Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg engagiert sich mit ihrer Gemeinde in Lüdenscheid für Flüchtlinge
Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg engagiert sich mit ihrer Gemeinde in Lüdenscheid für Flüchtlinge

Flüchtlinge: Eine Stadt rückt zusammen

Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg engagiert sich mit ihrer Kirchengemeinde in Lüdenscheid für Flüchtlinge. Auf einem Seminar der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg hat sie zusammen mit ihren ehrenamtlichen Helfern über ihre Arbeit berichtet.

Bis vor einer Woche hatte die Pfarrerin der Kirchengemeinde Oberrahmede, einem Stadtteil von Lüdenscheid, noch ganz andere Sorgen. „Ich fand es erschütternd, all die Berichte über Flüchtlinge in den Nachrichten zu sehen – und selbst so wenig tun zu können“, sagt sie. Und weiter: „Für mich war es geradezu eine Erleichterung, als in der vergangenen Woche 150 Flüchtlinge zu uns vor Ort in einer Notunterkunft, einer leeren Grundschule, einquartiert worden sind. Ohne Vorwarnung.“ Jetzt engagiert sie sich mit ihrer Gemeinde für Notleidende und Flüchtlinge.

Die Stadt Lüdenscheid hat in den vergangenen Wochen auf dem Dickenberg ein Erstversorgungslager eingerichtet. Das Durchgangslager ist in eine leerstehende Schule eingezogen. Seit etwa einer Woche leben dort nun die neu angekommenen Flüchtlinge aus dem Kongo, aus Äthiopien, Mali, den Balkanstaaten, aus dem Iran, Irak, aus kurdischen Gebieten und Russland. Sie bekommen nun auch Hilfe von Monika Deitenbeck-Goseberg und ihrer Gemeinde. „Die Flüchtlinge und ihre Not sind uns ein Herzensanliegen“, sagt sie. Zur Allianz-Konferenz nach Bad Blankenburg hat die Pfarrerin 15 ihrer Gemeindeglieder mitgenommen, von denen sieben auch in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind. Sie berichten über ihre Arbeit und ihre hautnahen Erfahrungen mit den Asylsuchenden. Die Mitarbeiter wissen, wovon sie reden. Eine der ehrenamtlichen Helferinnen stammt von den Philippinen, ein anderer war jahrelang selbst obdachlos und weiß, was es bedeutet, ohne Hab und Gut, Wohnung und Obdach zu leben.

Hilfsbereitschaft auf Hochtouren

Bei subtropischen Temperaturen in der Konferenzhalle aus der Kaiserzeit, ohne Klimatisierung und mit schlechter Akkustik, trauen sich am Donnerstagnachmittag 60 Besucher in das Seminar der engagierten und couragierten Pfarrerin. Das Thema ist eben so heiß wie die Temperatur im Saal. Wenn Deitenbeck-Goseberg mit Leidenschaft über die Arbeit ihrer Gemeinde mit den Flüchtlingen berichtet, steigt das Thermometer noch einmal um ein paar Grad. Seit September des vergangenen Jahres danke sie morgens im Gebet, dass sie in einem eigenen Bett aufwache, mit einer Decke und einem Dach über dem Kopf. Das nächste Gebet gelte dann den Flüchtlingen. „Weil es mir das Herz zerreißt“, sagt die Pfarrerin. Die Stadt Lüdenscheid habe zur Unterstützung die Johanniter angeheuert, die hätten sich wiederum an ihre Kirchengemeinde gewandt und so sei die Gemeinde zur Flüchtlingshilfe gekommen. Auch der Amtsbruder im zweiten Pfarrbezirk, direkt am Dickenberg gelegen, engagiert sich voll für die Flüchtlingshilfe. „Ab dann lief bei uns alles auf Hochtouren. Ich bin dankbar über eine Hilfsbereitschaft der Lüdenscheider Bevölkerung, die einen förmlich erschlägt“, erklärt die Pfarrerin. Die Kirchengemeinde hat eine Sortierungssammelstelle für Kleidung eingerichtet. Beim Sortieren der Kleidung für die Flüchtlinge helfen Nachbarn und Gemeindemitglieder und Menschen aus ganz Lüdenscheid mit.

Von den rund 150 Flüchtlingen sind 47 unter 18 Jahren, darunter auch Kinder und Kleinkinder, schwangere Frauen und Babys. „Es ist noch offen, wer bleiben darf, wer wieder zurück muss. Aber Freitagabend haben wir mit ihnen zusammen gefeiert und getanzt. Die Albaner, die Afrikaner, die Kinder, Frauen – ein buntes Gemisch. Was für eine Freude, trotz allem was die Menschen alles erlebt haben.“ Neben der Versorgung, Essen, Trinken, Kleidung sollen die Menschen „etwas Gutes bekommen“, sagt die Pfarrerin. Dazu gehöre auch, dass sie Zugang zur deutschen Sprache erhalten. „Nicht nur Leute vom Fach helfen den Flüchtlingen, sondern Menschen mit einem heißen Herzen“, sagt sie. Die Gemeinde organisiert Fußballspiele mit den Flüchtlingen, lädt zu Kaffee und Kuchen ein. „Dabei lernen wir zusammen mit den Flüchtlingen Deutsch. Das ist zwar laienhaft, aber es geht.“

Die ganze Stadt rückt zusammen

Monika Deitenbeck-Goseberg hat bei ihrer Arbeit mit den Asylbewerbern und Flüchtlingen bislang noch keine Ablehnung oder gar Anfeindung erlebt. Im Gegenteil: Die Pfarrerin ist erstaunt über die positive Grundstimmung. „Auch die Tageszeitung berichtet nur über positive Echos. Die Lüdenscheider sind so offen mit dem Herzen für die Flüchtlinge“, sagt Deitenbeck-Goseberg. Sie spart auch nicht mit Lob für die Stadtverwaltung: „Die Mitarbeiter der Stadt Lüdenscheid haben freiwillig Überstunden gemacht und die erste Sammelstelle erstmal im Rathaus eingerichtet für eine Woche.“

Die Mitarbeiter der Zeitung hätten sich auch persönlich „enorm ins Zeug geworfen. Das geht soweit, dass Redakteure und Journalisten, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Tageszeitung, sich mit engagieren, Sammlungen durchgeführt haben und von dem Geld Unterrichtsmaterial gekauft haben“, berichtet sie.

Monika Deitenbeck-Goseberg ist Mitglied im Veranstaltungs-Ausschuss der 120. Bad Blankenburger Allianz-Konferenz. Der „Arbeitskreis Migration und Integration“ (AMIN) der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) hat zur praktische Hilfe für die Unterstützung von Flüchtlingen und Asylsuchenden eine Broschüre veröffentlicht. (pro)

Von: nob

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