Lea van Acken überzeugt in der deutschen Produktion „Das Tagebuch der Anne Frank” als Anne Frank

Lea van Acken überzeugt in der deutschen Produktion „Das Tagebuch der Anne Frank” als Anne Frank

Zwei Jahre Hoffen und Bangen

Am Mittwoch wäre Anne Franks 90. Geburtstag. Ihr Leben ist häufig in Büchern und Filmen dokumentiert. Der Streifen „Das Tagebuch der Anne Frank“ besticht durch eine starke Hauptdarstellerin Lea van Acken sowie die gute Darstellung der innerfamiliären Konflikte, die ein Leben in Gefangenschaft mit sich bringt. Eine Filmkritik von Johannes Blöcher-Weil

Anne Franks unbeschwerte Erlebnisse mit der Familie und Urlauben in der Schweiz sind schnell verflogen. Der Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ (2015) beschreibt die Ängste und Zwänge eines Lebens in Gefangenschaft, und welche zwischenmenschlichen Probleme daraus folgen. Vielleicht steht dabei die Pubertät der Hauptprotagonisten etwas zu sehr im Vordergrund, möglicherweise motiviert durch die Vorlage.

Die junge Hauptdarstellerin Lea van Acken beeindruckt in dem Film und setzt mit ihrer schauspielerischen Leistung ein dickes Ausrufezeichen. Selbstsicher und aufgeweckt verkörpert sie die pubertierende Anne Frank, deren Lebensgeschichte schon so viele bewegt hat und es mit der ersten deutschen Kino-Version wieder tun wird.

Wenn Nazis den Alltag zerstören

Der Stoff des Filmes ist bekannt: Durch die judenfeindliche Politik der Nationalsozialisten muss die Familie Frank fliehen. Sie wähnt sich in den Niederlanden, wo der Vater arbeitet, in Sicherheit. Doch spätestens nach dem Einmarsch der Nazis müssen die Juden dort immer mehr Einschränkungen hinnehmen. Der Film inszeniert das eindrücklich mit einer Szene, in der junge Nazi-Anhänger Anne und ihre Freundinnen am Schwimmen hindern.

Weil Schwester Margot ins Arbeitslager deportiert werden soll, muss die Familie untertauchen. Das Hinterhaus einer Firma wird für über zwei Jahre ihre gezwungene Heimat. Vier weitere Bewohner machen das Ganze zu einer Zweckgemeinschaft, in der unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen. In diesem Geflecht macht nicht nur die kompromisslose Anne eine starke Figur. Auch Vater Otto (Ulrich Noethen) als ruhender Pol und die verbitterte Mutter Edith (Martina Gedeck), die immer neue Konflikte mit der Tochter austragen muss, beeindrucken.

Wünsche und Träume im Keim erstickt

Seit ihrem 13. Geburtstag vertraut Anne ihrem Tagebuch ihre Sorgen und Nöte an. Und davon gibt es viele in dem „Käfig“, als den Anne ihren Aufenthaltsort empfindet. Ihr wird deutlich, welche Wünsche und Träume einer Heranwachsenden sie in der Gefangenschaft nicht umsetzen kann. Die Hoffnung, das Versteck nach ein paar Wochen wieder zu verlassen, erweist sich als trügerisch. Die Rebellion der Tochter gegen ihre Mutter und die übrigen Mitbewohner stellt die „Zwangs-WG“ vor Herausforderungen. Zwei Jahre müssen alle ihr Leben stark einschränken, um nicht entdeckt zu werden. Der Film inszeniert die strapazierte Atmosphäre im Hinterhaus sehr gut, bis hin zur Einstellung der völlig mit der Situation überforderten und etwas naiven Frau von Daan.

Die Landung der Alliierten in der Normandie verfolgen die Bewohner am Radio. Die ausgelassene Fröhlichkeit lässt Hoffnungen aufkeimen, die schon bald erstickt werden. Es ist eine der Szenen, die für Gänsehaut sorgen; genau wie die Momente, in denen die Versteckaktion schon hätte auffliegen können. Andere Höhepunkte des Films sind die Gespräche zwischen den beiden grundverschiedenen Schwestern, die über ihre Zukunft nachsinnen und dabei merken, wie hoffnungslos ihre Situation ist.

Glaube an Gott kaum ein Thema

Wie aus dem Nichts erscheint eines Tages die Gestapo. Dem Umstand, dass sie dabei das Tagebuch von Anne Frank nicht mitnimmt, verdankt dem Zuschauer den aktuellen Film. Kaum ein Thema ist darin, dass Anne Frank starke Zuversicht aus ihrem Glauben an Gott zieht. Nur einmal spricht sie mit Tränen überströmt den Satz, dass Gott „alles wieder zum Guten wenden wird, was er er uns auferlegt hat“. Als die kahl geschorene Anne Frank dem Zuschauer in der Schlussszene tief in die Augen blickt, verdeutlicht auf bedrückende Weise die Schrecken des Holocaust. Leider werden die großen Strömungen und politischen Zusammenhänge nur sehr dünn beleuchtet.

Zum Schluss reißt die Hand einer Wärterin die Hauptfigur buchstäblich aus dem Bild. Anne Frank stirbt in Bergen-Belsen. Ihre Sehnsucht und ihr Lebenswille erwiesen sich als treibende Kraft. Letzten Endes waren beide zu schwach gegen die Macht der Nationalsozialisten. Weil mit Otto Frank ein Mitglied des Hinterhauses das Martyrium überlebt hat und die Geschichte überliefern konnte, sollten gerade junge Menschen den Film schauen, damit sich das dunkle Kapitel der Geschichte nicht mehr wiederholt.

„Das Tagebuch der Anne Frank“, auf DVD ab 5 Euro online erhältlich, Regie: Hans Steinbichler, 128 Minuten, freigegeben ab 12 Jahre

Das Christliche Medienmagazin pro veröffentlichte diese Filmkritik zu „Das Tagebuch der Anne Frank“ zum deutschen Kinostart erstmals am 7. März 2016. Anlässlich des 90. Geburtstags von Anne Frank, der am Mittwoch gewesen wäre, erscheint die Rezension erneut.

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