"Weltweit hungern 850 Millionen Menschen. Dabei gibt es genug Lebensmittel", sagte der Soziologe Alexander Müller
"Weltweit hungern 850 Millionen Menschen. Dabei gibt es genug Lebensmittel", sagte der Soziologe Alexander Müller
"Wir müssen mehr in Innovationen investieren", erklärte Agrarökonom Joachim von Braun
"Wir müssen mehr in Innovationen investieren", erklärte Agrarökonom Joachim von Braun

EKD-Synode: Hunger bis 2025 stoppen

Am Montag beschäftigte sich die EKD-Synode mit ihrem diesjährigen Schwerpunktthema Welternährung. Der Soziologe Alexander Müller betonte die Verantwortung beim Umgang mit Lebensmitteln. Für Agrarökonom Joachim von Braun ist nachhaltige Landwirtschaft die Lösung zur Ernährungssicherung.

Bischof Franz-Josef Overbeck betonte in seinem Grußwort die Verpflichtung der Kirche, Hilfe zu leisten. Zum Reich Gottes gehöre die ganze Existenz des Menschen, auch die Nahrung. Jesus sei ein Beispiel dafür gewesen, dass Glaube und Leben eine Einheit bildeten. Overbeck machte aber auch klar, dass beim sozialen Einsatz der Kirche die biblische Botschaft nicht vernachlässigt werden dürfe. Beides müsse zusammenspielen. „Die Einheit von Hilfe und Verkündigung darf die Kirche bei aller Hilfe nicht vergessen“, sagte er. Es gehe nicht nur allein darum, Nahrungsmittel zu verteilen.

Alexander Müller, Soziologe vom Rat für nachhaltige Entwicklung, forderte ein Umdenken in den Bereichen Landwirtschaft und Klimawandel, um eine wachsende Bevölkerung in der Zukunft ernähren zu können. Weltweit würden pro Jahr etwa 1,3 Billionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, erklärte er. „Wir gehen mit den Lebensmitteln um, als hätten sie keine natürliche Basis, auf der sie produziert werden.“

„Heute schon aktiv handeln“

„Weltweit hungern etwa 850 Millionen Menschen, allein in den Entwicklungsländern sind es 820 Millionen. Dabei gäbe es genug Lebensmittel weltweit“, sagte Müller. Es sei abzusehen, dass die Bevölkerung in den Entwicklungsländern, besonders im städtischen Bereich, zunehmen werde, vor allem in Afrika. Gleichzeitig werde in anderen Teilen der Welt der Trend zum Übergewicht steigen.

Ein Umdenken in der Nahrungsmittelproduktion und eine Umverteilung seien deshalb wichtig für die Ernährungssicherung. Auch der Klimawandel wirke sich negativ aus, weshalb mehr Wert auf die Einschränkung der CO2-Emissionen gelegt werden müsse. Bei der Nahrungsmittelversorung gehe es um die Frage: „Wenn wir heute nicht aktiv handeln, wird morgen dann noch genug da sein?“

Joachim von Braun, Agrarwissenschaftler und Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, widmete sich dem Thema nachhaltiger Landwirtschaft zur Verbesserung der weltweiten Ernährungssituation. Auch er ging besonders auf Afrika ein. Nachhaltige Landwirtschaft sollte das Einkommen steigern, Armut verringern und gute Ernährung ermöglichen.

Land- und Wasserrechte für Kleinbauern

„Gesunde Ernährung ist für die Armen der Welt aber immer teurer geworden“, sagte von Braun. Die Entwicklungsländer bräuchten deshalb vermehrt Zugang zu Saatgut, Dienstleistungen und für sie wichtige Forschungssysteme. Außerdem sollte die Wassereffizienz gesteigert und die Dürre stärker bekämpft werden. „Wir müssen mehr in Innovationen investieren, um Nachhaltigkeit hinzubekommen“, erklärte der Agrarökom. Weiterhin forderte er ein Umdenken hin zu Grüner Gentechnik.

Teilweise gebe es bereits Forschungserfolge: Für die Versorung der Entwicklungsländer seien bereits besonders eisenhaltige Bohnen und vitaminreicher Mais gezüchtet worden. Das Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft und zur Bekämpfung des weltweiten Hungers müsse aber noch verstärkt werden. Dies könne zum Beispiel gelingen, indem Kleinbauern mehr Land- und Wasserrechte eingeräumt würden.

Die berufliche Zukunft vieler Kleinbauern liege trotzdem außerhalb der Landwirtschaft. „Diese Jobs müssen aber im ländlichen Raum geschaffen werden, und nicht in den Slums der Städte“, erklärte von Braun. An die Synode gerichtet sagte er: „Sie sollte von der Politk einfordern, den Hunger bis 2025 zu beenden.“ (pro)

Von: sz

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus