Jesus in ganz unterschiedlichen Facetten: Die Sammlung von Matthias Tränkle zeigt, wie der Gottessohn von Musikern gesehen wurde.

Jesus in ganz unterschiedlichen Facetten: Die Sammlung von Matthias Tränkle zeigt, wie der Gottessohn von Musikern gesehen wurde.

Coverboy Jesus

Guns n’ Roses und Depeche Mode haben es getan. Aktuell macht es der Rapper Kanye West. Sie thematisieren Religion nicht nur in Texten, sondern auch auf den Covern ihrer Werke. Matthias Tränkle aus Essen sammelt Jesus-Darstellungen auf Schallplatten und CDs und möchte sie ausstellen.

Passen Christliches und Pop-Kultur zusammen? Matthias Tränkle findet schon. In einer Ausstellung möchte er zeigen, wie eng Popmusik und Religion miteinander verknüpft sind. „In der populären Musik spielten Glaube, Religion und Spiritualität schon immer eine zentrale Rolle. Bis heute setzen sich Künstler in ihr mit Jesus Christus und dem christlichen Glauben auseinander“, sagt Tränkle. Dies durchziehe den Blues und Jazz der Vierzigerjahre genauso wie die Gospelmusik und aktuelle Punk-, Heavy-Metal- und HipHop-Produktionen.

Sinnkrise nach dem Tod der Mutter

Tränkle ist 1967 in Karlsruhe geboren. Zum Studium ging er nach Essen, wo er heute noch lebt. Er versuchte nach dem Studium, als Journalist Fuß zu fassen. Später arbeitete er für eine PR-Agentur: „Für die Kommunikationsbranche war ich nicht der richtige Typ“, bekennt er. 2012 begann der Freiberufler, einen Dokumentarfilm für den WDR zu produzieren. Gemeinsam mit dem Filmemacher Hendrik Lietmann begleitete er in „More Jesus“ den Prediger Edmund Sackey-Brown. Der wollte in Deutschland eine riesige Pfingstkirche nach amerikanischem Vorbild aufbauen. Für den Beitrag recherchierte Tränkle nach geeigneter Musik. Er stieß auf Popmusik mit christlichen Inhalten. Das Thema ließ ihn seitdem nicht mehr los.

Als seine Mutter jung starb, stürzte er in eine Sinnkrise. Er beschäftigte sich mit der Spiritualität des Dalai Lama, besuchte Gottesdienste der Landeskirche. Dort vermisste er Menschen in seinem Alter. 2004 traf er auf einem Flohmarkt einen Christen, der ihn zu einem afrikanischen Gottesdienst des evangelischen Jugendhauses „Weigle-Haus“ einlud: „Ich fühlte mich dort angesprochen und habe keinen Sonntag verpasst. Diese Leidenschaft kannte ich bisher in Bezug auf den Glauben noch nicht.“

Kein missionarischer, sondern ein persönlicher Zugang

„Ich hatte den Eindruck, dass sich die Medienwelt für religiöse Themen kaum interessiert. Auf der anderen Seite arbeiten sich viele säkulare Künstler daran ab.“ Das wollte Tränkle dokumentieren. Er begann Schallplatten und CDs zu sammeln. Inzwischen besitzt er in seiner Altbauwohnung im Arbeiterstadtteil Frohnhausen 400 Exponate, die Jesus auf dem Plattencover zeigen.

Dem 53-Jährigen ist klar, dass die Künstler völlig unterschiedliche Motive haben, um Jesus darzustellen. Er erzählt: „Schockrocker Alice Cooper besiegte mit Hilfe seines Glaubens die eigene Alkoholsucht. Bob Dylan hat christliche Alben aufgenommen, auch wenn ihn das viele Fans gekostet hat.“ Der Country-Musiker Johnny Cash habe Lieder zum Thema Glauben geschrieben. Auch ein Atheist wie Nick Cave arbeite sich regelmäßig an biblischen Themen ab: „Die große Mehrheit der Künstler hat keinen missionarischen, sondern einen sehr persönlichen Zugang zum Thema.“

