Im bibliorama trifft der Besucher Personen der biblischen Erzählungen

Im bibliorama trifft der Besucher Personen der biblischen Erzählungen

David stellt sich als König und Liedermacher vor

David stellt sich als König und Liedermacher vor

Eva verführt Passanten zum Nachdenken über das Wesen des Menschen

Eva verführt Passanten zum Nachdenken über das Wesen des Menschen

Mit König David in die Saiten greifen

Das „bibliorama“ in Stuttgart erweckt biblische Personen zum Leben. Besucher können das Buch der Bücher mittels moderner Technik erleben und kennenlernen, einen Psalm vertonen, mit Luther ins Gespräch kommen oder virtuell in die Rolle der Maria schlüpfen.

In einem Paradiesgarten, dem „hortus evae“, verlockt eine modepüppchenhafte, kokette Eva in einer Videoeinspielung dazu, sich mit dem Wesen des Menschen zu beschäftigen. So beginnt auf der Straße des alten Viertels der Stadt, dem Hospitalviertel, die Ausstellung „bibliorama – das bibelmuseum stuttgart“. Sie konzentriert sich auf rund 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf museal inszenierte Momente im Leben von 14 biblischen Personen. Das Wort „bibliorama“ leitet sich ab vom griechischen Wort „horao“ (‚sehen‘ ) und „biblos“ (Bibel, Buch). „Der Reichtum der Bibel soll dargestellt und begreifbar gemacht werden“, sagt Franziska Stocker-Schwarz, die Direktorin des Museums.

Mit Sara am Lagerfeuer

Drinnen begegnet der Besucher dann zuerst Sara auf einer Installationsfläche. Die Mutter Isaaks erzählt, dass es lohnenswert ist, in einer schwierigen Situation Gott zu vertrauen. „Ich bin nicht mehr jung, und mein Mann auch nicht. Und es stehen große Veränderungen bevor, ich erwarte ein Kind. Das ist fast unglaublich, in meinem Alter. Aber ich bin voller Zuversicht.“ Wer den Text so in der Bibel sucht, bemüht sich vergebens. Die Ich-Texte sind aus verschiedenen Bibelstellen zusammengefasst und in die Alltagssprache übertragen. Hinweise geben Aufschluss, wo die Texte im Original zu finden sind. Bibeln zum Blättern liegen aus.

Am biblischen Lagerfeuer vor dem Zelt, unter einem aufgespannten Sternenhimmel, der an die Verheißung an Abraham erinnert, umrahmt von Berberteppichen, kann der Besucher in die „dicht gewebten Erzählungen“ der biblischen Geschichte eintauchen.

Auf der weiteren Reise durch die Bibel lernt der Besucher neben Jona und Elia sowie Lukas und Paulus insgesamt 14 Personen der Bibel kennen. Jesus selbst ist nicht darunter. Den muss sich der Besucher aus den Hinweisen selbst erschließen. Eine außerbiblische Person hat es ins Museum geschafft: Martin Luther. „Das ist unser evangelischer Akzent“, schmunzelt Museumsdirektorin Stocker-Schwarz. In einer Schreibtischecke bietet eine Bildschirmstation Raum zum Dialog mit dem Reformator.

Einmal König sein

Den Auszug aus Ägypten, die zehn Gebote und Mose trifft der Besucher in einem Spiegelraum. Die Zehn Gebote durchbrechen die Spiegelflächen und der Betrachter erkennt, dass die Gebote Orientierung geben auf der Reise durch das eigene Leben und ein Angebot sind, den Durchblick im Licht der Worte Gottes im Leben zu gewinnen.

Museumsdirektorin Franziska Stocker-Schwarz vor „Davids Harfe“, die durch Anschlagen von Laser-Saiten erklingt

Museumsdirektorin Franziska Stocker-Schwarz vor „Davids Harfe“, die durch Anschlagen von Laser-Saiten erklingt

An der Station eines biblischen Pop-Stars, des Königs David, können Besucher am Touchscreen Psalmen selber vertonen und ihr Werk als MP3-Datei an Freunde schicken, eine Harfe, deren Saiten nicht aus Stahl sind, sondern aus Licht bestehen, zum Klingen bringen, sich auf dem Thron der biblischen Gestalt einmal als König fühlen und sich Davids Psalmen vorlesen lassen. An einer Stele lernt der Besucher Maria, die Mutter Jesu, kennen und kann sich mit der Darstellung von Dominique Ingres „Gekrönte Madonna“ bildhaft verschmelzen. Das Gesicht des Betrachters wird fotografiert und in das Gemälde eingefügt. Erleben, Probieren und spielerisches Entdecken stehen im Vordergrund.

Stuttgart: Stadt der Bibel

Über die Begegnung mit den biblischen Gestalten wird der Besucher erlebnispädagogisch von Adam und Eva bis zum letzten Buch der Bibel durch das Buch der Bücher hindurch geführt. Die Ausstellung kommt dabei mit erstaunlich wenig Textinformation aus, setzt dagegen stark auf Interaktion. Stocker-Schwarz sagt: „Das Museum will seinen Besuchern wesentliche Aussagen zur Geschichte der Bibel und zu Gottes Heilshandeln an den Menschen erlebbar machen.“ Die Installationen und Erlebnispunkte richten sich dabei wie Lichtkegel auf wesentliche Abschnitte biblischer Berichte und deren Akteure. Die Texte in der Ich-Perspektive sind jeweils angereichert durch historische Einordnungen, Bibelworte und Impulse zur Vertiefung und interaktive Elemente.

Das bibliorama tritt die Nachfolge einer Ausstellung der Deutschen Bibelgesellschaft an, die ihren Sitz in Möhringen bei Stuttgart hat. Deren Bibelmuseum musste aus finanziellen Gründen 2009 schließen. „Landessynode und Landeskirche in Württemberg befanden, dass Stuttgart nicht nur die Stadt von Porsche und Daimler sein soll, sondern auch die Stadt der Bibel“, sagt Stocker-Schwarz. Doch ein Museum „mit Bibeln in Vitrinen oder archäologischen Artefakten“ wollte die württembergische Kirche nicht. Für Bibliophile hält die Ausstellung am Ende schließlich doch noch einige alte Bibeln bereit.

Auf einen Blick ...

  • Träger: Das bibliorama ist eine Einrichtung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Kooperation mit der Württembergischen Bibelgesellschaft

  • Leitung: Franziska Stocker-Schwarz

  • Kuratorin: Susanne Claussen

  • Eröffnung: 2015

  • Besucher: bisher rund 37.000

  • Baukosten: ca. 2,3 Mio Euro

  • jährliche Kosten: rund 400.000 Euro

  • Finanzierung: Evangelische Landeskirche in Württemberg

  • Gut: Viele interaktive Elemente, die Interesse wecken. Wechselnde Sonderausstellungen. Hoher künstlerischer und pädagogischer Anspruch.

  • Nicht so gut: Eingeschränkte Öffnungszeiten.

  • www.bibelmuseum-stuttgart.de

Dieser Text ist in der Ausgabe 3/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Von: Norbert Schäfer

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