Wenn Juraj und Michal den Fortbestand ihrer theologischen Hochschule sichern wollen, dürfen sie sich nicht mit dem kommunistischen Regime anlegen

Wenn Juraj und Michal den Fortbestand ihrer theologischen Hochschule sichern wollen, dürfen sie sich nicht mit dem kommunistischen Regime anlegen

Kommunismus oder Kirche – Wem dienen?

„Diener“ heißt ein Film noir des tschechischen Regisseurs Ivan Ostrochovský, der auf der diesjährigen Berlinale präsentiert wurde. In dem Spielfilm müssen sich die Seminaristen einer Hochschule in der Tschechoslowakei der 80er Jahre entscheiden, welchem System sie dienen wollen: dem kommunistischen Regime oder der Katholischen Kirche. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Viel ist in der westlichen Welt nicht bekannt über den Widerstand der tschechischen Kirche gegen das kommunistische Regime, das bis 1990 das Land beherrschte. Und Spielfilme darüber gibt es erst recht nicht viel. Der Film „Služobníci“ (Diener) des tschechischen Regisseurs Ivan Ostrochovský ändert das nun: In 80 Minuten erzählt er in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern von den Priesterschülern Michal (Samuel Polakovič) und Juraj (Samuel Skyva), die sich entscheiden müssen: Entweder sich dem Druck des Geheimdiensts beugen und ein weitgehend unbehelligtes Theologiestudium fortführen, oder sich dem Widerstand anschließen.

Im Jahr 1980, in dem der Film spielt, hatte die jahrelange Unterdrückung der Kirche durch das kommunistische Regime bereits deutlich ihre Spuren hinterlassen. Der Staat versuchte, die Religiosität im Lande auszulöschen und verfolgte daher ein strikte Restriktion der Kirche. Die Verbindung zwischen den tschechoslowakischen Katholiken und der römisch-katholischen Weltkirche sollte zerstört werden. Im Jahr 1971 wurde der „Verein der katholischen Geistlichen Pacem in terris“ gegründet, in dem sich katholische Geistliche bewusst zum atheistischen Regime bekannten. Diese Vereinigung der sogenannten „Friedenspriester“ existierte bis 1989; 23 Jahre lang durfte in der Tschechoslowakei kein Bischof öffentlich geweiht werden.

Geheimagenten treffen auf Priesterschüler

Viele der lehrenden Priester im Film achten also streng darauf, dass niemand in der Schule aneckt oder auch nur den Verdacht beim Geheimdienst erregt, Kontakt mit den politischen Widerständlern zu haben – sonst steht die theologische Hochschule selbst auf dem Spiel. Jedoch tauchen irgendwann verbotene Bücher auf; schnell ist klar, dass sich in der Schule Widerständler befinden. Die Seminaristen Michal und Juraj müssen sich entscheiden, ob sie das Wohl der Ausbildungsstätte sichern oder sich für die Befreiung vom Kommunismus einsetzen. Kurz: wem sie dienen möchten.

Ivan Ostrochovský hat einen Film erschaffen, der nicht leicht anzusehen ist, weil er in langen, ruhigen Einstellungen in Schwarz-Weiß erzählt. Optisch hat der Film beeindruckende Einstellungen zu bieten: Da huschen die Priesterschüler in ihren schwarzen Soutanen durch die kalten, steinernen Gänge, sie laufen beim Tischtennis-Spielen um einen Tisch, spielen Fußball oder springen Trampolin. Zwischendurch erinnern Mitarbeiter des Geheimdienstes, aus Kofferräumen Mittelsmänner mit Alkohol bestechend, an zahlreiche Agenten-Filme über die Ost-Mächte in den 80er Jahren.

Die ruhige Erzählweise wird dem angespannten Leben der Geistlichen, die ihr Leben einsetzen, um den Kontakt zur westlichen Welt und zum Vatikan aufrecht zu erhalten, auf den ersten Blick nicht unbedingt gerecht. Selbst die Mitarbeiter des Geheimdienst sehen zwar finster aus, so wirklich gewalttätig werden sie zumindest in diesem Film aber kaum. Dem Film „Služobníci“ ist es aber in jedem Fall zu danken, dass der unterdrückten Katholischen Kirche zur Zeit der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik Aufmerksamkeit geschenkt wird. Er soll im März 2020 in die tschechischen und slowakischen Kinos kommen.

Von: Jörn Schumacher

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