Diverse Bands haben die Person Jesus auf unterschiedliche Weise auf ihren Covern thematisiert

Diverse Bands haben die Person Jesus auf unterschiedliche Weise auf ihren Covern thematisiert

Tränkles Augen glänzen, wenn er darüber spricht. Er zeigt die ganze Bandbreite dessen auf, wie Musiker Jesus zum Thema machen oder ihn aufs Cover setzen. Die englische Band „The Housemartins“ beschäftige sich in ihrem Album „Take Jesus, take Marx, take hope“ mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Band „Motörhead“ klage in dem gleichnamigen Lied an, dass Gott nie an ihrer Seite war. Die Punk-Band „The Bollock Brothers“ widme der Bibel ein ganzes Album und „Siouxsie & the Banshees“ vertonten das Vaterunser in einer Punk-Version. Rapper Kanye West lasse sich als Jesus Christus für das Musikmagazin Rolling Stone fotografieren, Madonna sich skandalträchtig ans Kreuz nageln.

Jede Subkultur malt ihr eigenes Bild

Die englischen Punk-Band „The Exploited“ erklärte Gott endgültig für tot („Jesus is dead“). Für die Krautrocker „Michael Anton & Amok“ war dieser die neueste Droge („Jesus makes you high“). „Reagan Youth“ deutete Jesus als Kommunisten, die Musiker von „Jesus Dread“ sahen ihn als Reggae-Bruder. Jede Generation und Subkultur zeichnete ihr eigenes Bild.

Wenn er auf Flohmärkten nach Jesus-Covern suche, werde er teils mitleidig angeschaut, sagt Tränkle. Ihm fehlten christliche Autoren mit Strahlkraft, die christliche Themen prominent und über die Subkultur hinaus platzierten. Kirche sei nur noch für Taufe, Hochzeit und Beerdigung da, findet der aktuell „gemeindlich Heimatlose“.

Tränkle ist sich bewusst, dass er mit seinem Thema Grenzgänger ist: „Christen haben oft mit Popkultur nichts am Hut und Popmusiker umgekehrt ganz selten etwas mit dem Glauben.“ Trotzdem verspürt Tränkle den Ehrgeiz, das Thema aus der Nische zu holen: „Jesus und die Popkultur sind kein Thema für den Hinterhof.“ Es sei schwierig, Ausstellungen in Museen zu platzieren. Deswegen will er die Idee nun alleine umsetzen. Tränkle sieht sich als Chronist: „Ich möchte nichts bewerten. Das Cover ist ein Kunstwerk. Jeder bastelt sich mit seinem Hintergrund und seinen Erfahrungen seine eigene Version von Jesus.“ Am intensivsten und „leider oft auch blasphemisch“ geschehe dies im Heavy-Metal-Bereich. Tränkle mag kreative Umsetzungen. Ihm imponiert ein Cover von Freddy Gibbs. Darauf wird der Rapper in den Himmel entrückt. Seine Fans filmen den Vorgang mit dem Smartphone.

Wissenschaftliche Bearbeitung wünschenswert

Tränkle wünscht sich, dass sich die Wissenschaft noch intensiver mit dem Thema „Religion und Popkultur“ beschäftigt. Schließlich bestimme das Thema das kreative Schaffen vieler Künstler. Die „Toten Hosen“ haben beispielsweise im Advent ein Konzert in einer evangelischen Kirche Speyer gegeben. Im Stadion von Union Berlin an der Alten Försterei treffen sich Zehntausende, um Weihnachtslieder zu singen. Und über die „Queen of Soul“, Aretha Franklin, gibt es einen neuen Film, der sie bei Auftritten in Baptisten-Gottesdiensten zeige.

Tränkle möchte auch Entwicklungen in Literatur, Mode, Werbung und Film in seine geplante Ausstellung einfließen lassen. Schließlich gebe es Werbung mit vielen religiösen Zitaten. Es gebe „Jesus High Heels“ von Givenchy und die Marke Holy Ghost habe eindeutig religiöse Konnotationen. Alleine das Online-Auktionshaus ebay biete täglich über 20.000 Jesus-Artikel an.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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