auch noch als großzügiger Retter der Kriegswitwe aufzuspielen – diese Situation hat der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Hartmut Steeb, am Sonntag im Gottesdienst auf die heutige Zeit übertragen: „David hätte Batseba zu einer kirchlichen Beratungsstelle geschickt, einen Schein ausstellen lassen, und das Kind wäre abgetrieben worden.“

Die Staatskasse hätte es bezahlt, weil Batseba sicher kein eigenes Einkommen hätte. Nach dem Vater werde nicht gefragt. Es wäre „nur“ ein ungeborenes Kind umgekommen. „Aber nicht mal der Besuch der Beratungsstelle wäre nötig gewesen, da Batseba problemlos als Vergewaltigte hätte auftreten können. Dass man dann ein Kind austrägt, das kann doch niemand mit Ernst von einer Frau erwarten“, sagte Steeb sarkastisch.

Gefahren lauern in den Hoch-Phasen des Lebens

Gott habe David reich beschenkt. „Aber die Gefahren lauern in den Hoch-Zeiten unseres Lebens“, sagte Steeb. Er verglich Davids königliches Leben mit dem Streben der jungen Generation nach Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. „Und wenn es mir nicht mehr gut geht, suche ich andere Konstellationen“, merkte Steeb kritisch an. Das reiche soweit, dass Menschen nicht mehr gelten lassen wollten, welche genetischen oder biologischen Grundlagen ihnen mitgeben worden seien. Steeb spielte damit auf Transsexualität bei Menschen an.

Er zitierte das Königsgesetz aus 5. Mose 17, in dem Gott seine Kriterien eines guten Königs definierte. „Hier steht nicht nur etwas von Geboten und Verboten, sondern von der notwendigen inneren Ausrichtung eines Königs an Gottes Wort“, sagte Steeb und empfahl dieses Wort heute regierenden Politikern. David habe sich in vielen Situationen bewährt. Aber auf der Höhe der Macht habe er Gottes Maßstäbe verloren. Er sei nicht mit in den Krieg gezogen, sondern sei er dem Müßiggang anheimgefallen und habe die schöne Batseba begehrt. „Es geht hier nicht um eine Kleinigkeit, wenn ich in eine andere Ehe einbreche“, sagte Steeb. Die Sünde sei auch eine Majestätsbeleidigung gegenüber Gott.

„Menschen gehen vor die Hunde“

Der Generalsekretär der DEA wolle andere Sünden wie Neid, Geiz, Hass oder Betrug nicht kleinreden. Aber die menschlichen Folgen seien doch unterschiedlich: „Gottes Wort sagt uns, dass durch die geschlechtliche Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau ein neues Wesen entsteht, ‚so werden die Beiden ein Fleisch sein'. Und wo solches ‚ein Fleisch' sein zerstört wird, auseinander bricht, geschieden wird, da gehen Menschen vor die Hunde, oft ein ganzes Leben lang und nicht selten noch viel mehr.“

„Wir Christen haben inzwischen gelernt, dass wir uns nicht von der Welt abschotten dürfen“, sagte Steeb. Christen bräuchten keine Angst davor zu haben, dass die Weltlichkeit den eigenen Glauben zerstören könnte. Aber Assimilierung sei auch nicht die Aufgabe der „Jünger Jesu“. „Es ist keine Schande, zu Jesus zu fliehen, wenn die Sünde vor der Tür steht“, sagte Steeb.

„Sünde ist wie eine Lawine“

„Wenn unsere Menschlichkeit nicht in der Göttlichkeit begründet ist, gibt es furchtbare Entgleisungen“, sagte Steeb. Darum bräuchten die Menschen den biblischen Bezug in allen Fragen des Miteinanders. „Sünde ist wie eine Lawine, eine folgt der anderen“, führte er weiter aus. Werde sie nicht aufgehalten oder gesprengt, nehme sie ihren Lauf.

So wie die Gebete bei einer schweren Krankheit im Himmel ankämen, so erreichten auch Schuld und Sünde Gott. David, der die Botschaft des von Gott gesandten Nathan aus der Geschichte des armen und reichen Mannes und dem Schaf, das der reiche Mann schlachtet (2. Samuel 12,1–7a), nicht auf sich bezieht – diese Parabel sieht Steeb in der heutigen Zeit widergespiegelt. „Wir sind mit einem großartigen Gerechtigkeitssinn begabt. Wir wissen, was andere falsch machen“, sagte Steeb. Die Menschen seien aber eigenartig blind und taub, wenn es um sie selbst gehe. Einen Botschafter Gottes wie Nathan, der ihm den Spiegel vorhält, wünschte Steeb jedem Menschen.

Nathan sagt zu David in der Bibel: „So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.“ (2. Samuel 12,13b) Steeb bezeichnete diese Stelle als „Evangelium pur im Alten Testament“, weil hier die Gnade Gottes hell aufleuchte. „David muss nicht sterben für seine Schuld. Wir müssen nicht sterben für unsere Schuld, weil Jesus Christus dort am Kreuz von Golgotha für unsere Schuld gestorben ist“, sagte Steeb. Welches Glück sei es, dass Christen einen solchen Gott hätten, der Sünden vergebe.

Rund 1.700 Teilnehmer bei Konferenz

In der Pressekonferenz am Freitag sagte der Vorsitzende der DEA, Ekkehart Vetter, zum Bad Blankenburger Konferenz-Motto Berufung: „Seine Berufung entdecken und leben, das ist Lebensqualität.“ Berufung sei „nicht einfach nur ein Job, den ich erledige – sondern sie hängt mit meinem ganzen Sein zusammen“, sagte Vetter. Die „Verlinkung“ der biblischen Texte mit dem Leben der Teilnehmer sei weiterhin das Hauptziel der Konferenz.

Rund 1.700 Teilnehmer besuchten in diesem Jahr die Allianzkonferenz in Bad Blankenburg. „Wir haben eine alle Generationen umfassende Konferenz“, sagte DEA-Generalsekretär Steeb unter Verweis auf die Auswertung der vorläufigen Anmeldestatistik. Demnach seien 8 Prozent der Konferenzteilnehmer Kinder bis zehn Jahre, 13 Prozent Jugendliche und junge Erwachsene bis 20 Jahre, 11 Prozent im Alter von 20 bis 30 Jahren, 8 Prozent der Teilnehmer seien in ihren Dreißigern, 9 Prozent in den Vierzigern, 17 Prozent zwischen 50 und 60 Jahren, 13 Prozent zwischen 60 und 70 Jahren sowie 6 Prozent der Teilnehmer zwischen 70 und 80 Jahren. 2 Prozent seien mehr als 80 Jahre alt. Die Teilnehmer kämen aus dem ganzen Bundesgebiet, schwerpunktmäßig aus Sachsen und Thüringen.

Der Vorsitzende des Konferenzausschusses, Michael Höring, betonte, dass deutlich mehr Kinder als in den Jahren zuvor gekommen seien, auch weil es mehr familienbezogene Veranstaltungen gebe. Die Geländelage des unter Denkmalschutz stehenden Allianzhauses am Berg sei nicht ganz einfach. Aber die Allianzkonferenz bleibe für alle Generationen attraktiv. Zukünftig wolle er aber auch die Teilnahme von Familien noch mehr erleichtern.

Vetter ergänzte: „Ich würde mir wünschen, dass wir die Konferenz weiterentwickeln, nicht nur, aber eben mit einem Schwerpunkt im Osten, um Impulse in die Gesellschaft geben zu können. 1.700 Teilnehmer sei keine schlechte Anzahl. „Hier lebt eine Tradition“, sagte Vetter.

Die 124. Bad Blankenburger Allianzkonferenz findet vom 31. Juli bis 4. August unter dem Motto „Hoch und Heilig“ statt. Bibeltexte aus dem Hebräerbrief werden im Mittelpunkt stehen.

Von: Michael Müller

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