Im Mai tourte der kanadische Musiker Danny Plett mit seinem Album „Tanz durch den Sturm“ durch Deutschland

Im Mai tourte der kanadische Musiker Danny Plett mit seinem Album „Tanz durch den Sturm“ durch Deutschland

Danny Plett: „Finde es schade, wenn Chorarbeit in Gemeinde ausstirbt“

Danny Plett ist in der christlichen Musikszene ein gefragter Sänger und Produzent. In seiner Heimat Kanada arbeitet er als Musikpastor. Im Interview erzählt er, warum Chorarbeit in der Gemeinde nicht aussterben darf, was schlechte Lobpreislieder sind und was er von politischer Korrektheit hält.

Der Kanadier Danny Plett (54) ist Sänger, Songschreiber und Produzent. Mit zwölf Jahren begann er, selbst Lieder zu schreiben. Er hat insgesamt 14 Solo-Alben produziert, darunter ist sein aktuelles Werk „Tanz durch den Sturm“. Er schreibt Lieder für unter anderem Cae Gauntt, Anja Lehmann und Yasmina Hunzinger. Nach mehr als 20 Jahren in Deutschland ist er mit seiner Familie wieder in seine Heimat gezogen. Seit 2014 arbeitet er als Worship-Pastor in der „Emmanuel Evangelical Free Church“ in Steinbach, Manitoba. Plett hat mit seiner Frau Sherri zwei erwachsene Kinder.

pro: Dusty Springfield hat in ihrem Lied „Son of a Preacher Man“ davon gesungen, was Pastorensöhne einem beibringen können, was andere nicht können. Ihr Vater ist Pastor. Was ist Ihre Antwort darauf?

Danny Plett: Die ganzen christlichen Werte, die mein Vater uns beigebracht hat, kann ich nun auch weitergeben: zum Beispiel, dass die Gemeinde nicht nur Gemeinde ist, in die man jeden Sonntag geht. Sondern Gemeinde ist eine Familie von Christen, die sich in verschiedenen Lebenslagen ermutigen und unterstützen kann.

Was sind Ihre Aufgaben als Musikpastor in Kanada?

Mein Job heißt Worship-Pastor. Auf der Bühne leite ich Lobpreis und probe mit meinen Musikern und Sängern – auch für besondere Gottesdienste zu Weihnachten und Ostern. Hinter der Bühne ist mein Bereich Mentoring: Ich begleite viele von unseren jungen Musikern, potenzielle Worship-Leiter.

Welche Ansprüche haben Sie an einen guten Gottesdienst?

Der Musikteil eines Gottesdienstes soll Höhen und Tiefen haben in der Dynamik. Es sollen Lieder sein, die die Gemeinde gerne singt. Die alten Lieder dürfen nicht abgedroschen sein. Ich lege Wert darauf, dass die Texte geistliche Tiefe haben. Es gibt gut und weniger gut geschriebene Lobpreismusik. Ich fördere mein Team, selbst Musik zu schreiben, weil das Liedgut auch das Gemeindeleben widerspiegeln soll. Die Musik sollte zum wichtigsten Teil des Gottesdienstes, der Predigt, hinführen. Für mich sollte alles aus einem Guss sein. Zeugnisse von Menschen darüber, wie sie zum Glauben gekommen sind oder was sie mit Gott erleben, sind auch wichtig. Die Theorie, die die Predigt vermittelt, wird durch unser Leben Realität.

Was ist ein schlecht geschriebenes Lobpreislied?

Das sind Lieder, in denen die Theologie ganz schwach ist. Ich vermeide es, Lieder auszuwählen, die auch ein Liebeslied für eine Frau oder einen Mann sein könnten. Es gibt Lieder, die für Jesus geschrieben sind, sich aber anhören, als wenn sie für einen Freund getextet wurden anstatt für den Herrn aller Herren. Ich denke, das stellt den Gott des Universums in einer oberflächlichen Weise dar.

„Der Chor ist für mich die elementarste Musikgruppe, die es gibt. Ich finde es sehr schade, wenn Chorarbeit in der Gemeinde ausstirbt.“

Gibt es in Ihrer Gemeinde Streit über den Musikstil?

Nein. Unsere Gemeinde hat vor einigen Jahren, bevor ich dahin kam, die Entscheidung getroffen, einen traditionellen Gottesdienst mit Orgel- oder Klavierbegleitung und einen modernen Gottesdienst durchzuführen. Es gibt ein paar Anlässe im Jahr, zu denen Gottesdienst gemeinsam gefeiert wird, wie etwa zu Ostern.

Sie haben ein klassisches Chorstück mit dem Titel „Vast“ geschrieben. Was fasziniert Sie an Chormusik?

