Hans-Georg von der Marwitz und Monika Grütters haben am Montag in Berlin über Luther diskutiert

Hans-Georg von der Marwitz und Monika Grütters haben am Montag in Berlin über Luther diskutiert

CDU-Politiker: Christlicher Wurzeln bewusst werden

Martin Luther hat für unsere Zeit viel zu bieten: Dieser Ansicht waren die Teilnehmer einer Podiumsrunde am Montagabend in Berlin. Eingeladen hatte der Evangelische Arbeitskreis der CDU. Unter der Überschrift „Luther und die Politik – heute“ diskutierten unter anderem die CDU-Politiker Monika Grütters und Hans-Georg von der Marwitz über christliche Wurzeln und Aufgaben der Kirche.

Wer wäre Martin Luther heute? Gefürchteter Debattenredner oder gern gesehener Gast in Talkshows – und wie viele Follower hätte er wohl bei Facebook? Auf jeden Fall irritiere, provoziere und fordere er noch heute heraus, meint die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters. Luther selbst sei das vermutlich nicht klar gewesen. „Er hat sich wohl nicht im Entferntesten träumen lassen, welche Wirkung seine 95 Thesen weltweit entfalten würden.“ Die Katholikin gab zu: „Wenn man die Entwicklung unserer bürgerlichen Ideale und demokratischen Werte verstehen will, führt am Ende kein Weg vorbei an Martin Luther.“

Die Berliner CDU-Landesvorsitzende schlug auf dem Podium im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus den Bogen zur heutigen Zeit. „Wer hätte gedacht, dass ein Kreuz im Jahr 2017 für derartige Aufregung sorgt?“ fragte Grütters mit Blick auf den Nachbau des Berliner Stadtschlosses, dessen geplantes Kuppelkreuz hitzige Debatten verursacht hatte. Sie betonte, nur eine Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Werte und Wurzeln bewusst sei, könne dem Fremden Raum geben, ohne sich bedroht zu fühlen. Sie werbe deshalb immer wieder dafür, sich der eigenen – und das seien christliche – Wurzeln bewusst zu werden.

So habe sie einst voller Überzeugung auf die Frage nach dem Kreuz in ihrem Büro geantwortet: „Ja, für mich gehört das Kreuz ins Kanzleramt.“ Auch wenn man damit nicht die Mehrheit erreiche, seien viele Menschen doch dankbar, wenn jemand seine Überzeugung begründen könne. Das sei wichtig in Zeiten, in denen neue populistische Strömungen versuchten, christliche Werte für ihre Zwecke regelrecht zu missbrauchen, sagte Grütters und wies darauf hin, dass die Wahlgebiete mit dem niedrigsten AfD-Wähleranteil im katholisch geprägten Münsterland lägen. „Mein Glaube ist zuallererst Privatsache“, stellte die Staatsministerin klar. Aber das Bekenntnis gehöre dazu. Für sie sei der Glaube innerer Halt und Orientierung.

Ihr evangelischer Parteikollege Hans-Georg von der Marwitz berichtete, wie er als Pfarrerssohn mit Luthers Gedanken aufgewachsen sei. „Wer das wirklich verinnerlicht hat, der ist immun gegen viele auch politische Strömungen, die heute über uns hereinbrechen“, so von der Marwitz. „Es ist eine Frage des Fundaments, auf dem man steht und ein Wissensfundus, aus dem man schöpfen kann.“ Der Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Berlin-Brandenburg kritisierte jedoch, dass seine Kirche es in den letzten Jahrzehnten versäumt habe, dieses Wissen kontinuierlich weiterzugeben. Der Konfirmandenunterricht seiner Kinder sei „armselig“ gewesen, beklagte von der Marwitz. In seinem eigenen Leben sei bis heute die Erkenntnis Luthers ein roter Faden, „dass Glauben ein Geschenk ist und mich letztlich frei macht und trägt“.

„Wir müssen seelsorgerlicher werden“, so die Forderung von Pfarrer Bernd Krebs, Beauftragter für das Reformationsjubiläum der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Seelsorge finde im persönlichen Gespräch statt und könne nicht politisch organisiert werden. Kirche von heute und morgen dürfe nicht nur auf das Pfarramt fokussiert werden, betonte Krebs. Nach seiner Ansicht muss in den Kirchen eine Vielfalt von Gaben mobilisiert werden – und zwar nicht als bloße Hilfskräfte für den Pfarrer. Vielmehr sollten alle Kirchenmitglieder eigenständig wirken und das Evangelium nach vorne bringen. „Leute, die helfen, die besuchen, die mit ihrer Seelsorge bei den Menschen sind“, erklärte Krebs. Die Staatskirche habe ein problematisches Erbe, gestand der Pfarrer und verwies auf die Freikirchen. Dort sei es selbstverständlich, dass die Menschen ihre Nachbarn in der Not anschauten. (pro)

Von: Christina Bachmann

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