Der Chor ist für mich die elementarste Musikgruppe, die es gibt. Ich finde es sehr schade, wenn Chorarbeit in der Gemeinde ausstirbt. Der Chor ist der beste Ort überhaupt, um Musik, Harmonien, Gesang zu lernen, ohne dass man solistisch auftreten muss. Das geht sicher auch mit dem Orchester. In einem Chor braucht man nur die Stimme. Jeder hat eine Stimme. Ich finde, sie ist das interessanteste Instrument überhaupt. Sie kann so viel an Emotionen ausdrücken: Wut, Liebe, Frust. Ich bin begeistert von der menschlichen Stimme.

Danny Plett beobachtet den Trend, dass heutzutage viele junge christliche Musiker Worship-Musik in der Gemeinde, aber auch säkulare Musik in der Welt machen

Danny Plett beobachtet den Trend, dass heutzutage viele junge christliche Musiker Worship-Musik in der Gemeinde, aber auch säkulare Musik in der Welt machen

Sie haben auch Musik für Kinder geschrieben und sind selbst Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern. Wie können Eltern ihren Kindern den Glauben vermitteln?

Wir haben versucht, unseren Glauben ehrlich und authentisch zu leben. Wenn meine Frau und ich gestritten haben, haben wir das nicht vor den Kindern gemacht. Aber sicher haben sie es mitbekommen. Wir haben dann über diese Sachen gesprochen und einander vor unseren Kindern vergeben. Damit sie verstehen: Streit heißt nicht gleich, dass wir auseinander gehen. Wenn man streitet, spielt Vergebung eine große Rolle. Wir haben versucht, biblische Werte lebensnah an unsere Kinder zu vermitteln. Wir sind in den Gottesdienst gegangen, haben zusammen viel gebetet. Wir haben unseren Kindern beigebracht, dass Beten ein Gespräch mit Gott ist und dass es egal ist, wo wir beten – während wir laufen, joggen, arbeiten, Auto fahren. Es ist ein andauernder Dialog. Gebet ist wie Lobpreis, ein Lebensstil, und man kann das überall und immer tun.

Welche Trends beobachten Sie in der Musikbranche?

Bei uns in Kanada geht der Trend in der christlichen Musik weg von Vortragsmusik hin zum Mitmachen. Wir machen mit unserem Publikum Musik, nicht zur Unterhaltung, sondern als Worship. Ein weiterer Punkt: Als ich groß geworden bin, hat ein christlicher Musiker christliche Musik gemacht. Aber heutzutage machen viele junge christliche Musiker Worship-Musik in der Gemeinde, aber auch säkulare Musik in der Welt. Musik ist für sie keine Evangelisationsmethode, sondern sie versuchen, als Künstler ehrlich über Lebensthemen und von christlichen Weltanschauungen zu singen durch Musik, die nicht unbedingt über Gott spricht.

Was halten Sie von dem Trend, dass christliche Musiker säkulare Musik machen?

Ich würde jeden Christen, der seine Musik in einem säkularen Kontext verbreitet, dazu raten, dass seine Musik mit christlichen Werten vereinbar ist. Wenn das der Fall ist, habe ich kein Problem damit, dass ein christlicher Musiker in einem säkularen Umfeld arbeitet.

„Gut, dass die Kultur der politischen Korrektheit kaputtgeht.“

Wie schätzen Sie die Diskussionen um die Politik von Donald Trump ein?

Ich bin Kanadier, kein Amerikaner. Aber wir bekommen sehr viel mit. Man redet fast nur über Donald Trump. Die politische Korrektheit verbietet es, sich gegen manche Probleme auszusprechen. Mittlerweile geht aber ein Ruck durch die Gesellschaft – nicht nur in Amerika, sondern überall: Man redet viel freier über das, was man glaubt und für richtig hält, als vorher. Ob das gut und gesund ist, werden wir sehen. Ich finde es aber gut, dass die Kultur der politischen Korrektheit kaputtgeht. Ich glaube, wir sollten ganz ehrlich über alle Themen sprechen. Das ist für mich ein viel größeres Thema als etwa die Einreise-Dekrete von Trump, auch wenn das auch sehr wichtig ist.

Was sind beruflich und privat Ihre weiteren Pläne?

Privat: Ich freue mich total auf Enkelkinder. Beruflich bin ich sehr glücklich in der Gemeinde, in der ich gerade bin. Ich darf immer wieder nach Deutschland kommen, was super ist. Nächstes Jahr werde ich beim Festival „Spring“ sein, und vielleicht hängen wir ein paar Konzerte dran. Ich bin glücklich als Musik-Worshipper und ich sehe, dass das meine Rolle ist, bis ich Rentner werde. Sehr wahrscheinlich auch darüber hinaus.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Blatt. (pro)

Dieser Text ist der aktuellen Ausgabe 3/2017 des Christlichen Medienmagazins pro entnommen. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: mab

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